NFP-Forum.de - Das Anwenderinnenforum für natürliche, sympto-thermale Familienplanung

20 Jahre NFP-Forum.de

Das Anwenderinnenforum für natürliche, sympto-thermale Familienplanung.
Datenschutzerklärung | Impressum
Startseite Forum KurvenReich Photos FAQ NFP Infos
!!! NEU !!!

Facebook

Instagram

Google

NFP-Forum.de - Das Anwenderinnenforum für natürliche, sympto-thermale Familienplanung

20 Jahre NFP-Forum.de

Das Anwenderinnenforum für natürliche, sympto-thermale Familienplanung.
Startseite Forum KurvenReich Photos FAQ NFP Infos Datenschutzerklärung Impressum
!!! NEU !!!

Facebook

Instagram

Google

Aktuelle Zeit: 19. Juni 2026 16:11

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 313 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 16, 17, 18, 19, 20, 21  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 19. Februar 2016 20:47 
Benutzeravatar
Offline
NFP-Guru

Registriert: 28. März 2010 22:17
Beiträge: 2558
Catelyn hat geschrieben:
Und das ist das was mich am stutzigsten macht. Ich gehe davon aus das die "meisten" Männer vor ihrer Geschlechtsreife beschnitten werden. Das heißt für mich das sie keinerlei Vergleich besitzen. Wie sollen sie wissen wie es sich eventuell sonst anfühlen würde? Vielleicht hätte sie ein deutlich gesteigertes Lustempfinden?!



Edit: Komolikationsrate wird mit 4-55% angegeben für Akutkomplikationen. :shock:


Da müsste man vielleicht gesunde Männer befragen, die wegen Religionswechsel oder aus ästhetischen, nicht-medizinischen Gründen im Erwachsenenalter eine Beschneidung haben vornehmen lassen. Wer schon als Kind beschnitten wurde hat keinen Vergleich. Wenn es mdeizinsch sinnvoll war ist naheliegend, dass der Eingriff eher positiv gesehen wird, wenn damit Beschwerden abgestellt werden.
Ich mag das auch wirklich nicht schmälern, welche Veränderungen im Eimfinden auftreten könn(t), mir ging es leidglich darum, dass der Vergleich zur weiblichen Genitalverstümmelung hinkt, deren Folgen von der Tendez her erheblicher sind und kaum vergelichbar mit der männlichen Beschneidung.

Hier ist ein Leitfaden der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe für den Umgang mit betroffenen Frauen, wenn jemand mehr dazu wissen will: http://www.bundesaerztekammer.de/richtlinien/empfehlungenstellungnahmen/genitalverstuemmelung/

Hier mehr zu Komplikationen bei männlicher Beschneidung:

http://flexikon.doccheck.com/de/Komplikationen_der_Zirkumzision
http://www.pflegewiki.de/wiki/Komplikationen_der_Beschneidung

_________________
Die Erde ist ein Nudelsieb


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 14:56 
Benutzeravatar
Online
Kurven-Rätslerin

Registriert: 20. Februar 2015 17:43
Beiträge: 312
NFP seit: 02/2015
Danke für die informativen Links, Alana.
Ich wollte mit dem Vergleich keinesfalls die weibliche Genitalverstümmelung kleinreden, die ist ohne Frage grauenvoll und schrecklich (mir fehlen die passenden Worte dazu irgendwie, ich finde grade keines dass mir "kraftvoll" genug erscheint).

Ich frage mich vielmehr, ob die männliche Beschneidung nicht verharmlost wird ("ja, ist nicht gut; aber weibliche Genitalverstümmelung ist doch viel schlimmer")? Immerhin wird ja eben dieses empfindlichste Stück des Genitals entfernt. Natürlich gibt es danach noch Orgasmen, Sex, etc., aber es scheint ja genügend Studien/Erfahrungsberichte zu geben, die belegen wie sehr die Empfindung und tw. auch der Ablauf eingeschränkt/verändert ist (z.B. hier, da geht es allerdings nur um das Erleben der Frauen mit beschnittenen/unbeschnittenen Männern - eine andere Studie ist leider nur kostenpflichtig einzusehen und untersucht erwachsen beschnittene Männer bei denen medizinische Indikationen vorlagen, deren Zufriedenheit ist also weniger aussagekräftig).

Bei der Verbreitung der männlichen Beschneidung im 19. Jahrhundert in z.B. den USA spielten meines Wissens auch (Aber-)Glaube bzw. Angst vor Sexualität, Lust, Masturbation etc. eine Rolle. Gerade dieser oben beschriebene Effekt war also offensichtlich erwünscht. Dazu kamen dann die vermeintlichen Vorteile bezüglich Hygiene etc. (vielleicht als wissenschaftliche Rechtfertigung?), die ich aber laut der vorgelegten Quelle als fragwürdig bzw. widerlegt betrachte (so lese ich auch 6.3, dass die HIV-Ansteckungsfrage bzw. potentielle Prävention durch Beschneidung eben nicht haltbar ist).
Wenn man sich jetzt betrachtet, was als Gründe für weibliche Genitalverstümmelung angeführt wird (Initiationsritus in die Gemeinschaft/Notwendig für Zugehörigkeit, Unterdrückung der Sexualität,...), sehe ich da durchaus auch kulturhistorisch Parallelen (Beschneidungen beiden Geschlechts kommen grob gesagt aus den gleichen Gegenden/Kulturen).

