Presseschau
@mein Beitrag vom 2.2. bzgl. dem Artikel in der WoE-Süddeutschen Zeitung vom 31.1./1.2.:
SZ hat geschrieben:
Die Mehrheit aber rätselt: Sind Kondome, Pille und andere Hilfsmittel im Zweifel neuerdings erlaubt? Oder doch eher die Knaus-Ogino-Methode mit Kalender?".
In der WoE-Ausgabe zwei Wochen darauf (14./15.2.) wurde hierzu der
Leserbrief von Fr. Dr. Alenka Berkopec-Valena von proFamilia München abgedruckt.
Sie leitet ein mit einer knappen, aber deutlichen
Kritik an der journalistischen Arbeit des Autors ("offenbart [...] völlige Unkenntnis"), um dann sachlich zum Thema NFP überzugehen und dies schrittweise zu umreißen: im Bezug auf die Nennung von Knaus-Ogino im o.g. Artikel wird zunächst deren wissenschaftliche Pionierarbeit bestätigt und gewürdigt, dann aber sogleich erläutert, warum diese Methode keine des NFP-Repertoires ist - und wie die WHO moderne NFP definiert. So schafft sie den Übergang zur
Situation der NFP in Deutschland und hält fest, dass hier WHO-konform die STM zur aktuellen Sensiplan-Methodik unter der AG NFP über Jahrzehnte weiterentwickelt wurde. Hinsichtlich Sicherheit verwendet sie die Pille als Bezugspunkt, nennt Methoden- ("0,4") und Anwendungs-PI ("1,8"). Der Leserbrief-Abdruck schließt mit dem Hinweis auf die Infrastruktur hierzulande (Beraternetzwerk, Kurse), und dass Finanzierungsmöglichkeiten via KraKa bestünden.
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Aus der
Zeit No. 7 vom 12.2., Teil Wirtschaft: "Denn sie wissen schon, was ich will. Wir werden vermessen". Hier wird das weite Feld von Big Data, Data Mining, Algorithmen und deren teils gnadenlos gewinnorientierte Verwendung beackert (Stichworte Online-Shopping, Werbung, Kreditwesen, Versicherungen, aber auch Kriminalistik usw.)
Im Laufe des Essays wird als Anwendungsbeispiel aus dem Bereich Gesundheitsdaten die Firma bzw. deren gleichnamige
App Glow vorgestellt. Gegründet wurde die Firma 2013 von Max Levchin (PayPal-Gründer). In ihr kann der
Zyklusverlauf mittels Temperatur und Schleim aufgezeichnet werden, zusätzlich können noch viele andere Gesundheitsdaten wie emotionale Stimmung, Schlaf, Trinkverhalten (Wasser), natürlich auch Sexualverhalten/-frequenz usw. usf. eingegeben werden, ggfs. im Verbund mit Fitness-/Health Trackern (Armbänder...).
Die App dient wohl vor allem dem KiWu, kann aber auch zum Verhütungszweck verwendet werden. Die gesammelten Zyklen (angeblich schon 38 000?) werden freilich auch ausgewertet, und schau an, man entdeckt Revolutionäres: wie zB, dass der Zyklus nicht immer 28 Tage lang ist.

Bzgl. Kundenbindung und Produktdiversifikation: später sollen die Daten und die Community der App-Nutzerinnen auch für (in den USA) neue Versicherungsmodelle verwendet werden, zB für Zuzahlungen für IVF, falls es auf natürlichem Weg nicht klappt. Natürlich gibt es auch eine spezielle Schwangerschaftsapp, in die Nutzerinnen sogleich wechseln können, wenn es - auf welchem Weg auch immer - denn mal geklappt hat.
--- In dem Artikel bzw. in den Absätzen, die die App vorgestellt haben, geht es natürlich nicht um NFP im engeren Sinne. Aber dass dies als Beispiel verwendet wurde, wie auch aus diesen "intimen" Gesundheitsdaten ökonomischer Nutzen gezogen wird, fand ich etwas gruselig, aber auch faszinierend. Zumal im Artikel keinerlei der üblichen Kritik daran zu lesen war, Verhütung oder KiWu mittels Zyklusbeobachtung umzusetzen. Es ist, als ob dieses Thema voll akzeptiert wird und eine Selbstverständlichkeit gewinnt, sobald nur erkennbar ist, dass man damit Geld verdienen kann.
Finanzieller Gewinn rechtfertigt sofort, besser als wissenschaftliche Grundlagenarbeit, die bzgl. STM seit Jahrzehnten geleistet wird (siehe wiederum oben im Leserbrief).
Und natürlich wird im Artikel, aber auch nicht auf der App-Website, genannt, auf welches Regelwerk man sich stützt oder erläutert, wie die Auswertung abläuft (bzw. habe ich das so schnell nicht gefunden).
Den Artikel konnte ich leider (noch) nicht auf zeit.de finden.