Zitat:
Mir will es nicht so ganz in den Kopf wie man Bescheidungen durchweg positiv sehen kann. Es ist ein Eingriff mit Risiken, für den man auf der anderen Seite aber eine religiöse Begründung hat. Da würde ich schon denken, dass man das für sich abwägt und auch die möglichen oder tatsächlichen Nachteile für das Kind bedenkt.
Das tun wir durchaus. Nur dass für uns der religiöse Aspekt überwiegt. Und auch Hygiene ist mir sehr wichtig.
Dabei ist es nicht einmal ein "zugehörigkeitsmerkmal" oder Ritus. Ich möchte in diesem Zusammenhang auch darauf hinweisen, dass eine Beschneidung nicht gleichzusetzen ist mit einem "öffentlichen Zirkus", wie das dann oft bekannt wurde. wo der Junge eine Art Prinzenkostüm trägt und alle zuschauen und er dann Geschenke etc bekommt. Unsere Familie etc würde das nicht wissen, ob und wann unsere Jungs beschnitten werden, da wir das einfach irgendwann machen ohne Feier etc.
Häufig wird es übrigens auch in den arabischen Ländern direkt nach der Geburt gemacht, wenn die mutter nach der Entbindung sowieso noch im Krankenhaus ist.
Insofern brauch ich mir auch keine Grusel-Videos anzuschauen, denn sie sind nicht alleingültig. Ich habe 4 Beschneidungen meiner Kinder miterlebt und sie waren keineswegs "barbarisch". Sie bekommen eine Spritze, dann weinen (!, nicht brüllen) sie kurz, die Vorhaut wird abgeschnitten, dann kommt ein Verband darum und das wars auch schon. Ich stille sie und sie schlafen ein.Bei den meisten brauchte ich nicht einmal Fieberzäpfchen. Und je jünger die Kinder sind, umso schneller verheilt es auch. Nach 1,2 Tagen ist das gut verheilt.
Ich denke, es spielt auch eine Rolle, ob ich in einem Industrieland aufwachse und im Falle einer Phimose dann erst mit Cremes, Behandlung etc herumprobieren kann und dann im "Notfall" immer noch eine Beschneidung machen kann.
Ich denke, Religion setzt da anders an: Weil man nicht überall die oben genannten medizinischen Möglichkeiten hat, werden alle beschnitten. Denjenigen, die eine Phimose gehabt hätten, nützt es und den anderen schadet es nicht. Und man hat sogar die Vorteile bei Hygiene; übertragung von Krankheiten
Im Übrigen wird gerade von beschnittenen Männern die Frage der sexuellen Empfindsamkeit häufig genau anders herum wahrgenommen.
Zitat:
Und, was mir in diesen Zusammenhang nicht ganz klar ist: eine erfüllte Sexualität bzw. ein ebensolches sexuelles Erleben ist ja soviel mehr als die reine "technische" Zeugungsfähigkeit und die Zahl der Nachkommen und der Verwandtschaft...?

Ich habe die Zahl der Verwandtschaft nicht angegeben, um die Fortpflanzungsfähigkeit meiner Familie zu demonstrieren

. Sondern ich wollte damit zeigen, dass wir eine große Zahl beschnittener Jungen und Männer kennen und da doch die Komplikationen irgendwann mal auftreten müssten. Irgendjemand hatte bei Akutkomplikationen eine Zahl bis 55 % in den Raum geworfen.
Und warum sollte man keine erfüllte Sexualität haben? ich finde das sehr überheblich und stimme da völig mit dem Artikel von Hendryk Broder überein (de rwurde oben irgendwo verlinkt): Der Sex der anderen ist immer irgendwie besser oder irgendwie schlechter. Auf jeden Fall interessant.
Bei Männern sind Zeugunsfähigkeit und Orgasmusfähigkeit ja durchaus miteinander verknüpft.
Zitat:
ich möchte niemanden verteufeln. Ich würde mir aber einen Dialog wünschen, in dem "unsere" westlich-wissenschaftlichen Gegenargumente ebenso einen Platz haben wie religiös oder kulturell motivierte Beweggründe dafür. Nur dann haben diejenigen, die das Thema betrifft, die Möglichkeit, abzuwägen und zu entscheiden welche Argumente für sie persönlich schwerer wiegen bzw. mehr Autorität haben.
Hm, findest du wirklich, dass "westlich-wissenschaftliche Gegenargumente" in der Diskussion keinen Platz haben? ich finde eher, da sind die Rollen schon klar verteilt: westlich-wissenschaftlich vs religiös-rückständig.
Wenn sich dann nämlich die , "die das Thema beftrifft" doch zur Beschneidung entscheiden, wird trotzdem mit Unverständnis reagiert.
Zitat:
(Ich habe zum Beispiel so meine Probleme mit der Frage, warum der Gott, den ich als Schöpfer betrachte, ein so tolles Organ erschafft und dann seine Entfernung fordert.)
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Mit der Frage habe ich überhaupt kein Problem; es könnte sein, dass die Vorhaut zu einem Zeitpunkt gebraucht wird (z.B. im Mutterleib) und später eben nicht mehr und sie dann entfernt werden kann bzw. muss.
Ich denke, es liegt einfach daran, dass ich im persönlichen Umfeld keine negativen Erfahrungen gemacht habe und ich auch medizinischen Fortschritt in Anspruch nehme.