Nur weil die Anatomie von Männer es kaum möglich macht, so großen Schaden anzurichten wie bei Frauen (und vermutlich Patriarchat und Unterdrückung von Frauen auch mit reinspielen), darf doch der Eingriff nicht verharmlost werden. Und dass es den meisten Männer weggenommen wird bevor sie den natürlichen Zustand kennen lernen (so dass sie nicht merken können was ihnen fehlt), macht es nicht besser.
Deshalb: ja, was das Ausmaß der Schäden und negativen Langzeitfolgen angeht ist die weibliche Genitalverstümmelung unter anatomischen und vermutlich dadurch auch psychichen Gesichtspunkten noch krasser, aber finde den Vergleich durchaus passend - vielleicht sogar provokant notwendig, um ins Bewusstsein zu rücken was da passiert?

_________________
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag. B. Brecht ---- freut sich mit kleinem Hobbit 10/18 und Frühlingssternchen 04/21 * über das Frühlingskäferchen 04/22 und sucht aktuell Wildling Federn Fuchsia in Gr.33
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 15:08 
Benutzeravatar
Online
Kurven-Rätslerin

Registriert: 20. Februar 2015 17:43
Beiträge: 312
NFP seit: 02/2015
Edit nicht mehr möglich:
Ich bin bei der von Alana verlinkten Quelle über Komplikationen gerade auf das hier gestoßen - das kann doch nicht ernsthaft passiert sein??? :shock: *angst* :shock:

_________________
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag. B. Brecht ---- freut sich mit kleinem Hobbit 10/18 und Frühlingssternchen 04/21 * über das Frühlingskäferchen 04/22 und sucht aktuell Wildling Federn Fuchsia in Gr.33
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 16:30 
Offline
nicht mehr ganz so neu

Registriert: 20. Juli 2007 17:36
Beiträge: 93
Zitat:
Gerade weil ich aber den religiösen Standpunkt so gut nachvollziehen kann und eigentlich respektieren möchte, macht mich das in dieser Frage umso ratloser.


ich bin zwar kein Mann, aber Mutter von beschnittenen Söhnen und Ehefrau eines beschnittenen Mannes. Ehrlich gesagt beeindrucken mich solche Studien überhaupt nicht.
Es wird sociel von Komplikationen usw gesprochen. Aber wo sind sie denn? Mein Mann und ich haben 4 Söhne, zusammen 11 Brüder, an die 40 Cousins, keine Ahnung wie viele Neffen, dazu unzählige Freunde, Bekannte, usw... Wo sind die ganzen gefährlichen Nebenwirkungen, Komplikationen usw ? Ich versteh das nicht. Nach einigen Statistiken müsste ich ja schon Todesfälle durch Beschneidung kennen. Auch von Zeugungsunfähigkeit etc hab ich nie gehört.
und nein, ich glaube nicht, dass das alles totgeschwiegen wird. Alle werden und wurden im Kindesalter beschnitten,( in Deutschland oder im Ausland, mit verschiedenen Methoden), da wäre es überhaupt kein Problem über Komplikationen zu sprechen. Das Mindeste wäre, von einem Kinderarzt abzuraten, weil er nicht gut ist.
Das mit der sexuellen Empfindsamkeit kann man schwer einschätzen. Ich verstehe auch nciht, warum sich andere Menschen plötzlich darum sorgen?
Mir ist die Problematik an der Beschneidung wirklich nicht klar *nixweiss*.
Wir wünschen uns für unsere Kinder doch auch nichts schlechtes, warum wird man plötzlich so verteufelt?


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 16:46 
Benutzeravatar
Offline
NFP-Gräfin

Registriert: 1. März 2008 20:37
Beiträge: 3605
Wohnort: Niedersachsen
Fatima, ich verteufele niemanden, weil er seinen Sohn beschneiden lässt. Für mich wäre wichtig, dass das unter medizinisch einwandfreien Umständen passiert. Ich persönlich bin trotzdem dagegen. Ich brauche dafür auch keine Statistiken von Nebenwirkungen oder Todesfällen. Ich bin aber auch gegen das stechen von Ohrlöchern, erst recht bei Minderjährigen. Ich persönlich finde, dass man den menschlichen Körper nur verletzen sollte, wenn es medizinisch nötig ist. Körperliche Unversehrtheit ist für mich ein hoher Wert. Für andere Menschen gibt es andere Prioritäten - Ohrlöcher werden als harmlos angesehen, Ohrringe als wichtig. Ein beschnittener Penis aus religiösen oder ästhetischen Gründen angestrebt und die (sicherlich vorhandenen - wie auch bei Ohrlöchern) Risiken für gering und vertretbar gehalten.
Ich finde es problematisch, dass solche Entscheidungen von Eltern für ihre minderjährigen Kinder getroffen werden, aber da ich es grundsätzlich für richtig halte, dass Eltern die medizinische Sorge für ihr Kind haben, nehme ich das hin.
Ich bin persönlich auch gegen Abtreibung (mit wenigen Ausnahmen), finde aber unser Abtreibungsrecht richtig, so wie es ist. Kritik an Taten muss nicht heißen, dass der Mensch dahinter verurteilt wird.

