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Hallo Mädels,
zuerst mal: Ich glaube auch nicht recht an diesen Fall. Vielleicht war der Fötus, der als zweites entdeckt wurde, einfach kleiner bzw. weniger weit entwickelt als der erste und man hat dann einfach mal als Erklärung genommen, dass der Eisprung später gewesen sein muss. Es könnte aber vielleicht auch noch andere Erklärungen geben.
Aber um der "Wir sind keine Maschinen" Fraktion dennoch etwas Rückhalt zu geben: Mit "mechanistischen" Erklärungen kommt man bei dieser Frage sicherlich nicht weiter. Wenn man verlangt: "Erklär mir doch mal, wie das gehen soll", kann man selbstverständlich nur mit Spekulationen antworten. Eben zum Beispiel, dass eine Frau ja evtl. nicht genügend Progesteron hatte, um einen ES zu verhindern, aber es hat dennoch ausgereicht, um die erste Schwangerschaft zu erhalten. Das klingt dann alles ziemlich an den Haaren herbei gezogen.
Dennoch kann man auch nicht sagen, doch, wir sind Maschinen und funktionieren so und so. Früher hat man auch geglaubt, dass Spermien niemals länger als 48 Stunden überleben könnten. Dann kam die NFP-Studie und man hat unter anderem festgestellt, dass Spermien bis zu 5 (in seltenen Fällen 6) Tage überleben können. Wie hat man das festgestellt? Indem man Fälle hatte, wo man beweisen konnte, dass der einzige zur Zeugung in Frage kommende Geschlechtsverkehr 5 oder sogar 6 Tage vor dem Eisprung war.
Als Erklärung dazu hat man herausgefunden, dass Spermien im Zervixschleim ernährt werden können. Das ist die "mechanistische" Seite. Vorher hielt man das nicht für möglich. Vorher hätte man auch sagen können: "Wie sollen die Spermien denn überleben, sie brauchen doch Glucose um zu überleben, das geht doch gar nicht!". Erst waren die Erkenntnisse der Studie auch ein "Phänomen" nach damaligen Ansichten, dann hat man erst mal nach der Glucose-Quelle gesucht und sie dann schließlich gefunden.
Wenn man morgen einen Fall findet, wo eine Frau ihren ES erst 8 Tage nach dem in Frage kommenden Geschlechtsverkehr hatte, dann müssen wir alle unsere Meinung revidieren und sagen, in ganz extrem seltenen Fällen können Spermien auch 8 Tage überleben. Eine "mechanistische" Erklärung haben wir dafür dann nicht, aber einen Beweis. Die mechanistische Erklärung müssen wir dann erst mal finden. Der Beweis wird für uns alle die NFP nicht wirklich unsicherer machen. Denn dieser eine Fall bei vielleicht einer Million Fälle, wo die -8 Tage-Regel zweifellos funktioniert, ist im Grunde zu vernachlässigen. Dieses Phänomen würde bedeuten: Du hast eine 1 zu eine Million Chance, schwanger zu werden. Die Chance, dass in der fruchtbaren Zeit das Kondom platzt, ist viel höher, es ist also völlig egal.
Aber wir können heute nicht wissen, welche Entdeckungen morgen gemacht werden und welche Erklärungen man dafür noch findet. Diese Überbefruchtung kommt mir bisher eher wie ein Märchen vor, klare Beweise fehlen meiner Ansicht nach. Aber viele Dinge, auch viele Dinge auf die wir NFPlerinnen uns verlassen, wurden in Studien festgestellt, und Studien werden niemals an der kompletten Menschheit gemacht, so dass es immer noch Einzelfälle geben kann, die man übersieht - sie sind nur extrem, extrem unwahrscheinlich, aber möglicherweise nicht unmöglich. Mechanistische Erklärungen findet man dann auch meist erst hinterher und auch die beruhen oft teilweise auf Hypothesen. Kein Mensch hat bisher bei 100 oder mehr Frauen kontinuierlich, täglich, ein Jahr lang den Hormonspiegel gemessen um zu dokumentieren, was genau normal und was außer der Norm ist. Welche Konstellationen im allgemeinen vorkommen, ist einigermaßen erfasst. Was alles tatsächlich möglich ist, hat man bisher nicht bewiesen. So ist das.
Aber eins ist sicher: Von den ca. 3 % ungeplanten Schwangerschaften bei der NFP ist die ganz, ganz große Mehrheit durch eine schlechte Verhütungsmotivation entstanden, weil geschludert wurde, einer wollte und der andere nicht oder das Kondom grad mal nicht zur Hand war. Dass einen so was erwischt, ist so viel wahrscheinlicher als das Risiko, dass vielleicht doch mal was passiert, was in den letzten Jahren in soundsoviel Zyklen nie vorgekommen ist. Die Sicherheit von NFP, wenn man es richtig macht, wird weder durch eine tatsächliche Überbefruchtung, falls es sie gibt, noch durch andere ähnliche Phänomene ernsthaft in Frage gestellt. Und damit, dass es 100 % nicht gibt, muss man leben, auch bei der Pille. Dass es Schwangerschaften bei der Pille auch dann gibt, wenn man keinerlei Fehler macht, ist im Übrigen tatsächlich erwiesen - und mechanistisch kann man das auch schwer erkären. Außer dass drei Systeme eben auch nicht wasserdicht sind, die Wahrscheinlichkeit (und genau das ist der Punkt, es ist und bleibt eine Wahrscheinlichkeit) dass alle drei gleichzeitig versagen, ist nur extrem gering.
Liebe Grüße,
Pingu
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