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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 09:31 
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Kurven-Rätslerin

Registriert: 11. Dezember 2009 23:53
Beiträge: 450
@Papillion: Dass die WHO Beschneidungen empfiehlt kann man so stehen lassen. Sie empfiehlt sie vielleicht nicht unter allen Umständen generell, aber nicht wegzureden ist: Die Weltgesundheitsorganisation hat eindeutig eine Empfehlung dafür ausgesprochen.

Was die WHO ansonsten noch dazu schreibt ist sicherlich interessant- aber dass sie eine Empfehlung ausspricht ist durch Deine Zusatzinformation nicht widerlegt. Und damit kann man dieses Argument was Menschen die sich für eine Beschneidung aussprechen heranziehen nicht einfach vom Tisch wischen.

Meine Hoffnung ist dass - auch durch die aktuelle Diskussion jetzt- vielleicht ein Denkprozess bei Menschen eingeleitet wird.

Ich persönlich habe mir vor dieser Debatte keine großen Gedanken um Jungen- Beschneidungen gemacht. Jetzt, nachdem ich mich damit befasst habe ist das was anderes. Ich dachte immer diese Beschneidungen seien keine große Sache, einfach ein bisschen Haut ab, fertig- ob mit oder ohne Haut sei im Großen und Ganzen egal.

Offensichtlich ist das aber nicht so und damit ist es die Sache wert sich den ein oder anderen Gedanken zu machen. Und vielleicht geht es anderen genauso- und vielleicht kann dadurch was bewegt werden.

Allerdings wird man m.M.n. nicht damit weiterkommen wenn man korrekt durchgeführte Beschneidungen (Hygiene, Fachkompetenz, Betäubung usw.) kriminalisiert. Das kann nicht der Weg sein, das hab ich durch die Debatte (sie wird in einigen Foren und in der Öffentlichkeit heftig geführt) gelernt.

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Wer in sich ruht, muss niemandem etwas beweisen. Wer um seinen Wert weiß, braucht keine Bestätigung. Wer seine Größe kennt, lässt den anderen die ihre.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 09:36 
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Moderatorin a. D.

Registriert: 8. August 2008 21:48
Beiträge: 11360
Wohnort: Middle Fritham
Ich glaube, es würde der Diskussion allgemein ganz gut tun, wenn hier nicht mit (inter)nationalen Verallgemeinerungen argumentiert werden würde - ich habe z.B. keine Meinung zur Beschneidung, bin von "ergebener staatstreuer Haltung" denke ich recht weit entfernt und mag es gar nicht, durch solche Generalisierungen zusammengefasst zu werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 09:42 
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Hochlagenjunkie

Registriert: 28. Oktober 2008 22:06
Beiträge: 731
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@Sommersprosse:
Du warst doch davon auch gar nicht betroffen... *hä*

Ich finde es schon wichtig, dass man so eine Thematik auch im internationalen Zusammenhang betrachtet. Was ich zum Beispiel früher nicht wußte, ist, dass Beschneidungen u.a. in Schweden schon länger verboten sind. Und DAS macht wiederum die Frage interessant, warum es gerade in D so einen Aufruhr darum gibt. :!:

Man sollte sich halt auch nicht von jeder Aussage gleich unmittelbar getroffen fühlen *knuddel*; als ich von "ergeben staatstreu" geschrieben habe, habe ich die für mich überwiegend deutsche Haltung damit gemeint, nicht die Diskussion hier.
Und das ist für mich persönlich halt einfach ein Fakt, denkt doch nur an die Eurokrise derzeit! Die deutschen Steuerzahler bezahlen brav für die Fehler anderer EU-Länder, die französischen Bürger wären schon längst demonstrierend auf der Straße.

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Wyo, mit kleinem Sternenbub (2008), zaubernder Hexe (2010) & kuscheligem Rambo (2012),
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tanzt wieder Ballett und liebt ihre Querflöte, Tiroler Volksharfe und ihre Quetsch´n.


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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 09:44 
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Moderatorin a. D.

Registriert: 8. August 2008 21:48
Beiträge: 11360
Wohnort: Middle Fritham
Mal abgesehen davon, dass man zum Thema Euro-Krise auch mehrere Meinungen haben kann, wird das wohl wirklich ein bisschen OT.