_________________
Marit hat einen Mann und 4 Kinder zwischen 27 und 17 sowie ein Enkelkind.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 17:09 
Benutzeravatar
Offline
Inventar

Registriert: 22. Dezember 2013 21:02
Beiträge: 2477
Wohnort: vor den 7 Bergen
Mit der Unversehrtheit, auch bei den Ohrlöchern, bin ich ganz bei dir, Marit.

Bei den Auswirkungen ist auch noch graduell zu unterscheiden, wie viel weggeschnitten wird. Bei der traditionellen Beschneidung im Judentum ist es m.W. nur sehr wenig, während die in den USA oder z.B. Nigeria durchgeführte Beschneidung eine sehr hohe ist, da kommt wirklich viel Gewebe weg.

Jedenfalls habe ich die Beobachtung gemacht, dass Beschneidung einen hohen Identifikationsgrad zu haben scheint. Beschnittene Männer verteidigten, soweit ich es erlebt habe, die Beschneidung sehr. Mit Unbeschnittenen habe ich über das Thema noch nicht geredet, gehe aber davon aus, dass sie nicht so begeistert davon wären.

_________________
Bild
alternative Tabelle 2.0 für die Schleimzuordnung *klick*
Übrigens kannst du im Kurvenreich mit der Strg-Taste mehrere Schleimeigenschaften pro Rubrik auswählen!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 17:18 
Benutzeravatar
Offline
NFP-Guru

Registriert: 28. März 2010 22:17
Beiträge: 2558
Guildenstern hat geschrieben:
Nur weil die Anatomie von Männer es kaum möglich macht, so großen Schaden anzurichten wie bei Frauen


Das stimmt nicht. Es ist durchaus möglich und in anderen Zusammenhängen auch praktiziert worden männlichen Genitalien schweren Schaden zuzufügen und auch das ausüben des Sexualaktes unmöglich zu machen. Allerdings hat das mit religiöser Beschneidung bei Juden und Muslimen nichts zu tun.

@ Fatima

Wie häufig Komplikationen wirklich sind ist nicht klar belegt. Mir sind schon Akutkomplikationen begegnet, allerdings hält sich das tatsächlich sehr in Grenzen. Von erwachsenen Männern, die aus medizinischen Gründen den Eingriff vornehmen lassen mussten kenne ich persönlich nur positive Berichte.
Wirklich represäntativ ist das natürlich nicht. Langfristige negative Folgen hat mir gegenüber noch niemand geäußert dennoch gibt es so etwas ab und zu und ich finde es wichtig auch daran zu denken.

Mir will es nicht so ganz in den Kopf wie man Bescheidungen durchweg positiv sehen kann. Es ist ein Eingriff mit Risiken, für den man auf der anderen Seite aber eine religiöse Begründung hat. Da würde ich schon denken, dass man das für sich abwägt und auch die möglichen oder tatsächlichen Nachteile für das Kind bedenkt.
Ich kann mich durchaus rein denken, dass man sich dazu entschließt, wenn einem diese Handlung und ihre Bedutung wichtig sind. Aber sie unkritisch sehen kann ich nicht und ich weiß auch nicht wie man das kann, selbst wenn man das bei seinen Kindern durchführen lässt.


Ich muss vielleicht dazu sagen, dass ich zum einen die körperliche Unversehrtheit als sehr hohes Gut ansehe und zum anderen religiöse Handlungen mit langfristigen Folgen an Kindern die ihre Religion noch nicht erfassen können auch in anderen Zusammenhängen ablehen. Das beudetet z.B., dass ich die Taufe von Babys nicht gutheiße, da damit rechtliche und religiöse Folgen verbunden sind, die das Kind nich rückgängig machen kann, wenn es sich der Glaubensgemeinschaft der Eltern nicht zugehörig fühlt. Mankann die Gemeinsschaft verlassen, aber dennoch bleibt man getauft, dennoch muss man Geld dafür bezahlen die Kirche zu verlassen, wenn man evangelisch oder katholisch ist. Ich bin der Meinung man sollte Kinder einführen in die eigene Religionsgemeinschaft und dann selbst entscheiden lassen, ob sie entsprechen leben wollen.

