Neytiri hat geschrieben:
Keime entwickeln sich erst bei Luftkontakt (wie z.B. in einem Tampon), in einem Cup dagegen nicht. Sonst wären Cups schon längst ebenfalls mit dem Toxischen Schocksyndrom in Verbindung gebracht worden.
Bitte entschuldigt, wenn ich hier abseits von Gynefix-Erfahrung einhake, aber diese Aussage ist leider vollkommen falsch. Es stimmt zwar, dass Cups bisher noch nicht mit TSS in Verbindung gebracht wurden, das heißt aber auf keinen Fall, dass das nicht theoretisch möglich wäre.
Die Bakterien, die TSS während der Menstruation am häufigsten hervorrufen (
Staph. aureus, obwohl es auch eine durch Streptokokken ausgelöste Variante gibt), "entwickeln" sich auch nicht erst unter bestimmten Bedingungen, sondern sie sind häufig schon da, leben z.B. auf der Haut und sind teilweise auch bei gesunden Frauen im Geschlechtstrakt zu finden. Sie wachsen sowohl mit und ohne Sauerstoff, und sie produzieren das gefährliche Toxin ebenfalls unter beiden Bedingungen (auch wenn es da leichte Unterschiede gibt, vor allem nach längerer Wachstumsdauer). Im Übrigen vermitteln auch Tampons in der Vagina ohnehin kein aerobes (sauerstoffreiches) Milieu, sondern die Studien, die dem nachgingen, hatten in Erwägung gezogen, dass durch das Einführen des Tampons Sauerstoff an die Schleimhaut gelangen kann – was beim Einführen der Cups ebenfalls passiert, denn Luft kommt immer automatisch mit rein. Es wird empfohlen, Tampons und Cups nicht zu lange am Stück zu tragen, um Bakterien, die sich in der Zeit vermehrt haben könnten, mit dem Blut nach draußen zu befördern.
Man ging eine Zeitlang davon aus, dass TSS nur unter auftritt, wenn bestimmte Tampons verwendet werden, in deren Fasern Magnesium hängen bleibt, was die Bakterien dazu bringt, verstärkt das entsprechende Toxin zu bilden. Allerdings scheint das nicht der einzige Grund zu sein, denn die heutzutage verwendeten Tampons haben diese Eigenschaft praktisch nicht mehr, und menstruelles TSS kommt trotzdem noch vor (allerdings viel, viel seltener als noch in den Achtzigern).
Die Tatsache, dass es bisher keine Verbindung zur Cupbenutzung gibt, kann sehr gut einfach daran liegen, dass TSS grundsätzlich sehr selten auftritt ( je nach Quelle schwanken die Angaben, aber man geht auf jeden Fall von einstelligen Fallzahlen pro 100.000 Personen aus). Von diesen wenigen Fällen sind nun ein paar auf andere Ursachen zurückzuführen…da bleiben gar nicht mehr so viele Fälle übrig – und wenn man dann noch bedenkt, dass sicher insgesamt nur ein kleiner Bruchteil aller Frauen überhaupt Cups verwendet, ist es am Ende einfach eine Frage der Statistik. Übrigens gab es auch schon TSS-Fälle bei Frauen, die ausschließlich Binden verwenden.
Dazu kommt, dass TSS keine meldepflichtige Krankheit ist, es wird also nicht (wie etwa bei Tollwut o.ä.) zentral über das Auftreten Buch geführt.
Damit möchte ich übrigens niemandem Angst machen (ich benutze selber Cups und habe vorher Tampons verwendet), sondern nur vermeiden, dass hier Falschaussagen unkommentiert stehen bleiben
und vielleicht ein bisschen davor warnen, ohne solides Hintergrundwissen pauschal solche potentiell gefährlichen Gesundheitsratschläge zu erteilen.