Dennoch bleibe ich dabei - ich finde es sehr schwierig, wenn Diskussionen zu religiös-kulturellen Fragen mit Verallgemeinerungen auf Ebene von "typisch deutsch / [hier Nationalität der Wahl eintragen]" durchmischt werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 09:48 
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Hochlagenjunkie

Registriert: 28. Oktober 2008 22:06
Beiträge: 731
Wohnort: Bayern
NFP seit: 09/2007
Das war doch nur ein Beispiel... *ärgern*

Und der entstandene Aufruhr ist halt nunmal "typisch-deutsch"; oder hast Du selbst etwas von einem schwedischen Tumult mitbekommen?
Da spielt halt auch einfach der geschichtliche Hintergrund mit hinein.

Aber ich nehme an, dass der Holocaust nun auch OT ist... *lach*

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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 10:00 
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Moderatorin

Registriert: 26. Juli 2004 12:01
Beiträge: 12828
NFP seit: 8. Jan 04 mit Unterbrechungen
@"typisch deutsch": Ich halte eher die kritische Beurteilung von Beschneidungen für "typisch deutsch" bzw. europäisch, eben weil sie hier nicht so weit verbreitet sind wie bspw. in den USA oder in Afrika. Das Kölner Urteil ist ein sehr europäisches.

Papillon hat geschrieben:
Aber zum direkten "Warum wird es überhaupt gemacht" findet man keine Antwort. Es ist fast so als ob es wirklich einfach mal so ist. Mich hätte interessiert wie es dazu kam das man anfing zu beschneiden. Was steht dazu genau in ihren Glaubensschriften.

Wo hast Du Dich denn informiert? *kopfkratz* In den von mir verlinkten Seiten ist es bspw. erklärt (Dossier des ZdJ: Erster Absatz) und auch bei Wikipedia lässt es sich nachlesen:
Zitat:
Die Brit Mila wird im Judentum als Eintritt in den Bund mit Gott angesehen. Diesen Bund ging Gott nach jüdischer Überlieferung mit Abraham (und seiner Familie) ein; daher wird der Beschneidungsbund auch als „abrahamitischer Bund“ bezeichnet. Die Juden berufen sich dabei auf Gen 17,10–14 EU. Dort heißt es:

„Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen […] Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden.“

In der jüdischen Geschichte war die Brit Mila einer der jüdischen Bräuche, die am stärksten verfolgt wurden. Unter nichtjüdischer Herrschaft stand auf das Beschneiden von Knaben oft die Todesstrafe, u. a. weil sie in der antijüdischen Polemik mit Kastration gleichgesetzt wurde. Dies war eine der Methoden, jüdisches Brauchtum zu unterdrücken in der Hoffnung, dass die Juden dann die Weltanschauung ihrer Umwelt, d. h. der Römer, der Christen oder des Kommunismus annehmen würden.


Papillon hat geschrieben:
Man hat nur durch studien herausgefunden das es unter beschnittenen Männer 60 % weniger infektionen gab.... was aber auch am Glauben liegen könnte... gebe ich hier mal zum NAchdenken mit auf den Weg. Ich glaube kaum das jüdische Männer von einem Partner zum nächsten wandern.

Beschneidung ist ja nicht auf den jüdischen Glauben beschränkt. Das geringere Infektionsrisiko ist bspw. auch für einige afrikanische Länder belegt, in denen kaum Juden leben.
Wyoming2009 hat geschrieben:
Was ich zum Beispiel früher nicht wußte, ist, dass Beschneidungen u.a. in Schweden schon länger verboten sind.

Das ist mir neu...?

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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 10:53 
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Moderatorin

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Wyoming2009 hat geschrieben:
und mich gefragt, woher in aller Welt die arroganten Deutschen mal wieder das Recht nehmen, über den Glauben und die Traditionen anderer Völker zu urteilen; ja, sie sogar so derb zu VERurteilen.

Um das nochmal ganz deutlich zu sagen: Es geht bei dieser Debatte um Deutsche. Das Thema ist Religion, nicht Staatsangehörigkeit. Wenn, dann sind es die arroganten Christen, die andere verurteilen. Es gibt nicht "die Juden" auf der einen und "die Deutschen" auf der anderen Seite. Ich mach das Fass jetzt wieder zu, aber würde doch bitten, da genau zu sein.

