thoe hat geschrieben:
Und zu glauben, bei Kindern, die in religiös geprägten Familien aufwachsen, würden nicht auch Fälle von Vernachlässigung auftauchen, ist meiner Meinung nach auch nur Wunschdenken.
Das habe ich nicht behauptet.
Der Vergleich mit den Hormonen ist doch gut. Auch da kommen viele Frauen mit klar und ich teile die Sichtweise nicht, die viele Frauen im Forum vertreten, dass Hormone immer schädlich und böse sind. Bzw. nehmen sie die Folgen für die damit gewonnene Freiheit in Kauf. Und ja, Eltern nehmen durch ihre Erziehung und vielleicht die Entscheidung zur Beschneidung irreparable "Schäden" in Kauf. Das Wort "menschenverachtend" an dieser Stelle zu benutzen, weil ich Respekt vor den Traditionen anderer Kulturen/Religionen habe, finde ich stark übertrieben.
Auch bei dem Beispiel mit den Yoruba habe ich stark eingeschränkt. Es gibt in anderen Kulturen auch die Mode, dass man den Hals mit Ringen streckt oder die Unterlippe mit einem Tonteller versieht. Das finde ich nicht sonderlich toll, sehe keinen Sinn darin. Aber was für ein Recht habe ich darüber zu urteilen? Ich halte es für wahnsinnig arrogant und kolonialistisch, die "westliche Kultur" oder was auch immer das ist, als die fortschrittlichste oder die für die Menschen Beste anzusehen. (Achtung provokativ: ist die Freiheit von Religion wirklich fortschrittlicher? Sitzen wir nicht alle dem hegelschen Geschichtsdenken auf?) Deswegen würde ich es nie im Leben wagen, Tonteller in Lippen, Halsringe, Zehenpiercings, Beschneidung oder was auch immer zu verbieten, auch wenn es für gewisse Menschen Leid bedeutet. Das sollte meiner Meinung nach dadurch eingeschränkt sein, dass niemand dazu gezwungen werden darf, im Falle einer Veränderung am Kind auch die Eltern nicht.
Was mich zu meinem Argument zurück bringt, dass Eltern eigentlich immer versuchen mit bestem Wissen und Gewissen für ihr Kind zu entscheiden. Und wenn sie die Beschneidung für eine gute Sache halten, dann habe ich auch Respekt davor und kann diese Eltern nicht als dumm oder barbarisch darstellen. Keiner von uns kann die Folgen einer Handlung am Kind wirklich vorher einschätzen.