Bezüglich des Themas Geschlechterindentität: Danke Linette und Alana fürs Teilen - bestürzend, was da passiert ist, ich konnte es zunächst wirklich nicht glauben

ist aber wahrscheinlich OT.
Fatima, zwei Dinge möchte ich gerne aufgreifen:
Fatima hat geschrieben:
Und auch Hygiene ist mir sehr wichtig.
Fatima hat geschrieben:
Ich denke, es spielt auch eine Rolle, ob ich in einem Industrieland aufwachse und im Falle einer Phimose dann erst mit Cremes, Behandlung etc herumprobieren kann und dann im "Notfall" immer noch eine Beschneidung machen kann.
Ich denke, Religion setzt da anders an: Weil man nicht überall die oben genannten medizinischen Möglichkeiten hat, werden alle beschnitten. Denjenigen, die eine Phimose gehabt hätten, nützt es und den anderen schadet es nicht. Und man hat sogar die Vorteile bei Hygiene; übertragung von Krankheiten
Wenn man so argumentiert, dann sucht man zunächst mal logische Argumente für das Ritual. Und gerade die, die du anbringst, finde ich hinreichend
entkräftigt (siehe die verlinkten Infos aus einem früheren Post):
1. es gibt
keine hygienischen Vorteile oder Vorbeugung vor Krankheitsübertragung, sondern tw. sogar Nachteile;
2. doch, es schadet so gesehen durchaus - u.U. hygienische Nachteile, Schmerzen [selbst zwei Tage Schmerzen würde ich nicht in Kauf nehmen ohne Nutzen], Infektionsrisiko nach dem Eingriff, Veränderungen beim Sex, Verlust des empfindsamsten Bereichs der Genitalien;
3. gerade hier bei uns gibt es aber medizinische Möglichkeiten, das würde ja bedeuten dass die Beschneidung unter diesem Aspekt zumindest in allen Ländern mit ausreichender medizinischer Versorgung unnötig wäre - eine prophylaktische Beschneidung für den Fall einer eventuellen, sehr seltenen pathologischen Phimose würde ich ähnlich sinnlos einstufen wie prophylaktische Dammschnitte bei der Geburt.
Du hattest geschrieben, die Studien würden dich nicht beeindrucken. Ich weiß nicht ob du damit die Zahlen bezüglich Komplikationsraten meinst oder die Studien über hygienische Aspekte. Ich bin nur der Ansicht, man kann nicht mit alten Studien bezüglich Hygiene argumentieren und dann diejenigen neueren ignorieren, die diese Theorie widerlegen.
Insgesamt bin ich aber der Meinung, dass all diese
logischen Argumente unter religiösen Gesichtspunkten egal sein müssten: wenn ich glaube, dass Gott die Beschneidung fordert, dann muss es mir als Gläubigem letztlich egal sein, warum er dies tut, oder? Dann akzeptiere ich, dass es einen Grund gibt der mir mit meinem irdischen Verstand nicht ersichtlich ist oder sein kann, denn von meinem irdischen Standpunkt aus gibt es keine nachvollziehbaren Pro-Argumente und viele dagegen.
Vielmehr ist es für mich Religionsfreiheit, zu sagen "ja, es gibt viele Nachteile; aber
ich entscheide mich dafür meinem Gott/meinem Glauben/meiner Religion zuliebe dieses "Opfer" zu bringen/diese Nachteile in Kauf zu nehmen, weil das für mich die Nachteile aufwiegt". Wenn jemand Gott zuliebe auf die vielen Nervenenden in seiner Vorhaut verzichten will, sozusagen. Dann ist der Nutzen für die Person aber weder hygienischer noch sonstwie medizinischer, sondern spiritueller Natur. Wichtig finde ich dabei eben, dass das jeder Mensch für sich selbst entscheidet, was er von sich für seine Religion hergeben möchte.
Ich hoffe es ist verständlich, worauf ich hinaus will.

Ich finde es falsch, zu versuchen etwas logisch zu rechtfertigen, was man aus religiösen Gründen tut. Religion entzieht sich für mich der Logik. Ehrlicher wäre es in meinen Augen, die sachlichen Argumente objektiv zu betrachten und dann frei seine Entscheidung zu treffen. Da darf dann freilich jeder aus Religionsfreiheit auch gegen die sachlichen Argumente handeln, und das muss dann respektiert werden.
Anders formuliert: wenn jemand fordern würde, Beschneidung soll weiterhin wie gehabt durchgeführt werden dürfen weil sie ja so viele Vorteile bringt, würde ich diese Forderung absolut ablehnen wenn all diese vermeintlichen Vorteile empirisch untersucht und damit widerlegt werden können. Keine objektiven Vorteile, keine Beschneidung.
Wenn aber jemand klipp und klar sagt es ist egal, dass es keine objektiven, empirisch belegbaren Vorteile gibt weil es hier um eine religiöse Frage geht, dann kann man dem im Rahmen der freien Religionsausübung nur wenig entgegensetzen.