_________________
Die Erde ist ein Nudelsieb


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 18:14 
Benutzeravatar
Online
Kurven-Rätslerin

Registriert: 20. Februar 2015 17:43
Beiträge: 312
NFP seit: 02/2015
Ich möchte auch niemanden verteufeln, Fatima. Ich persönlich bin gläubige Christin und lege durchaus Wert darauf, was in der Bibel steht. Allerdings nicht fundamentalistisch (damit meine ich -wertfrei- wörtlich), sondern historisch-kritisch betrachtet. Auf der anderen Seite halte ich mich für einen gebildeten Menschen und halte die (empirische) Wissenschaft im Großen und Ganzen ebenso für glaubwürdig. Beides, Wissenschaft (Theorien, Anschauungen, Studien etc.) und religiöse Schriften, würde ich aber immer kritisch hinterfragen. (Ich habe zum Beispiel so meine Probleme mit der Frage, warum der Gott, den ich als Schöpfer betrachte, ein so tolles Organ erschafft und dann seine Entfernung fordert.)

Ich halte die zitierten Studien und Anschauungen zur Anatomie insofern für glaubwürdig und relevant. Meiner Meinung nach sollte sich jeder Mensch selbst und natürlich vor dem Eingriff dafür oder dagegen entscheiden dürfen.
Gleichzeitig ist mir aber klar, dass das eine westliche Weltanschauung repräsentiert; viele Menschen und Kulturen auf der Welt vertreten nun mal andere Glaubens-/Wertesysteme etc. und sollten dafür nicht von uns verurteilt werden.

Das führt mich persönlich in ein Dilemma: vom wissenschaftlichen Standpunkt aus finde ich Beschneidung/Verstümmelung der Genitalien sowohl von Männer als auch von Frauen nicht richtig, vor allem wenn die Betroffenen sich nicht selbst dazu entscheiden sondern einem (wie auch immer gearteten) Zwang unterliegen. Deshalb ist er mir dabei auch wichtig, die von Männern mit der von Frauen zu vergleichen bzw. als gleich schlimm oder nicht schlimm zu bewerten. Bei beiden (!) gibt es jedoch auch andere, unserer westlich-wissenschaftlichen Auffassung völlig gegenläufige Ansichten. Sowohl die Beschneidung/Verstümmelung von männlichen wie auch weiblichen Genitalien hat offensichtlich in weiten Teilen der Welt einen kulturellen oder religiösen Hintergrund und wird von vielen Betroffenen als normal betrachtet; auch viele Frauen wollen daran nichts ändern. Es ist Teil der Religion oder Kultur und damit für viele (auch selbst Betroffene) in Ordnung.
Und damit stellt sich mir die Frage, inwieweit wir "westlichen Denkenden" hier zu weit gehen wenn wir uns ein Werturteil oder gar eine Verurteilung erlauben. Was für andere ihre Religion oder Kultur, ist für viele von uns unsere Wissenschaft und humanistisches, aufgeklärtes Denken (das wir über alle Religionen stellen, so wie religiöse Menschen ihre Religion über alle anderen Anschauungen - insofern ist das vielleicht als die westliche "Religion" zu betrachten).

Für mich ist klar, das sowohl Beschneidung/Verstümmelung bei Männer wie auch bei Frauen viele Nachteile bringt und ein wichtiger Teil des Körpers entfernt/verletzt wird. Viele Betroffene sehen das aber nicht so.
Nun gehen aber die meisten von uns her und verurteilen die Beschneidung von Frauen, nicht aber die von Männern. Manchmal wird auch mit Kultur vs. Religion argumentiert: kulturell-traditionelle Beschneidung/Verstümmelung von Frauen ist abzulehnen, religiös motivierte Beschneidung/Verstümmelung von Männern nicht. Ich halte Kultur und Religion dabei aber für gleichwertig. Meines Wissens nach ist zum Beispiel auch das im Islam praktizierte Beschneiden von Männern umstritten (leider kann ich mich dabei nur auf Wikipedia berufen), also die Frage ob es religiös notwendig ist oder nicht. Im Judentum ist das eindeutig. Nur weil es aber nicht religiös, sondern kulturell begründet ist (so wie Verstümmelung/Beschneidung von Frauen), verbieten viele westliche Staaten das eine und tolerieren das andere. Das finde ich paradox. Eigentlich müssten wir entweder beides entschieden ablehnen (in dem Bewusstsein, dass wir damit "fundamentalistisch" der wissenschaftlichen Weltanschauung anhängen und intolerant gegenüber anderen Anschauungen sind), oder beides im Hinblick auf Respekt vor der praktizierenden Kultur/Religion/Tradition/Weltanschauung tolerieren.

Insofern nochmal: ich möchte niemanden verteufeln. Ich würde mir aber einen Dialog wünschen, in dem "unsere" westlich-wissenschaftlichen Gegenargumente ebenso einen Platz haben wie religiös oder kulturell motivierte Beweggründe dafür. Nur dann haben diejenigen, die das Thema betrifft, die Möglichkeit, abzuwägen und zu entscheiden welche Argumente für sie persönlich schwerer wiegen bzw. mehr Autorität haben.

