Püppi hat geschrieben:
miss_luh hat geschrieben:
Der wahre Fortschritt wäre, wenn man die Leute, die keine Lust haben zu arbeiten, weil sie lieber Bilder malen oder Musik in Bahnhöfen machen oder in Hauseingängen Gedichte schreiben oder ein Ehrenamt wahrnehmen wollen oder einfach keinen Bock auf den Materialismus und Konsum haben - sprich: einen alternativeren Lebensentwurf für sich gern praktizieren mögen - sie in Herrgottsnamen dies machen lassen.
Ich geh ganz gern arbeiten, mal mehr mal weniger, und nehme dafür auch gern Geld. Aber wer darauf keine Lust hat, dem sei das meines Erachtens gegönnt.
Ähm, habe ich das jetzt richtig verstanden, dass Du bereit wärst, von Deinem verdienten Geld jemanden zu bezahlen, der als "alternativen Lebensentwurf" im Hauseingang des Bahnhofs aus Spaß an der Freude Gedichte schreibt???
Nee, ich definitiv nicht!
Ja Püppi, mir ist das echt piepe.
Ich finanziere ja auch auf andere Art und Weise den Staat, Straßenbau, das Kiezcafé, Forschung usf., da würde es mir nichts ausmachen auch ein paar Leute zu finanzieren, die keine Lust aufs Arbeiten haben.
Außerdem gibt es diese Leute so oder so, zum Arbeiten zwingen kann man auch mit noch niedrigeren Versorgungsgeldern (Kürzung von HarztIV, damit sich der Anreiz erhöht) eh keinen. Wer wirklich nicht arbeiten will, der drückt sich, wie es nur geht. Das aber unter diesem Stigma "arbeitslos" dann auch all diejenigen leiden, die herzlich gerne arbeiten würden, es aber nicht genug Arbeit gibt für die und die dann auch noch mit einem vermeintlich motivierenden Niedrigstgeld abgespeist werden, das finde ich schlimm.
Meine Vision von Staat sieht so aus, dass jede/r ein akzeptables Geld bekommt, sagen wir mal 800 Euro im Monat, Kinder bis 14 vielleicht 400 Euro. Wer sich was Besonderes leisten will, geht zu diesen 800 Euro dazuverdienen. Es gibt einen Einheitssteuersatz von, sagen wir 40 %. Das wäre dann vielleicht ein Anreiz, nur halbtags zu arbeiten oder dreiviertel und schon wären wieder Arbeitsplätze frei für Leute, die momentan keine Arbeit finden. Muttis könnten ohne finanziell schlechtes Gewissen zu Hause bleiben; man könnte auch Arbeiten gehen ohne erwerbstätig zu sein.. in der Nachbarschaftshilfe oder ähnliches..., weil einfach die Grundversorgung stimmt.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die es sich leisten kann, tolerant gegenüber allen möglichen Lebensentwürfen zu sein... Gedichteschreiber, Pöbler, Workaholics, Inhaftierte, Alte, alleinerziehende Muttis, Arbeitnehmer, Raucher, Verliebte, NFPlerinnen

... je vielfältiger, desto inspirierender - für mich jedenfalls. Warum eigentlich sollten alle Erwerbsarbeit leisten?
Ich weiß - große Töne und auch nicht bis ins letzte Detail durchdacht (was sollen die ganzen FinanzamtsmitarbeiterInnen machen, wenn es einen einheitlichen Steuersatz gibt? Könnte man eine solche staatreformierende Entscheidung rückgängig machen, wenn es nicht funktioniert, weil sich - entgegen meiner These - dann plötzlich die meisten Leute nicht arbeiten gehen wollen und sich das Ganze dann nicht mehr finanzieren lässt? Gäbe es die Möglichkeit, ein 10jähriges Modellprojekt dieser Art bspw. im Großraum Hamburg mal zu simulieren und zu schauen, ob es klappt? Würden Firmen in großem Stil abwandern, wenn man die Unternehmensgewinne hier auch mit 40 % besteuert??).
Leider kennen wir nur die Demokratie und den Kapitalismus als einigermaßen freiheitliche und langfristig friedliche Gesellschaftsordnung.
... und leider haben die Gegenwartsphilosophen dazu auch kaum Ideen oder beschäftigen sich anscheinend mit anderen Diskursen.
@hexi und Miranda:
Vielleicht kann man es auch so sagen, dass es in diesem Land die Möglichkeit gibt, mit und ohne Erwerbstätigkeit über scheißewenig Geld zu verfügen. Beides ist wohl gleichermaßen

. LohnzettelwohngeldhartzIV hin oder her.
Luh