Meghann hat geschrieben:
Mir fällt es nach drei Jahren NFP-Forum und soundsoviel Monaten im medizinischen Bereich immer noch schwer, dass die Pharmaindustrie wirklich nur Geld mit uns machen will und uns Dinge verschreibt, die nachweislich zu Störungen des körperlichen Wohlbefindens führen und denen teilweise dann entgegengesteuert werden muss.
Ich glaube nicht an "eine Pharmaindustrie", die sich lachend die Hände reibt, wärend sie gezielt Dreck an Menschen verkauft.
Ich glaub eher, das es sich da einfach um eine riesige, sich selbst erhaltende Maschinerie handelt. Das ist der immense wirtschaftliche Druck, gepaart mit der allzu menschlichen Hoffnung aller beteiligten "Rädchen", dass es schon gut gehen wird...
Auch die großen Giganten der Pharmaindustrie haben mal klein angefangen, mit Produkten die erstmal überzeugt haben. Unser Wirtschaftssystem verlangt aber, dass es nicht gut ist, wenn alles nur so bleibt, wie es ist. Sondern alles muss immer und beständig wachsen, wachsen, wachsen. Wachstum ist sowieso immer und überall das oberste Gebot. Kundenkreis erweitern, Umsatz erhöhen, Produktpalette vergrößern, Standorte verteilen, etc.
Und das erreicht man nunmal nur, in dem man ständig Kosten einspart und/oder mehr Umsatz einnimmt. Und wenn die eine Studie zum neuen Produkt dann halbwegs befriedigende Ergebnisse liefert, warum einfach nur so zur Sicherheit noch eine zweite? Kostet viel zuviel Zeit und Geld. Und die paar Fälle, in denen es nicht gut lief, wer weiß schon woran das gelegen hat und was da nicht noch zusätzlich reingespielt hat. Da hofft man einfach, dass das Einzelfälle bleiben. Raus mit dem Produkt, so schnell es geht auf den Markt und an den Mann bringen - bevor es die Konkurrenz tut. Dann bezahlt man halt mal ein paar Ärzte und verschenkt ein paar Schulungsunterlagen oder gar Urlaubsreisen. Man hat schließlich Geld investiert, das man möglichst schnell wieder reinbekommen muss. Sonst stimmt die Bilanz am Ende nicht, die Aktien sinken, etc. Und die Konkurrenz verlässt sich schließlich auch nicht auf Mundpropaganda.
Und wenn dann was schief geht - um Himmels Willen nicht zugeben oder Schule machen lassen. Immer schön den Ball flach halten. Lieber zahlt man zig Kunden Entschädigungen, damit die ruhig gestellt sind, als offiziell zugeben zu müssen, dass man Scheiße auf den Markt gebracht hat... Von der richtigen Seite betrachtet ist es ja auch gar keine Scheiße, schließlich gibt es immer genug Kunden die sich nicht beschweren - oder sogar zufrieden sind.
usw. usf.
Wer soll da denn aufbegehren? Der Arbeiter mit Zeitvertrag am Fliessband? Der Abteilungsleiter, der nach oben sowieso alles gut darstellen muss, sonst werden Mittel oder ganze Stellen gestrichen? Der Vorstand, der keine Vorstellung von der Basis mehr hat, sondern sich auf PowerPoint Folien von "unten" verlassen muss? Ich glaub denen absolut, wenn sie immer beteuern, sie wussten von nichts. Es interessiert sie ja auch nicht.
Ich habe einen Kumpel in einem produzierenden Pharmaunternehmen... ich kann hier gar nicht wiedergeben was man da teilweise erfährt.

Was in den harmlosesten Pillen manchmal mit drin ist... und warum. Das ist purer Wahnsinn.
Und das schlimme ist ja, das läuft
überall so.
Wenn man sich mal den aktuellen Lebensmittel-Skandal anschaut... Wen das überrascht hat, der ist einfach lebensfremd. Das ist doch klar, dass es so läuft... Es ist weder Geld noch Zeit da, es anders zu machen. Und die Erfahrungswerte zeigen ja tatsächlich, dass die große Masse davon schon nicht umkommen wird. Wirklich schlimme Dinge (Contergan) passieren tatsächlich selten, aber das haben wir weniger den Firmen, als vielmehr unserem eigenen Immunsystem zu verdanken...
Zitat:
noch unglaublicher ist, dass der menschliche Körper das mitmacht.
Da ist was dran! Das erstaunt mich auch immer wieder... Wie es der menschliche Körper schafft, aus all dem Mist, dem wir ihn tagtäglich aussetzen, immer noch ausreichend Lebensstoff zusammenzukratzen. Hut ab. Nicht zuletzt wegen dieser Anpassungsfähigkeit ist der Mensch wohl zur 'vorherrschenden' Tierrasse geworden. Oder für die Christen unter uns: Die Gaben, die dem Mensch gegeben sind, nutzt er nicht weise...
So, jetzt reichts aber... Der Beitrag ist glaub ein bisschen ZU wehmütig und voller Weltschmerz geworden... - und ohnehin völlig OT.