_________________
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag. B. Brecht ---- freut sich mit kleinem Hobbit 10/18 und Frühlingssternchen 04/21 * über das Frühlingskäferchen 04/22 und sucht aktuell Wildling Federn Fuchsia in Gr.33
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 19:53 
Benutzeravatar
Offline
Kurven-Rätslerin

Registriert: 8. Dezember 2011 13:08
Beiträge: 292
Wohnort: Norddeutschland
NFP seit: 2001 (mit Pausen)
Sopherl hat geschrieben:
Jedenfalls habe ich die Beobachtung gemacht, dass Beschneidung einen hohen Identifikationsgrad zu haben scheint. Beschnittene Männer verteidigten, soweit ich es erlebt habe, die Beschneidung sehr.

Ich habe vor vier Jahren, als das Thema heiß diskutiert wurde, irgendwo gelesen, dass das ein psychologischer Effekt ist. Dass Kinder die Handlungen ihrer Eltern verteidigen, auch wenn diese nicht in Ordnung waren. Leider weiß ich gerade nicht mehr, wo ich das gelesen habe und wie dieser Effekt heißt.

Ich habe damals ganz schlimme Bilder im Internet gesehen, wie die Vorhaut bei Babys weggeschnitten wird. Das gruselt mich noch heute. Ich habe zwei Jungs und wenn ich die hier nackig rumspringen sehe, dann ist mir unbegreiflich, wie jemand dort etwas abschneiden will, weil irgendeine Religion das vorschreibt.

Fatima hat geschrieben:
Das mit der sexuellen Empfindsamkeit kann man schwer einschätzen. Ich verstehe auch nciht, warum sich andere Menschen plötzlich darum sorgen?
Mir ist die Problematik an der Beschneidung wirklich nicht klar *nixweiss*.
Wir wünschen uns für unsere Kinder doch auch nichts schlechtes, warum wird man plötzlich so verteufelt?

Seit ich Bilder bzw. Videos im Internet von Beschneidungen gesehen habe, kann ich nicht verstehen, wie jemand das seinem Kind antun kann. Und zu Komplikationen kann es immer kommen, ich könnte das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, wenn mein Kind an seinen Genitalien lebenslang Probleme hätte.


Guildenstern hat geschrieben:
Nur weil es aber nicht religiös, sondern kulturell begründet ist (so wie Verstümmelung/Beschneidung von Frauen), verbieten viele westliche Staaten das eine und tolerieren das andere. Das finde ich paradox. Eigentlich müssten wir entweder beides entschieden ablehnen (in dem Bewusstsein, dass wir damit "fundamentalistisch" der wissenschaftlichen Weltanschauung anhängen und intolerant gegenüber anderen Anschauungen sind), oder beides im Hinblick auf Respekt vor der praktizierenden Kultur/Religion/Tradition/Weltanschauung tolerieren.

Vor vier Jahren ging es ja darum, die Beschneidung von Jungen komplett zu verbieten. Damals wurde damit argumentiert, dass es dann unter unhygienischen Bedingungen in irgendwelchen Hinterzimmern gemacht wird. Man hat es unter Kontrolle, wenn es erlaubt ist und kann so immerhin medizinische Standards garantieren. Im Moment läuft es analog zu Abtreibungen: Es ist nicht in Ordnung, aber es ist innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen erlaubt.

Was mich wundert: Es gibt doch immer wieder solche Auflistungen, was angeblich alles in der Bibel vorgeschrieben ist. Und daran hält sich auch niemand. (Oder wird heutzutagen Dieben die Hand abgehackt?) Soweit ich das mal gelesen habe, finden sogar die orthodoxen Juden Möglichkeiten, "Gott zu bescheißen" (mal ganz drastisch ausgedrückt, sorry, siehe Eruv). Ich bin mir sicher, wenn man wirklich wollte (und solche Strömungen gibt es), könnte man generell eine symbolische Beschneidung praktizieren, bei der das Kind nicht wirklich verletzt wird (analog zur christlichen Taufe, da wird das Kind auch nicht verletzt und trotzdem in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen).

Daher ist mir nicht ganz klar, warum immer die Religion als Grund herangezogen wird? Und warum irgendwelche religiösen Vorschriften über der Gesundheit eines Kindes stehen sollten?

Ich hatte übrigens einen Partner, der wegen einer Paraphimose (medizinischer Notfall, Vorhaut lässt sich nicht zurückschieben, führt zu einer starken Schwellung) im Erwachsenenalter (kurz nach unserem Kennenlernen) beschnitten werden musste. Er hatte keine großen Probleme, aber der Penis sah sehr wüst aus, die Vorhaut war zickzackmäßig abgeschnitten worden. Ehrlich gesagt, habe ich mir damals nie Gedanken darüber gemacht, ob es für ihn okay ist oder nicht, weil ich damals halt auch dachte, dass die Vorhaut doch nur Haut ist. Erst als ich mich 2012 mal näher mit dem Thema beschäftigt hatte, ging es mir echt durch Mark und Bein, was da genau gemacht wird und was da alles passieren kann.

