Ich belebe das hier mal wieder :)
Ich kann aus meiner Schulzeit in Niedersachsen zumindest berichten, dass ich in der Grundschule, als auch später auf den weiterführenden Schulen (ja, da gab's noch die Orientierungsstufe:)) Sexualkundeunterricht hatte. War in den 90ern. Einmal in der dritten oder vierten Klasse, dann noch mal in der sechsten, und dann in der neunten oder zehnten Klasse. Weiß natürlich nicht, wie der Lehrplan inzwischen aussieht.
Erinnere mich beim Unterricht in der 9./10. Klasse vor allem noch daran, wie wir uns über die Beschreibung im Biobuch, dass beim Sex "ein angenehmes Gefühl" entstehen würde tierisch kaputt gelacht haben. Das war schon seltsam, wenn viele in der Klasse diesbezüglich längst ihre Erfahrungen gemacht hatten, und dann wurde das (natürlich hier auch erstmal nur vorrangig körperlich empfundene) Gefühl dabei einem in dem Buch so "erklärt".
Über zwischenmenschliche Gefühle ging es auch überhaupt nicht dabei.
Aber ehrlich gesagt, erst als ich mich durch NFP über gemeinsame Fruchtbarkeit etc.schlau gelesen habe, ist mir wirklich entsetzt aufgefallen, wie lückenhaft die Aufklärung in der Schule und auch meine war! Vielleicht habe ich es tatsächlich auch nur vergessen, aber ich kann mich nur an die ungenauen "Zyklus dauert in der Regel 28 Tage, ungefähr in der Mitte ist der Eisprung"-Behauptungen im Biobuch erinnern. Es wurde auch hübsch veranschaulicht welche Hormone dann wie ansteigen. Von leicht selbst zu überprüfenden Dingen wie Temperaturveränderungen oder Schleimbeschaffenheit stand da nichts! Nichts darüber, wann und wie lange eine Eizelle fruchtbar ist. Wie lange Spermien überleben können. :( Klar, wir mussten bereits in der sechsten Klasse die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane benennen können, und später grob die Entwicklungsstadien in einer Schwangerschaft, eine Klassenkameradin durfte einmal vor allen ein Kondom über einen Holzphallus ziehen (und ich weiß noch, dass ich dachte "uhhh, jetzt weiß die Lehrerin, dass sie schon Sex hatte!"

). Aber ehrlich gesagt, denke ich jetzt, dass es vielleicht zu einer Zeit als die meisten Mädchen in der Klasse längst munter die Pille schluckten und Sex hatten, sinnvoller gewesen wäre, einfach mal zu klären, was die Pille zum Beispiel genau bewirkt im Körper, und wann man (ohne Pille) überhaupt fruchtbar wäre, anstatt verschiedene Schwangerschaftsabschnitte auswendig zu lernen! Nicht dass ich letzteres für unwichtig halte, aber ich denke in dem Alter geht es den meisten Jugendlichen ja doch eher um Verhütung einer Schwangerschaft, als um das Erleben einer!
Und zu den Gefühlen und Projektwochen mit Schulfremden:
Tatsächlich habe ich vor ein paar Jahren von einer Grundschullehrerin mal gehört, dass sie, nachdem sie mit ihrer Klasse von ihrer Seite aus die Sexualkundeeinheit laut Lehrplan durch hatte, tatsächlich einen Mann und eine Frau von (ja wovon nur...Pro Familia?) in ihrer Klasse hatte, und sich dann die Jungs mit dem Mann und die Mädels mit der Frau jeweils über ne Stunde in ruhige Ecken zurück gezogen haben, damit sie noch mal ungestört reden können. Sie meinte, dass war eine sehr tolle Erfahrung, weil die Kinder sich da noch mal ganz anders getraut haben Dinge zu fragen, wenn das andere Geschlecht und die Lehrerin (die in dem Fall wohl unauffällig mal Mäuschen gespielt hat;)) nicht dabei sind. Und für die Jungs war es wohl auch ganz gut noch mal nen männlichen vertrauenswürdigen Ansprechpartner zu haben. Aber ob das grundsätzlich so ist, dass da Fremde in die Klasse kommen?! Glaube eher, dass war in dem Fall dem Engagement der Lehrerin zu verdanken.
Edit: Ohh, und jetzt hab ich ein wenig Angst, dass ich zu weit von eigentlichen Thema abgekommen bin, weswegen das Thema mal eröffnet wurde...falls ja: einfach löschen und nicht schimpfen

Fand es nur ganz interessant, wie hier die Vorposterinnen von ihren Aufklärungs-Unterricht-Erfahrungen berichtet haben, der offensichtlich einfach besser sein sollte, damit PD seltener nötig sind und wollte mich mit meinem Erfahrungsschatz diesbezüglich anschließen.