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Wir befinden uns im Jahr 50 nach der Pille. Ganz Deutschland ist von hormoneller Verhütung besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Frauen bevölkertes Forum hört nicht auf, der Pille Widerstand zu leisten! Und das Leben ist nicht leicht für die hormonellen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Frauenarztum, Hebammum und Apothekum liegen...
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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 12:51 
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Wurde die Diskussionsrunde bei Anne Will schon verlinkt? Falls nicht, hier der Link: Streit ums Beschneidungs-Urteil - Religionsfreiheit ade?
Meine Meinung dazu ist, dass das Judentum diese Stelle der Heiligen Schrift:
Zitat:
„Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen […] Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden.“
so als Fundament sehen, Gott hat unumstößlich diesen Auftrag an die Menschen weitergeben.
Und sie sehen es als Geschenk an, der Bund ist geschlossen, für immer; ein Gläubiger kommt quasi da nicht raus;

Der "Schutz" der durch den Bund Gottes entsteht, der ist durch kein Argument zu wiederlegen.
Schreien und Leiden und Schmerzen sind quasi nichtig! Gott will das, somit dient es dem Wohl des Kindes und Punkt. Das ist Glaube.

Wie soll und kann darüber verletzungsfrei und korrekt diskutiert werden?

Ich bin nicht Bibel gläubig und kann es nicht nachvollziehen, dass einem Säugling dies angetan wird. Ich verstehe nicht die wortwörtliche Auslegung der Heiligen Schrift und dass man dann nicht zu Gott gehört, wenn man z.B. als jüdische Eltern sagen würde, mein Sohn darf es selbst entscheiden, wenn er ein gewisses Alter hat.
Die freie Religionsausübung, als Recht, finde ich dennoch absolut richtig und kann Menschen respektieren, die gläubig sein wollen.

Solange nicht der Aufschrei aus eigenen Reihen kommt, z.B. junge Jüdische Männer, jüdische Eltern würden für ein Beschneidungsverbot im Säuglingsalter eintreten, finde ich, dass Andersgläubige sich da nicht als Erste einmischen sollen.
Zufrieden bin ich damit aber nicht! Denn ohne medizinische Indikation ist es für mich, so wie ich gesellschaftliches Leben mit seinen Rechten und Pflichten sehe, einfach Körperverletzung.

Übrigens habe ich auch bei vielen Mehrfachimpfungen im Säuglingsalter das Gefühl der "Körperverletzung" - und trotzdem muß ich als Elternteil für das Wohl des Kindes entscheiden.

So ist meine aktuelle Einschätzung zum Thema.


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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 13:00 
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Hochlagenjunkie

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@Akelei:
Ich wußte das auch nicht, aber in der Diskussionsrunde wurde darauf hingewiesen; einige andere Länder waren auch dabei, aber ich habe mir nur Schweden gemerkt... :oops:

@höstkvinna:
Das ist wahr, da hätte ich differenzieren müssen; sorry. Als ich "deutsch" geschrieben habe, war ich in Gedanken bei der deutschen Rechtsprechung, aber diese Info hat Euch natürlich gefehlt; in diesem Kontext ist dann nämlich natürlich doch das deutsche Volk gemeint.

"Arrogante Christen" will ich dafür nicht stehen lassen, ich bin nämlich selbst gläubige Christin und bilde mir zumindest ein, anderen Religionen gegenüber ausgesprochen tolerant zu sein. Dafür heiße ich aber auch nicht immer gut, was andere Christen denken und tun.
Dass jetzt die größten Beschneidungsgegner allzu christlich angehaucht sind, wage ich aber eh zu bezweifeln. *lach*

@nfplerin:
Deine Meinung klingt doch vernünftig und durchdacht! *daumenhoch*

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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 13:09 
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Moderatorin

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Wyoming2009 hat geschrieben:
"Arrogante Christen" will ich dafür nicht stehen lassen, ich bin nämlich selbst gläubige Christin und bilde mir zumindest ein, anderen Religionen gegenüber ausgesprochen tolerant zu sein. Dafür heiße ich aber auch nicht immer gut, was andere Christen denken und tun.
Dass jetzt die größten Beschneidungsgegner allzu christlich angehaucht sind, wage ich aber eh zu bezweifeln. *lach*

Mir ging es nur darum, aufzuzeigen, wen man hier gegenüber stellen müsste, wenn man das täte.
Aber ich denke schon, dass das große Unverständnis für die kulturelle Tradition der Beschneidung ganz entscheidend aus einer christlichen Prägung kommt (von der ja auch unsere Gesetzgebung mitbestimmt wurde und wird). Das macht natürlich noch lange nicht alle BeschneidungsgegnerInnen zu gläubigen ChristInnen (und umgekehrt).

