Nochmal zum Thema: "Man sollte wissen, wie das Medikament wirkt, dass man einnimmt."
Es kamen hier einige Stimmen, die dieses Wissen mit Atomphysik und ähnlichem verglichen und es daher als unmöglich beschrieben haben, dass jede Frau das verstehen könnte. Sorry, aber das ist doch absoluter Unsinn.
Niemand verlangt, dass man die Wirkungsweise der Pille auf Hormoneebene verstehen muss. Aber es ist ja wohl im Bereich des Möglichen, das JEDER versteht, dass die Pille den natürlichen Zyklus komplett unterbricht, den Eisprung dauerhaft unterdrückt und keine normale Menstruation mehr stattfindet. Dazu gehört nun wirklich kein Diplom.
Aber allein dieses absolute Basis-Wissen ist ja schon so derart wenig verbreitet, dass es wirklich erscheckend ist!
Ich bin überzeugt davon, hätten tatsächlich alle (oder zumindest eine deutliche Mehrheit) dieses Wissen, dass dann vielen auch deutlich klarer wäre, dass diese jahrelange Pilleneinnahme vielleicht doch nicht sooooo harmlos ist, wie man gerne hätte. Gerade für junge Mädchen mit unausgereiften Zyklen.
Mimim hat geschrieben:
Wenn Probandinnen für eine Studie z.B. zum neuen Hormonring gesucht werden, bezieht sich das auch immer nur auf einen Zeitraum von 6 Monaten. Wundert mich nicht, dass die da nicht alle Nebenwirkungen finden.

Ich finde das ist ein ganz wichtiger Punkt bei der Diskussion um Pillen-NWs.
Soweit ich das hier mitbekommen habe, ist es ja sogar recht häufig so, dass die eigentlichen NWs erst nach 1-2 Jahren Einnahme auftauchen. Eine dann verschriebene andere Pille bringt oft erstmal Besserung, bis es nach einem längeren Zeitraum dann doch wieder abwärts geht.
Wie genau sind denn die Studien zu Pillen NWs ausgelegt? Welchen Zeitraum prüfen die? Was genau wird da überhaupt geprüft?
Stimmungsveränderungen, Lustlosigkeit und Co, das halte ich für extrem schwierige Symptome um sie als NW eines Medikaments nachzuweißen. Auch wenn viele hier es beschwören würden.
Gerade wenn es um langsam erwachsen werdende Mädchen geht, dann sind Stimmungsschwankungen, Wesensänderungen und Körperveränderungen (z.B. Gewichtszunahme) ja nun wirklich nichts besonderes. Und Lustlosigkeit entgegen einer früheren totalen LO-Phase ist in einer länger andauernden Beziehungen auch vollkommen normal. Ich z.B. habe, ohne jemals die Pille genommen zu haben, auch all diese "Symptome" gehabt.
Und nur weil sich so manches zum besseren verändert, wenn man die Pille absetzt, ist das noch lange kein Beweis. Vor allem dann nicht, wenn es nach dem Absetzen noch eine Weile dauert bis die Besserung eintritt. Vom Placebo-Effekt mal ganz zu schweigen.
Einen Beweis hätte man vielleicht dann, wenn nachweißlich alle (alle!) anderen Parameter gleich blieben und idealerweiße in einer On-Off-Einnahme ein direkter Zusammenhang zwischen Symptom und Pilleneinnahme nachgewiesen werden könnte. Aber das ist fast unmöglich.
Natürlich heisst das absolut nicht, dass die Symptome nicht doch von der Pille kommen! Ich finde es sogar recht logisch, dass die Abwehrreaktionen des Körpers erst nach einer Weile auftreten. Der menschliche Körper macht schließlich so einiges mit, bevor er auf die Barrikaden geht... Und es ist auch absolut logisch, dass Besserung erst nach einer Weile eintritt, wenn wirklich alle Rückstände und Nachwehen der Pille raus aus dem Organismus sind. Und dann stelle ich persönlich mir noch die Frage, wie viel von dieser Annahme eines angeblich "normalen" LO-Verlustes bei Frauen eigentlich allein davon kommt, weil Frauen heutzutage eben "normalerweise" in längeren Beziehungen die Pille nehmen?
Also zusammengefasst: Alles kann, nichts muss. Es gibt für beide Seiten gute Argumente und Gegenargumente.
Und die Pharmaindustrie wird natürlich den Teufel tun und ihr hochgradig gewinnbringendes Produkt unnötig als gefährlich beschreiben.