Frau Frank-Herrmann>> vitaGroßes Interesse und Zustimmung gab es für den Vortrag von Frau Frank-Herrmann, die die STM vorgestellt hat. Sie sprach oft von „angewandter Biologie“, gestützt auf die Beobachtung so vieler, gesammelter Zyklen. Wieder einmal (für uns ja nix neues) gab es Erstaunen darüber, dass es so eine Methode überhaupt gibt und dass sie so einen hohe Sicherheit aufweist. Besonders interessant fand ich, dass nach gängiger Berechnung des PI die Methode sogar nur den Faktor 0,2 hat und die bekannten 0,4 auf einer noch strengeren Berechnung beruhen als üblicherweise angewandt. (Hier habe ich leider nicht noch einmal nachgehakt, wie das zustande kommt oder ob ich das richtig verstanden habe).
Ein weiteres Anwendungsgebiet, das bislang wenig Beachtung fand, bzw nur unter dem Aspekt Kinderwunsch, ist „Zyklusmonitoring“ und dass hier die Methode mehr Eingang in Diagnose und Beobachtung bei entsprechenden Krankheitsbildern finden könne.
Unter dem Workshop-Motto „Kontrazeption und Einfluss auf Körperwahrnehmung“ erschien mir vor allem wichtig, dass NFP besonders auch unter den jungen Frauen verbreitet werden sollte - weniger als Verhütungsmethode, sondern als Möglichkeit mehr Bewusstheit für den eigenen Körper, das zyklische Erleben und die eigene Weiblichkeit entdecken zu können. Es war die Rede von einer Entwicklung eines Schulprogramms für Jugendliche (auch Jungs natürlich), die eine Art „Körperführerschein“ machen können. Das finde ich eine wundervolle Idee: das war genau der Punkt, der mir in Diskussionen zum Thema Zykluswissen öfter auftaucht. „Hattet ihr keinen Aufklärungsunterricht?“ Klar hatte ich den – nur war das eben Schulstoff und selbst wenn praxisnah das Überstreifen eines Kondoms demonstriert wurde und der Hormonzyklus auswendig gelernt, blieb das Ganze dennoch fremd und ich bezog dieses Wissen nie auf mein eigenes Körpererleben, geschweige denn, dass man Zyklusbeobachtung gelernt hätte.
In der Rückschau wünschte ich, es wäre für mich so eine Verknüpfung möglich gewesen und ich hätte mein Körperbewusstsein eher schulen können - denn erst dann scheint mir eine umfassende Aufklärung über die Pille durch den Arzt möglich.
In dem an den Workshop anschließenden Plenum, wo Ergebnisse der verschiedenen Workshops vorgestellt wurden, kam erstaunlicherweise genau das auch teilweise bei anderen Workshops zum Vorschein: für besser greifende Aufklärung brauchen wir eine hilfreichere Kultur um Körperempfinden und -erleben.
Schön, oder?
Aber hier hatte Frau Frank-Herrmann im Gespräch mit Teilnehmern anderer Workshops mit den üblichen Vorurteilen zu kämpfen... es schwirrt einfach soviel Unsinn über den weiblichen Zyklus herum, so dass immer noch von vielen großen Informationsquellen (zT sogar der BZgA selbst) Fehl- oder mangelnde Informationen verbreitet wird (auch wenn sich die allgemeine Wissenslage in den letzten Jahren immens gebessert hat). So beruft sich oft ein „Blinder“ auf den anderen und die Quellen für dieses Halbwissen bleibt im Dunkeln. Und Studien, die gründlich und gewissenhaft, aber leider noch wenig bekannt sind, werden von Diskussionspartnern nicht selten geleugnet. Ich war sehr beeindruckt von der Mischung aus Freundlichkeit, Kompetenz und Strenge, die Frau Frank-Herrmann in solchen Diskussionen an den Tag legte. Auch am Ende der Veranstaltung als sie mit Herrn Kessel ins Gespräch kam, scheute die die Konfrontation nicht und vertrat bestimmt (und manchmal mit harten Bandagen) ihre Überzeugung vom Erstellen von Studien die wirklich ausdruckstark, relevant und verlässlich sind für Endanwendende und Ärzte.
Toll fand ich auch, wie sie erzählt hat, wie sie die Methode für sich entdeckt und mit begründet hat. Einer ihrer Profs meinte wohl mal beiläufig, man könne anhand verschiedener Körperzeichen fruchtbare und unfruchtbare Zyklusphasen unterscheiden. Erst war sie verwundert und dann war ihr Ansporn, herauszufinden, ob das denn tatsächlich möglich und exakt in Praxis umsetzbar sei. Durch ihre Neugier als Studentin wurde der Grundstein für unsere STM gelegt und ihre Beharrlichkeit über so viele Jahre hinweg ermöglicht uns eine zuverlässige und alltagstaugliche Anwendung des Wissens. Vielen Dank. Ihre Arbeit ist ein Geschenk an so viele Frauen und ihre Partner - ich zumindest empfand es so und denke es immer wieder, wenn ich z.B. in den Postpill-Threads lese.
Und nicht nur an die Frauen, die die Malteser erreichen, nein sogar rund um den Globus, wie eine skurile Geschichte am Rande zeigt: in den letzten Jahren tauchen besonders aus den USA vermehrt Publikationen zum weiblichen Zyklus auf, die nur auf Grundlage der in Deutschland gesammelten Zyklen entstanden sein konnten. Vermutlich wurde in den Wirren von 9/11 die Chance genutzt und sich diese einzigartige Datenbank angeeignet.
They love the german Gründlichkeit!
Ich konnte Frau Frank-Herrmann auch noch privat kurz kennenlernen und wir haben ein wenig über das Forum gesprochen. Auf der einen Seite befürwortete sie diese Möglichkeit des Austausches auf der anderen Seite formulierte sie Bedenken, dass es Tendenzen für „eigene“ forumsinterne Regeln gäbe. Ich vermute, sie meint unter anderem die Überinterpretation mancher Textstellen (mea culpa

) und Forenmythen. Ich hoffe, ich konnte sie diesbezüglich ein wenig aus der Innenperspektive heraus beruhigen, dass viele Bruchstücke so aussehen mögen, aber dies eben der besonderen Dynamik im Internet als Austauschplattform geschuldet ist (nach dem Motto: eine Sau pro Woche, die durchs Forumsdorf gescheucht wird). Die Moderation in Hinblick auf die Methode ist sicherlich nicht einfach, aber ich habe den Eindruck, dass hier - gerade im Vergleich zu anderen Foren - sensiplan hervorragend vertreten wird. Der Meinung ist sie auch und hat sogar auf die Plenumstafel das Forum extra mit angeschrieben als Informationsquelle für Interessierte.