Leutee
Es gibt auch erfreuliche Nachrichten!!
Habe letztens eine Zeitschrift eingepackt und ich werdet es nicht glauben - ich habe ihn entdeckt: einen sich über 3 Seiten erstreckenden Artikel über NFP. Weil ich mich so darüber freue, tippe ich ihn für euch ab.
Aus Lebensart - Das Magazin für nachhaltige Lebenskultur (April/Mai 16)
Zitat:
Natürlicher Verhüten
Nicht jede Frau möchte hormonell verhüten. Doch gibt es Alternativen, die sicher sind?
13 Prozent der österreichischen Frauen vermeiden laut aktuellem Verhütungsreport eine hormonelle Verhütung, aus Angst vor Hormonen. Die Gründe sind vielfältig - neben unerwünschten Nebenwirkungen wie Lustlosigkeit oder Gewichtszunahme ist zum Beispiel auch das erhöhte Thromboserisiko ein Faktor, warum sich manche Frauen auf die Suche nach Alternativen machen. Zudem wirken hormonähnliche Inhaltsstoffe, wie sie zum Beispiel in der Pille enthalten sind, als endokrine Disruptoren [...], die den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen können. Viele Frauen wollen sich möglichen Gefahren nicht aussetzen. Doch welche Alternativen gibt es sonst und wie sicher sind sie?
VIEL UNWISSENHEIT
Der Zyklus einer Frau dauert 28 Tage, am 14. Tag findet der Eisprung statt - richtig? Schulwissen, das sich in unsere Köpfe eingebrannt hat und dabei gar nicht den Tatsachen entspricht. Kein Wunder, dass natürliche Verhütung als unsicher gilt, wird sie doch oft mit der "Kalendermethode" gleichgesetzt. Doch wer glaubt, fruchtbare Tage einfach errechnen zu können, vergisst, dass der menschliche Körper kein Computer ist. "Der Eisprung kann auch bei regelmäßigen Zyklen schwanken", sagt Dr. Petra Frank-Herrmann, Oberärztin der Abteilung für Endokrinologie und Fertilitätsstörungen an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg. Dort befindet sich die deutsche (und weltweit größte) Langzeit-Zyklusdatenbank.
Seit den 80er-Jahren wurden über 40.000 Zyklen von über 1.700 Frauen gesammelt und wissenschaftlich untersucht, die Natürliche Familienplanung (NFP) nach der sogenannten "Sensiplan Methode" betreiben. Das Ergebnis der groß angelegten Studie: Die Methode hat einen Pearl-Index von 0,4 - ist also mit der Sicherheit der Pille (ca. 0,2 bis 0,4) vergleichbar. Wird in der fruchtbaren Zeit nicht enthaltsam gelebt, sondern ein Kondom verwendet, beträgt der PI 0,6. Um sich vom Sammelsurium von sicheren und unsicheren Methoden unter dem Sammelbegriff NFP abzugrenzen, wurde dem quasi "wissenschaftlich untersuchten NFP" der Name "Sensiplan" verpasst.
Obwohl das Ergebnis der Studie seit fast 10 Jahren vorliegt, kennt diese sehr sichere Verhütungsmethode in Österreich kaum jemand. Dabei liegt die NFP-Wiege sogar doppelt in Österreich. Der österr. Gynäkologe Hermann Knaus bereitet den Anfang: "Die sensationelle Erkenntnis von Knaus war seine Feststellung, dass der Eisprung ca. 14 Tage vor der nächsten Periode stattfindet. Und zwar unabhängig von der Zykluslänge, also beispielsweise auch bei 35 Tagen, wo der Eisprung ca. am 21. Zyklustag liegt, mit relativer Konstanz", so Dr. Frank-Herrmann. Ebenfalls aus Österreich stammte der Arzt Josef Rötzer. Er fasste die internationalen Erkenntnisse zur ersten "symptothermalen Methode" zusammen. Dabei werden zwei Körperzeichen beobachtet und kombiniert, um doppelte Sicherheit zu haben: die Temperatur und der Zervixschleim. Sensiplan entspricht nun dem modernen Stand der wissneschaftlichen Forschung auf dem Gebiet der NFP.