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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 13:12 
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NFP-Gräfin

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Werden die Kosten für die Beschneidungen eigentlich von den Krankenkassen übernommen? Falls ja, fände ich es da schon mal besser, wenn die Familien das selbst zahlen sollen. Schließlich muss ich für meine kosmetische Brustvergrößerung (oder was auch immer) im Regelfall auch selbst zahlen.

Ansonsten bin ich pro Verbot, da man in DE nicht mal noch kleinen Kindern Ohrlöcher stechen darf. Das beißt sich in meinen Augen und wäre daher eine Angleichung der Rechte der Kinder.


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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 13:17 
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Registriert: 26. April 2008 20:57
Beiträge: 1594
... es geht aber um Religionsfreiheit und eine über 3000 Jahre alte Tradition! Das ist nicht wie Ohrlochstechen ...
Das Verbot dieses Gott-aufgetragenen-Rituals hebelt das Recht der Religionsfreiheit einfach aus den Angeln - welche Konsequenzen hat das? Für Deutschland? Für Europa? Für die Welt? edit


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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 13:25 
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Inventar

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höstkvinna hat geschrieben:
Wenn, dann sind es die arroganten Christen, die andere verurteilen. Es gibt nicht "die Juden" auf der einen und "die Deutschen" auf der anderen Seite.

So undifferenziert kann ich das hier nicht stehen lassen. Die meisten Christen, die ich kenne, schütteln über das Verbot den Kopf, eben weil wir uns darüber im Klaren sind, welch zentrale Bedeutung die Beschneidung im jüdischen Glauben spielt. Übrigens ist auch die Taufe eine umumkehrbare Handlung, auch wenn sie keinen direkten körperlichen Einfluss hat.

Ich denke auch nicht, dass es hier um irgendwelche Lager geht, sondern dass die Frage nach der Stellung der Grundrechte zueinander aufgeworfen wurde. Ich finde, hier muss man sich einfach dem Prozess stellen, der jetzt angestoßen wurde, darüber zu diskutieren, ob Religionsfreiheit mehr zählt, als körperliche Unversehrtheit bzw. ob die Beschneidung ein Kind derart beeinträchtigt, dass damit sein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit betroffen ist.

Ich will auch noch mal deutlich machen, dass Deutschland kein laizistischer Staat, sondern ein christlicher/christlich geprägter Staat ist. Damit ist das Recht auf Religionsfreiheit besonders für andere Religionen in Deutschland sehr wichtig und sollte vom Staat besonders geschützt werden.

Weiterhin finde ich den Religionsbegriff, mit dem hier teilweise diskutiert wird, sehr schwierig. Eine Religion ist nun mal keine Entscheidung für ein grünes oder rotes T-Shirt, oder etwas, das man in seiner Freizeit im stillen Kämmerlein betreibt, sondern etwas, das den ganzen Menschen in seiner Sinngebung und seiner Lebensperspektive betrifft. Das gilt besonders für das Judentum, dessen Mitglieder sich ja nicht nur als Anhänger einer Religion sehen, sondern als Zugehörige eines Volkes (nicht zu verwechseln mit Rasse oder sonst einer sozialdarwinistischen Theorie!!!). Zu diesem Volk gehört ein Mann nur, wenn er von einer jüdischen Mutter geboren und beschnitten ist. Die Beschneidung von Jungen ist also keine bloße Tradition, sondern ein zugehörigkeitsstiftendes Ritual. Verbiete ich dieses Ritual, verbiete ich quasi die ganze Religion.

Zumal das aktuelle Verbot ja eine Funktion hat, nämlich die Ärzte zu schützen, die sich in einer rechtlichen Grauzone bewegt haben, bis eine rechtlich verbindliche Regelung gefunden wird. Ich finde diese Vorgehensweise nicht besonders glücklich, aber notwendig.

Mit der Beschneidung im Islam kenne ich mich leider wenig aus, deswegen habe ich die rausgelassen aus meiner Argumentation. Ich vermute aber, dass es sich damit ähnlich verhält, wie im Judentum, wenn auch nicht ganz so bestimmt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 13:31 
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Moderatorin

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Sternenstaub, ich hab ja inzwischen schon erklärt, dass dieser Satz in den Kontext von Wyos Posting gehört und keine Tatsachenbeschreibung oder Meinung darstellen soll.

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 Betreff des Beitrags: Re: Beschneidungsdebatte
BeitragVerfasst: 17. Juli 2012 13:33 
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Inventar

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Tja, das passiert, wenn man sich zu lange Gedanken über eine Antwort macht. *lach* Sorry. Überlesen.

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