Menschen, die Medikamente (warum auch immer) missbrauchen, wird es immer geben. Falls ich es darauf anlege, kann ich auch mal "einfach so" zum Frauenarzt gehen (OHNE dass es vorher zu einer Verhütungspanne gekommen ist - dies aber behaupten) und mir ein passendes Rezept holen und die Pille in die Nachttischschublade legen. Oder mir aus dem Ausland mitbringen. Oder oder oder.
Wenn es einzelne Frauen gibt, die mit damit verhüten wollen, haben sie es bis jetzt auch schon schaffen können - es wird jetzt nur ein bisschen einfacher.
Was die Nebenwirkungen angeht: Klar KÖNNEN die gravierend sein.
Nicht (oder zu spät nehmen) wird im medizinischen Sinne "gravierend" - wenn frau dann nämlich schwanger ist (ihr gestattet dieses Wortspiel

).
Das Risiko für zweiteres ist aber definitiv höher, wenn den Frauen der Zugang zum dringend benötigten Präparat unnötig schwer gemacht wird. Und ja - ich (für mich persönlich) bin höchst erleichtert, dass ich in Zukunft nur noch in die Apotheke in Laufweite gehen muss und die Pille bekommen kann. Der Gedanke an "am Wochenende einen (passenden!) Arzt finden und dann womöglich für Stunden im Krankenhaus warten zu müssen" hat mir als Mutter zweier Kleinkinder einen ziemlich kritischen Blick auf Kondome verschafft und damit teilweise auch für "Flaute im Bett" gesorgt. ("Andere Techniken" sind halt - anders.) Und von Freitagabend bis Montagmorgen, wenn der FA meines Vertrauens wieder offen hat ist lang. Zu lang, womöglich. Und dann ist "Schuleschwänzen" wie im einen ProFamilia-Beispiel aufgeführt, jetzt für frau im Berufsleben auch nicht so einfach (Stichwort Krankmeldung).
Zum "Schlechtaussehen" der Kondome bei den ProFamilia-Beispielen: Möglicherweise sind unter den Menschen, die sich nach einer Panne an ProFamilia wenden einfach auch überproportional viele Anwender dieser Verhütungsmethoden.
Ich habe mir (auch berufsbedingt) schon viele Gedanken über dieses Thema gemacht. Offensichtlich ist es nicht soooo einfach, an die Pille danach zu kommen, wie gerne behauptet wird. Dies könnte man tatsächlich durch eine "umgehende Verschreibungspflicht" für Ärzte umgehen. Das heißt, dass Frauen, die aufgrund einer Verhütungspanne in eine (gynäkologische) Praxis kommen, ohne nennenswerte Verzögerungen drangenommen und im besten Sinne "versorgt" werden müssen - also nach Beratung (!) ein Rezept bekommen, falls es keine eindeutige Kontraindikation gibt. Ob wirklich eine körperliche Untersuchung durchgeführt werden muss, finde ich sehr fraglich, zumal auch die normale Pille von Ärzten unter Umständen ohne vorherige Untersuchung an junge Mädchen verschrieben wird. Und ein SS-Test dürfte doch hinfällig sein, wenn das Medikament laut Wissenschaft sowieso nicht schadet (irgendwo ist da für mich ein Widerspruch). Bliebe die Eigenverantwortung der Frau, mit Rezept und Pille ordentlich umzugehen - und ich bin mir ganz sicher, dass die allermeisten das auch super hinbekommen!
Das würde viele (nicht alle) Probleme lösen und die Situation für die Frauen deutlich entspannen. Alternativ: Freier Verkauf, aber dokumentierte Aufklärung durch die/beim Apotheker - evtl. mit Hilfe eines Aufklärungsbogens (ala "AGBs"), der in den gängigsten Sprachen vorrätig zu halten ist. Und auf dem die Patientin unterschreibt, dass sie aufgeklärt wurde und dessen Durchschlag sie mit nach Hause bekommt. (Ich fände es auch nicht hilfreich, wenn der Apotheker dem armen Mädel das dann lautstark über den Tresen mitteilen muss, während alle Tratschtanten der Umgebung andächtig lauschen.)
Vielleicht fällt euch ja noch mehr ein.
DIE optimale Lösung wird es sicher nie geben - aber es ist dringend nötig, dass sich in dieser Richtung in unserem ach so fortschrittlichen Land mal was tut!
(Von einer, die auch kritisch hinschaut, aber denkt, dass in diesem Fall die Vorteile definitiv überiwiegen werden).