TEMPERATUR UND SCHLEIM VERÄNDERN SICH BEIM EISPRUNG
Was das praktisch bedeutet, erklärt die Wiener NFP- bzw. Sensiplan-Beraterin Manuela Mertl: "Zum Zeitpunkt des Eisprungs steigt die Temperatur im Körper leicht an, weil der Eierstock Progesteron produziert. Diesen Temperaturanstieg kann man messen. In der unfruchtbaren Zeit ist zudem der Gebärmutterhals durch einen Pfropfen verschlossen, der Scheideneingang ist meist trocken. Damit die Spermien leichter eindringen können, öffnet sich der Gebärmutterhals vor dem Eisprung. Östrogen macht den Schleim dünnflüssiger und wässriger in seiner Konsistenz." NFP-Anwenderinnen messen jeweils vor dem Aufstehen in der Früh ihre Temperatur (Basaltemperatur). Beim Toilettengang lässt sich auch die äußerliche Veränderung des Schleims beobachten, etwa mit einem Stück Toilettenpapier. Diese Beobachtungen werden in ein Zyklusblatt eingetragen und nach gewissen Kriterien ausgewertet.
Ein umfassendes Regelwerk sorgt für die nötige Sicherheit und berücksichtigt zum Beispiel, dass Spermien im Extremfall bis zu fünf Tage überleben können. Im Normalfall beginnt die unfruchtbare Zeit entweder nach drei höheren Temperaturmessungen als in den sechs vorangegangenen Tagen oder drei Tage nach dem letzten dünnflüssigen Schleimsymptom - je nachdem, was später ist. Dabei ist es übrigens ganz egal, ob jemand einen regelmäßigen oder unregelmäßigen Zyklus hat. Es muss auch nicht jeden Tag und auch nicht immer zur gleichen Uhrzeit gemessen werden, es gibt sogar eigene Regeln für Frauen im Schichtdienst. "Es braucht Zeit, bis die Methode erlernt ist, im Normalfall etwa drei Zyklen. Verhütet werden kann aber schon ab dem ersten Zyklus. Leider kann man beim autodidaktischen Lernen auch viel falsch machen und falsche Regeln lernen", so Mertl.
AUFPASSEN BEI COMPUTER-THERMOMETERN UND APPS
Auch Störfaktoren wie Erkältungen, Alkoholgenuss o.Ä., die die Temperatur beeinflussen können, werden beobachtet und berücksichtigt, falls sich diese individuell auf die Anwenderin auswirken. Dies macht die Methode übrigens sicherer als Verhütungscomputer: "Computerthermometer können solche Störfaktoren oft nicht berücksichtigen und haben je nachdem, welche Regeln sie berücksichtigen, unterschiedliche Sicherheiten. Wir schätzen für die bei uns auf dem Markt befindlichen Computerthermometer eine mittlere Sicherheit - nicht schlecht, aber auch nicht die sicherste Kategorie. Computer mit Hormonteststreifen sind bis jetzt leider unsicher, auch wenn sie praktisch wären", sagt Dr. Frank-Herrmann. Aufpassen heißt es auch bei Apps: "Leider gibt es jede Menge Start-ups, die irgendwas annehmen, das jeglicher wissenschaftlicher Grundlagen entbehrt. Wir sind gerade dabei, Apps zu testen, die sich an Sensiplan orientieren.
An den fruchtbaren Tagen kann entweder entweder enthaltsam gelebt oder mit Kondomen verhütet werden. Ob es eine Alternative zu Kondomen gäbe? "Nein. Das One-Size-Diaphragma hat katastrophale Zahlen. Mit einem Pearl-Index von 14 kann man nicht sicher verhüten. Das früher verwendete spermizide Nonoxymol 9 in Diaphragmen reizt hingegen die Schleimhäute und begünstigt die Entstehung von übertragbaren Krankheiten, wie man heute weiß", so die Oberärztin. Wie lange in der Regel die unfruchtbare Zeit ist, in der verhütungsfrei gelebt werden kann? Je nach Zyklusregelmäßigkeit ca. 30-50%, sagt NFP-Beraterin Mertl. Unsicher sei vor allem die Zeit zu Beginn des Zyklus, nach dem Eisprung gehe das Risiko einer Schwangerschaft hingegen eher gegen Null.
VORTEILE UND NACHTEILE
Eine Verhütungsmethode also, die frei von Hormonen und etwaigen Nebenwirkungen ist. Zudem muss man sich auch keine Gedanken wegen eines etwaigen Thromboserisikos machen. Der Nachteil: "Wenn man sicher verhüten will, muss man es lernen. Es ist nicht so einfach wie die Pille oder das Kondom. Doch das schafft jede Frau, die motiviert ist", so Dr. Frank-Herrmann. Und das sind übrigens vor allem die 20- bis 30-jährigen: "Diese NFP-Einsteigerinnen zeigen eine große Konsequenz, weil sie wissen, dass sie nicht schwanger werden möchten. Unsere Studie hat gezeigt: Die meisten ungewollten Schwangerschaften passieren, weil die Frauchen bewusst ein Risiko eingehen, nach dem Motto: 'Wird schon nix passieren'." Wie die Pille kann aber auch NFP natürlich nicht vor Geschlechtskrankheiten schützen.