_________________
mit Mr. Wortkarg (2009) und Mr. Plappermaul (2013)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 20:14 
Benutzeravatar
Offline
NFP-Guru

Registriert: 28. März 2010 22:17
Beiträge: 2558
@ Mellyka

Da sagst du was, Videos die BEeschneidungen ohne Betäubung zeigen habe ich damals auch gesehen und als unfassbar grausam empfunden. Und die Behauptung Säuglinge würden keine Schmerzen empfinden ist inwzscihen längt widerlegt, aber leider auch sonst in der Medizin immer wieder ein vorgeschobener Grund ohne ordentlich Betäubung zu arbeiten. :-( Diese Schreie werde ich wohl nie vergessen.

Barbarisch ist das. Und auch noch erlaubt in den ersten 6 Monaten. *erschrecken*

_________________
Die Erde ist ein Nudelsieb


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 20:15 
Benutzeravatar
Offline
Fingerwundschreiberin

Registriert: 16. April 2014 12:03
Beiträge: 911
Wohnort: bei München
NFP seit: April 2014
(vorab: ich kenne den ursprünglichen Faden und dessen neuerliche Diskussion nicht, aus dem heraus nun in diesen Faden gewechselt wurde)

Fatima hat geschrieben:
Es wird soviel von Komplikationen usw gesprochen. Aber wo sind sie denn? Mein Mann und ich haben [...]

Ich habe die in den jüngsten sorgfältigen Postings verlinkten Studien nicht gelesen (offen gesagt, weil ich mich nicht traue :oops: ), aber was ich aus jenen Postings herauslese, die auf diese Studien hinweisen und sie kurz skizzieren, gibt es durchaus diverse Komplikationen und negative Nachwirkungen unterschiedlicher Art. Diese müssen wohl nicht indirekt oder gar direkt zur Zeugungsunfähigkeit als die ultimative Komplikation führen, werden aber offenbar auch als beeinträchtigend empfunden.
Und, was mir in diesen Zusammenhang nicht ganz klar ist: eine erfüllte Sexualität bzw. ein ebensolches sexuelles Erleben ist ja soviel mehr als die reine "technische" Zeugungsfähigkeit und die Zahl der Nachkommen und der Verwandtschaft...? :-)

_________________
2 Töchter: Januar '22 & Juni '19 — Sommer☆ '18 — Abbruch ⋆ '16.
90+ Zyklen


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 20. Februar 2016 23:34 
Offline
hat sich gut eingelebt

Registriert: 31. Januar 2013 14:01
Beiträge: 104
NFP seit: Februar 2013
Guildenstern hat geschrieben:
Edit nicht mehr möglich:
Ich bin bei der von Alana verlinkten Quelle über Komplikationen gerade auf das hier gestoßen - das kann doch nicht ernsthaft passiert sein??? :shock: *angst* :shock:


Doch, schau mal hier: https://de.m.wikipedia.org/wiki/David_Reimer

Ich hab vor einigen Jahren ein Buch über ihn gelesen. Das ging mir wirklich sehr nah...
http://www.amazon.de/Der-Junge-als-Mädchen-aufwuchs/dp/344215118X

_________________
seit 11/2014 Mama vom Käfer
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 21. Februar 2016 09:55 
Benutzeravatar
Offline
NFP-Guru

Registriert: 28. März 2010 22:17
Beiträge: 2558
Der Fall ist unter Medizinern und vielen die sich mit dem Thema Geschlechtsangleichende Operationen beschäftigt haben sehr bekannt. Ich kenne ihn schon seit dem Jugendalter und so ist das für mich etwas, das mich geprägt hat im Umgang mit dem Thema Geschlchtsidentität, Operationen an den Genitalien etc.

Ebenso meinungsbildend war für mich die Geschichte von Kim Petras, da ich damals verfolgt habe. Als Ihre Geschichte erzählt wurde war auch der frühere Umgang mit geschlechtsangleichenden Operationen Thema, sowie die damalige Rechtslage.

Das ist auch so etwas, das mir nicht in den Kopf will. Eine Beschneidung ist mit so wenigen Auflagen möglich, in den ersten 6 Monaten sogar ohne Betäubung. Eine Operation auf Wunsch des Kindes ist um so vieles schwieriger durchzusetzen, sobald das Thema Geschlechtsangleichung im Raum steht, sogar noch im Jugendalter.

Bei diesem Text, eine Bewertung Geschlschtsangleichder Opertionen durch den Etikrat ist es mir ganz anders geworden.

