Ich stehe gerade völlig neben mir - mich hat das alles so getriggert...
Vor einiger Zeit habe ich einen gerichtlichen Prozess miterlebt, bei dem es zwar um einen völlig anderen Umstand ging - der aber ganz genau so ablief:
1. schienen sämtliche Richter ihr Urteil eigentlich schon vor dem Ende des Prozesses gefällt zu haben - wenn nicht sogar vor Beginn.
2. benahmen sich die Richter genau so, nämlich in der Form, dass sie entweder an den Aussagen, die etwas Gegenteiliges ins Spiel gebracht hätten, völlig uninteressiert oder offenkundig ablehnen und zum Teil sogar abwertend.
3. wurden entsprechend alle Versuche der Verteidigung, so etwas in den Prozess einzubringen, was das Bild vielleicht verändert hätte, rigoros abgelehnt. Das Gericht darf das.
4. wurde ein Gutachter vom Gericht beauftragt, dessen Aussage im Gutachten vorher schon absehbar war - und genau zu der Urteilsbegründung passte. Es wurden vom Gericht nur Fragen an den Gutachter gestellt, die das Urteil bekräftigten, aber nicht solche, die ebentuell hätten entlasten könne.
5. wurde jedes Befangenheitsgesuch der Verteidigung abgelehnt, ebenso wie der Antrag auf ein weiteres/anderes Gutachten
6. schwieg auch die Person auf der Anklagebank, aus den gleichen Gründen: es war ein Gefühl, eigentlich nichts dazu beitragen zu können, ein eigentlich neutrales Gericht in irgendeiner Weise zu einem Blick auf die andere Seite bewegen zu können - weil es eben nicht neutral war, sondern schon auf einer Seite stand. Zyynismus war das Resultat, denn man fühlt sich nur ausgeliefert.
7. geben Anwälte einen solchen Stuss von sich, der lediglich darauf basiert, dass sie bezahlt werden - oder glauben sie das wirklich, was sie zum Teil sagen? Ich habe das Gefühl, sie nehmen manchmal überhaupt nicht wahr, wie unglaubwürdig manche Dinge sind, die sie äußern, um ihren Mandaten Vorteile zu verschaffen.
8. ein Gerichtsprozess spielt sich in einer Art Parallelwelt ab, die nichts mit der Realität zu tun hat - in diesem Falle die klinisch begleiteten Geburten, die scheinbar die einzige Wahl seien.
9. begibt sich die angeklagte Person unter enormer psychischer Belastung in diese Parallelwelt, in der man das Gefühl hat, unterzugehen, weil man als gesamte Person bewertet wird, nein: abgewertet. Und dann verurteilt.
10. ist eine Gefängnisstrafe etwas, was in meinen Augen unvorstellbar ist für Richter, Staatsanwälte und auch die Allgemeinheit, weil sie tabuisiert wird. Ich weiß, dass Alternativen schwer sind, aber für mich sollte jede/r Jurist/in mal diese Erfahrung für einen Monat machen, um entsprechend Strafen einschätzen zu können.
Ich könnte die Liste noch ewig weiterführen, aber nach meinen Erlebnissen reicht es mir manchmal, ein bisschen Transparenz zu schaffen über unser Gerichtssystem...
ismi82 hat geschrieben:
Ich muss ehrlich sein, ich verstehe das Vermeiden des Kaiserschnittes um jeden Preis total lebensfremd. Klar ist natürlich toll aber es lieber gesundes Kind ist wichtiger.
Das hat die Hebamme so nicht geäußert. Sie sagte, dass es zu viele Kaiserschnitte gebe, die nicht notwendig seien, und dass sie die Mütter davor schützen wolle. Und ihre Meinung basiert auf ihren Erfahrungen, die genau das zeigen. Wenn in NRW tatsächlich so viele Kinder bei der Geburt sterben (waren es 2 pro Tag?) und bei dieser 60jährigen Hebamme war es bisher ein einziges, bei dem nicht mal gesagt wurde, warum, dann spricht das schon auch für ihre Auffassung. Und es gibt noch viel mehr, was dafür spricht.
Ich finde einfach entsetzlich, welche Auswirkungen ein solcher Prozess für unsere Gesellschaft haben kann. Von der Berufsgruppe Hebamme ganz zu schweigen.
edit: Ich würde mir wünschen, dass der Thread wieder in den Small Talk wandert, damit er einfach mehr Personen erreicht. Ich bin darauf nur gestoßen wegen pinkis Versehen - hier hätte ich ihn eher nicht gefunden.