Aus dem Buch 1901 "Die Frau als Hausärztin" von 1901
Das Buch ist für seine Zeit modern. Die Aufklärung junger Mädchen wird, trotz ihres
„natürlichen Zartgefühls und der Scheu vor allen solchen Dingen“ propagiert, zum Schutz vor Krankheiten und dem fachlich richtigen Umgang mit Schwangerschaft, Kindererziehung etc.
Zudem wird der Frau endlich die Lust auf Sex zugestanden, wenn auch gleichzeitig davor gewarnt wird, die Selbstbeherrschung zu verlieren und ihre Würde zu opfern.
Hier finden sich leider keine Samentierchen, sondern ganz langweilig Samen, Samenzellen und Sperma.
Ich zitier hier mal die lustigsten Sachen aus dem Kapitel Geschlechtsleben. Am liebsten würde ich Euch noch seitenweise Tips zu Körperpflege, Leibesertüchtigung, Reformkleidung kredenzen....der Schinken hat immerhin über 800 Seiten.
Und nun viel Spaß beim Lesen
"Männer mit sehr lebhaften Gefühlen und großer sexueller Leistungsfähigkeit, die sich ihrer Manneskraft gerne rühmen, sind mehr oder minder überreizte, nervöse Individuen, die später oft an schweren Krankheiten des Rückenmarks und Gehirns zugrunde gehen werden. Würden diese strenge Selbstzucht üben und alles vermeiden, was die Geschlechtsnerven erregt, dabei täglich körperlich arbeiten, so würde sich auch bei ihnen der heftige Geschlechtstrieb vermindern und so würden sich auch bei ihnen der heftige Geschlechtstrieb vermindern und sie würden eine vorher ungekannte Ruhe erringen. Dasselbe gilt für zu leicht erregbare Frauen."
"Unter sittlich gesunden Menschen macht sich der Geschlechtstrieb erst dann geltend, wenn die Liebe einkehrt, d.h. – so sollte es sein. Leider ist beim männlichen Geschlecht dies seltener der Fall."
"Jede Art des Verkehrs, die vom natürlichen Wege, welcher dem Zweck am besten dient, abweicht, ist gesundheitswidrig und unsittlich. (...) Wir wollen hier nur eine Form erwähnen, welche in Deutschland sehr verbreitet ist, das ist der Congressus interruptus. Bei demselben wird der Erguß des Samens in die weiblichen Organe durch Unterbrechung des Aktes verhindert, ein Verfahren, das den Mann sehr anstrengt und der Frau die für ihre Gesundheit notwendige Befriedigung, den natürlichen Abschluß, versagt. Im Anschluss wird erläutert, dass bei einer Frau ohne
„elektrischen Austausch und naturgemäßem Ablauf der Erregung“ das durch den Geschlechtsakt angestaute Blut in den Geschlechtsorganen nicht ordnungsgemäß abgebaut wird und zu einer Verhärtung der Gebärmutter, starken Menstruationsbeschwerden, reizbaren Gemütsstimmungen, Entzündungen und krankem Aussehen führen.
Sex der nicht zur Produktion von Kindern dient, soll trotz Verhütungsmitteln, zügellos und übermäßig erfolgen, da dies gesundheitsschädlich ist.
Verhütungsmittel gelten als trauriger Ausweg für den Umstand, dass man finanziell nicht mehr alle Kinder großziehen kann, die beim ungeschützten Sexleben entstehen würden.
„ Sie sind also nur ein unangenehmer Notbehelf, ein Rettungsmittel vor Krankheit und wirtschaftlicher Not – im übrigen eine beklagenswerte, häßliche Notwendigkeit.“
Die meisten Verhütungsmittel kommen bei der Frau zum Einsatz, Begründung:
„Ist jedoch der Mann im allgemeinen wenig geneigt, sich Unbequemlichkeiten aufzuerlegen, und kann man es auch nicht bestreiten, daß die männliche Harnröhre viel empfindlicher ist, als die weibliche Scheide.“
Zum Thema Mann und Kondom:
„Der Überzug aus Gummi oder Fischblase für den Mann hat sich vielfach bewährt; er reißt aber auch leicht ein und ist vielen widerwärtig. Als „Condom“ ist er überall zu haben. Die Frau enthebt er zwar aller unangenehmer Verrichtungen, er schafft aber eine Zwischenschicht zwischen den männlichen und weiblichen Teilen, welche den Austausch verhindert und bei reizbaren Individuen sehr störend wirkt. Nervenschwache Männer haben oft unangenehme Reizzustände darnach beobachtet.“
Es wird nur auf Verhütungsmittel eingegangen, die
„aus gesundheitlichen und ästhetischen Standpunkt aus einigermaßen berechtigt erscheinen und nur am weiblichen Körper zur Anwendung kommen“
Wattebausch oder „Listersche Schwämmchen“, der in Essigwasser und Öl getaucht vor den Muttermund gelegt wird;
Pulver mit spermientötender Wirkung das mit Hilfe des Scheidenpulverbläsers eingebracht wird;
weiche Körper, die eine keimtötende Flüssigkeit absondern wie der „Sicherheits-Schutzring“ nach Dr.Cave oder die „Ballotos“ nach Dr. Martini;
Schutzkappen genannt Pessarium occlusivum, eins davon mit Rückholbändchen aus Gummi;
Zephir-Röhren-Pessar, wird direkt auf den Muttermund gestülpt mit Hilfe eines speziellen Einführlöffels