Zitat:
Wegen der besonderen Sensibilität und Bedeutung für den Betroffenen wird eine Einwilligungsfähigkeit mitunter relativ früh angenommen, weil nur so eine Würdeverletzung durch ein zu hohes Maß an Fremdbestimmung vermieden werden könne; andererseits wird mit Blick auf den häufig auftretenden Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit eine Verschiebung der Einwilligungsfähigkeit auf den Zeitpunkt der „sozialen Fortpflanzungsreife“ vorgeschlagen, die etwa in § 2 Abs. 1 Nr. 3 des KastrG vom 16.08.1969 4 auf ein Alter von 25 Jahren festgelegt wurde.


Hier im Gegensatz dazu eine Stellungnahme Betroffener personen mit uneindeutigem Geschlecht zu geschlechtsangleichenden Operationen: http://zwischengeschlecht.org/public/Stellungnahme_NEK_Zwischengeschlecht_org.pdf

_________________
Die Erde ist ein Nudelsieb


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 21. Februar 2016 13:31 
Offline
nicht mehr ganz so neu

Registriert: 20. Juli 2007 17:36
Beiträge: 93
Zitat:
Mir will es nicht so ganz in den Kopf wie man Bescheidungen durchweg positiv sehen kann. Es ist ein Eingriff mit Risiken, für den man auf der anderen Seite aber eine religiöse Begründung hat. Da würde ich schon denken, dass man das für sich abwägt und auch die möglichen oder tatsächlichen Nachteile für das Kind bedenkt.

Das tun wir durchaus. Nur dass für uns der religiöse Aspekt überwiegt. Und auch Hygiene ist mir sehr wichtig.
Dabei ist es nicht einmal ein "zugehörigkeitsmerkmal" oder Ritus. Ich möchte in diesem Zusammenhang auch darauf hinweisen, dass eine Beschneidung nicht gleichzusetzen ist mit einem "öffentlichen Zirkus", wie das dann oft bekannt wurde. wo der Junge eine Art Prinzenkostüm trägt und alle zuschauen und er dann Geschenke etc bekommt. Unsere Familie etc würde das nicht wissen, ob und wann unsere Jungs beschnitten werden, da wir das einfach irgendwann machen ohne Feier etc.
Häufig wird es übrigens auch in den arabischen Ländern direkt nach der Geburt gemacht, wenn die mutter nach der Entbindung sowieso noch im Krankenhaus ist.
Insofern brauch ich mir auch keine Grusel-Videos anzuschauen, denn sie sind nicht alleingültig. Ich habe 4 Beschneidungen meiner Kinder miterlebt und sie waren keineswegs "barbarisch". Sie bekommen eine Spritze, dann weinen (!, nicht brüllen) sie kurz, die Vorhaut wird abgeschnitten, dann kommt ein Verband darum und das wars auch schon. Ich stille sie und sie schlafen ein.Bei den meisten brauchte ich nicht einmal Fieberzäpfchen. Und je jünger die Kinder sind, umso schneller verheilt es auch. Nach 1,2 Tagen ist das gut verheilt.


Ich denke, es spielt auch eine Rolle, ob ich in einem Industrieland aufwachse und im Falle einer Phimose dann erst mit Cremes, Behandlung etc herumprobieren kann und dann im "Notfall" immer noch eine Beschneidung machen kann.
Ich denke, Religion setzt da anders an: Weil man nicht überall die oben genannten medizinischen Möglichkeiten hat, werden alle beschnitten. Denjenigen, die eine Phimose gehabt hätten, nützt es und den anderen schadet es nicht. Und man hat sogar die Vorteile bei Hygiene; übertragung von Krankheiten
Im Übrigen wird gerade von beschnittenen Männern die Frage der sexuellen Empfindsamkeit häufig genau anders herum wahrgenommen.


Zitat:
Und, was mir in diesen Zusammenhang nicht ganz klar ist: eine erfüllte Sexualität bzw. ein ebensolches sexuelles Erleben ist ja soviel mehr als die reine "technische" Zeugungsfähigkeit und die Zahl der Nachkommen und der Verwandtschaft...? :-)

Ich habe die Zahl der Verwandtschaft nicht angegeben, um die Fortpflanzungsfähigkeit meiner Familie zu demonstrieren ;-) . Sondern ich wollte damit zeigen, dass wir eine große Zahl beschnittener Jungen und Männer kennen und da doch die Komplikationen irgendwann mal auftreten müssten. Irgendjemand hatte bei Akutkomplikationen eine Zahl bis 55 % in den Raum geworfen.
Und warum sollte man keine erfüllte Sexualität haben? ich finde das sehr überheblich und stimme da völig mit dem Artikel von Hendryk Broder überein (de rwurde oben irgendwo verlinkt): Der Sex der anderen ist immer irgendwie besser oder irgendwie schlechter. Auf jeden Fall interessant.
Bei Männern sind Zeugunsfähigkeit und Orgasmusfähigkeit ja durchaus miteinander verknüpft.

