Bonjour à toutes,
Auf der Suche nach einer Ausbildung zur NFP-Beraterin bin ich auf die Französische NFP-Methode gestossen (Planification Familiale Naturelle PFN de la CLER, bzw. in der Schweiz Avifa; Auch M.A.O genannt, méthode d’auto-observation). Vielleicht hat es ja noch andere Frauen, die sich dafür interessieren, deshalb voilà une petite présentation de la méthode:

Die Franzosen und Westschweizer stützen sich auf das eher kurze Buch ‚Vivre autrement sa sexualité. Méthodes naturelles de la régulation de naissances.‘ (Ich übersetze hier die wesentlichen Regeln auf Deutsch, da wohl nicht alle Französisch können, gelegentlich zitiere ich aber direkt). Das Buch ist von der Darstellung N&S ähnlich (viele lustige Bildchen von Follikeln und Embryonen), aber durchdrungen von Berichten von Paaren, wie sie die NFP im Zusammenhang mit ihrem Glauben sehen. Es wird einem also schnell klar, dass eine religiöse Ideologie im Hintergrund steht. Nur schon in der Einleitung steht, dass Paare das Geschenk erhalten haben, Leben weiterzugeben. Man soll soviele Kinder kriegen, wie man aufziehen kann. Gewählte Kinderlosigkeit ist kein Thema.

Grundsätzlich wird bei der PFN nach CLER davon ausgegangen, dass ein Kurs für Frauen bzw. Paare unerlässlich ist. Dies wird auch im Buch stets betont. Gemäss dem Buch ist es nicht möglich und auch nicht empfehlenswert, die Methode autodidaktisch zu erlernen.

Ausserdem, insofern ich das von westschweizern Beraterinnen mitgekriegt habe, ist die Methode wirklich vorwiegend für verheiratete (katholische) Paare gedacht, jedoch nicht für junge Frauen in vorehelichen Beziehungen.

Es wird explizit Enthaltsamkeit in der fruchtbaren Zeit gefordert. Statt GV soll man sonstige Zärtlichkeiten austauschen.

Die Regeln: Die fruchtbare Phase zum Zyklusbeginn ist durch den Schleim – und nur durch den Schleim – bestimmt. Die Temperatur bzw. irgendwelche ‚Rechenregeln‘ wie minus-8 spielen keine Rolle. Die unfruchtbare Phase dann nach dem ES wird nur (!) durch die Temperatur bestimmt.

Da man während der Menstruation keinen Schleim beobachten kann, ist der Fruchtbarkeitsstatus unbekannt („Fertilité non connue“) und man muss von Fruchtbarkeit ausgehen!

Die fruchtbare Zeit beginnt mit dem Auftauchen des ersten feuchten Empfindens, bzw. der Beobachtung von Schleim, egal welcher Qualität.

Irgendwie gehen sie davon aus, dass die Anzahl Tage, während derer man Schleim empfinden oder sehen kann bis zum Schleimhöhepunkt, mindestens 6 Tage dauern muss

, ansonsten muss man seine Wahrnehmungsfähigkeit mithilfe einer Beraterin schärfen – wie auch immer in der Praxis das dann aussieht.


Bei Sepl äh Sensiplan

werden Fühlen, Empfinden und Sehen unterschieden. Bei der CLER-Methode nur empfinden und sehen.

Der Muttermund zählt nicht als eigenständiges Zeichen, sondern als zusätzlich absicherndes Fruchtbarkeitszeichen, wenn sich die anderen Zeichen als schwierig erweisen. Die Muttermundbeobachtung darf unter keinen Umständen die Schleimbeobachtung ersetzen.

Der Schleim muss äusserlich abgenommen und beobachtet werden. Der am Muttermund abgenommene Schleim kann keinesfalls die Beobachtung des Schleims am Scheideneingang ersetzen.

Für den Schleim gibt es folgende Abkürzungen: Empfinden: S für sèche (trocken). H (humide) für feucht. Sehen: - für nichts gesehen; Ein Quadrat [sic!] für unseren S-Schleim. Für S+ dann zwei übereinanderstehende Quadrate. Der Höhepunkt wird mit einem Dreieck gekennzeichnet. Die Kategorie ‚rinnend / fliessend, aber nichts gesehen‘ scheint es nicht zu geben.