Zitat:
ich möchte niemanden verteufeln. Ich würde mir aber einen Dialog wünschen, in dem "unsere" westlich-wissenschaftlichen Gegenargumente ebenso einen Platz haben wie religiös oder kulturell motivierte Beweggründe dafür. Nur dann haben diejenigen, die das Thema betrifft, die Möglichkeit, abzuwägen und zu entscheiden welche Argumente für sie persönlich schwerer wiegen bzw. mehr Autorität haben.

Hm, findest du wirklich, dass "westlich-wissenschaftliche Gegenargumente" in der Diskussion keinen Platz haben? ich finde eher, da sind die Rollen schon klar verteilt: westlich-wissenschaftlich vs religiös-rückständig.
Wenn sich dann nämlich die , "die das Thema beftrifft" doch zur Beschneidung entscheiden, wird trotzdem mit Unverständnis reagiert.
Zitat:
(Ich habe zum Beispiel so meine Probleme mit der Frage, warum der Gott, den ich als Schöpfer betrachte, ein so tolles Organ erschafft und dann seine Entfernung fordert.)
[/quote
Mit der Frage habe ich überhaupt kein Problem; es könnte sein, dass die Vorhaut zu einem Zeitpunkt gebraucht wird (z.B. im Mutterleib) und später eben nicht mehr und sie dann entfernt werden kann bzw. muss.


Ich denke, es liegt einfach daran, dass ich im persönlichen Umfeld keine negativen Erfahrungen gemacht habe und ich auch medizinischen Fortschritt in Anspruch nehme.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 21. Februar 2016 14:40 
Benutzeravatar
Offline
NFP-Gräfin

Registriert: 1. März 2008 20:37
Beiträge: 3605
Wohnort: Niedersachsen
Es gibt ja nun mehrere Organe, ohne die man leben kann. Z.B. die Rachenmandeln, den Wurmfortsatz ("Blinddarmentfernung"), die Milz. Menschen, denen diese Organe entfernt wurden, haben normalerweise damit keine Probleme. Natürlich bergen die OPs Risiken, und es gibt auch bestimmte Risiken, die erst nach der Entfernung auftreten. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine Güterabwägung dazu führt, dass sie entfernt werden.
Genauso ist es ja auch bei gesundheitlichen Problemen wegen der Vorhaut (Phimose). Es werden Güterabwägungen getroffen, die dann eben irgendwann pro Beschneidung (wie umfangreich ist dann wieder eine Güterabwägung) ausfällt.
Weshalb sollte bei solchen Güterabwägungen nicht auch die Religion eine Rolle spielen?
Ich habe allerdings ein Problem mit dem Hygieneaspekt. Mann kann ja den Jungen durchaus beibringen, sich auch unter der Vorhaut zu waschen. Und wenn das ordentlich passiert, fällt das Hygieneargument schon weg. Und damit dann auch weitgehend das Risiko der Übertragung von Krankheiten etc.
Ich finde auch, dass die Religion sich nicht mit solchen Vehikeln, die ja sehr angreifbar sind, rechtfertigen muss.
Und natürlich gibt es Menschen, die Religion per se als rückständig betrachten. Das ist aber wieder eine private Meinung.
Für mich bleibt, wie gesagt, als wesentlicher Kritikpunkt, dass hier ein potentiell schwerwiegender Eingriff in die körperliche Integrität vorgenommen wird, dem das Kind noch gar nicht zustimmen kann.
Allerdings werden Kinder ja normalerweise die Religion ihrer Eltern übernehmen, und falls sie es nicht tun, wird die Auseinandersetzung mit der Religion der Eltern ohnehin eine wichtige Bedeutung in ihrem Leben spielen.
Und ja, ich finde, dass ein Kirchenaustritt, für den ich ggf. 31 Euro bezahle, qualitativ etwas anderes ist, als eine Beschneidung.
Dennoch: Religionen stützen sich auf Rituale und Symbole, seien es Taufe, Abendmahl, Speise- oder Fastenvorschriften, Kippa, rituelle Waschungen/Bäder, Tänze, Gebetsrituale, Kleidung oder eben Beschneidung.
Und Religion kann sehr identitätsstiftend sein. Ich finde es schon wichtig, sich zu überlegen, was man im Interesse einer freien Religionsausübung tolerieren kann, und was nicht.
Hier im Forum haben wir auch Frauen, die ihre Söhne aus ästhetischen Gründen beschneiden lassen wollen oder haben beschneiden lassen. Bevor wir anfangen, in religiösen Bräuchen/Traditionen/Vorschriften herumzuregulieren, sollten wir uns vielleicht mal um diese Fälle kümmern. Warum sollte ein Körper so, wie er auf die Welt kommt, nicht schön sein?

_________________
Marit hat einen Mann und 4 Kinder zwischen 27 und 17 sowie ein Enkelkind.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 313 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 16, 17, 18, 19, 20, 21  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de