Die fruchtbare Phase am Zyklusanfang wird folgendermassen bestimmt: Die Menstruation gilt als fruchtbar, da man allfälligen Schleim nicht sieht (!). Nach der Mens darf man an den trockenen Tagen (‚S‘), an denen kein Schleim beobachtet wurde, jeden zweiten (!) Abend (!) GV haben (erinnert irgendwie an TCOYF, nicht?!). Dies, weil Sperma allfälligen Schleim überdecken könnte.

Sobald Schleim gesehen bzw. gefühlt wird, muss Fruchtbarkeit angenommen werden. Nun beginnt man mit der Temperaturmessung.

Auch Schleim im Slip zählt.

Man muss S+ (bzw. 2 Quadrate) haben, ansonsten hat man falsch beobachtet. D.h. wenn man nur unseren f oder S beobachten kann, hat man was übersehen.


Das Ende der fruchtbaren Phase wird folgendermassen bestimmt: Nur (!) durch die Temperatur (mir ist unklar, was daran genau symptothermal ist, wenn man sich jeweils nur auf ein Zeichen verlässt…). Es werden 6 aufeinanderfolgende tiefe Werte vor einem Anstieg gesucht. Dann wird das Durchschnittsniveau (Niveau moyen bas) dieser Werte ausgerechnet und dort die Hilfslinie gezogen. Wenn also ein Wert auf 36.6 ist, einer auf 36.3 und der Rest um 36.45, so ist die Hilfslinie auf 36.45. Von dort aus wird nun 3/10 nach oben gezählt und dort wiederum eine zweite Hilfslinie (niveau haut) gezogen. Werte innerhalb dieses Anstieges zählen nicht. Nun müssen drei Werte über oder auf dieser zweiten Hilfslinie sein, wobei es zwischen dem 1. und 3. Wert nicht mehr als 0.1 Grad Temperaturunterschied haben kann (warum, ist mir schleierhaft). Ab dem 3. Erhöhten Temperaturwert darf man (schon morgens) wieder GV haben. Ein allfälliger Schleimhöhepunkt spielt keine Rolle (!!), keine Ahnung, warum man den überhaupt beobachtet und notiert.

Für lange Zyklen (wobei nicht definiert wird, was lang bedeutet) gelten Spezialregeln: Wenn es nach Auftauchen des ersten Schleimes nach der Mens keinen S+-Höhepunkt gibt, sondern sich der Schleim ‚zurück entwickelt‘ (bei uns wäre das von S zu f), und es keinen Temperaturanstieg gibt, darf die Frau ab dem Abend des 4. Tages nach der letzten Schleimbeobachtung wieder unfruchtbar annehmen. D.h. man darf mitten im Zyklus unfruchtbar annehmen, wenn der Schleim über 4 Tage hinweg verschwunden ist ohne Temperaturanstieg.

Regeln für Störfaktoren scheint es keine zu geben. Ich habe einige meiner Kurven mit einer Beraterin der französischen NFP-Methode durchdiskutiert (sehr anstrengend

) und sie war sehr irritiert von hoch herausragenden Werten etc. Ich denke, sie gehen bei ihren Anwenderinnen von einem sehr regelmässigen Lebensstil aus, was ich *ähm räusper* nicht wirklich vorweisen kann.


Sicherheit: Leidiges Thema.

1.) Sie werfen im Buch alle NFP-Methoden durcheinander. Sie sprechen nicht davon, dass ihre NFP den Pearl Index xy hat, sondern dass ‚natürliche Methoden sicher sind‘. Sehr präzise.

2.) Sie geben zwei Studien an: Den Interimsreport der AG NFP aus den Jahren 1989-1992 (in welchem verschiedene europäische NFP-Methoden verglichen werden. Name: „Prospective European multi-center study of natural family planning (1982-1992): interim results. In: Advances in Contraception 1993:9, p. 269-283) sowie die frankophone Studie der CLER. Obwohl das Buch neuer ist, ziehen sie die neuen Studien nicht mit ein.


Die Studie der AG NFP zitieren sie falsch. Sie geben einen Methoden-PI von 0.63 an. Ich habe den ganzen Interimsreport gelesen, mir ist unklar, wie sie zu dieser Zahl kommen, da sie im ganzen Report nicht vorkommt. Ihr findet die Zahlen dazu in NFP heute, 4. Auflage, S. 173. Da gibt’s auch mehr Infos zur CLER-NFP; sie fällt in die Supgruppe B. Angegeben werden im Interimsreport bei der französischen NFP 12 ungewollte Schwangerschaften. Die AG NFP schreibt ihnen gesamthaft einen Methoden-PI von 1.8 sowie eine Anwendungssicherheit von 17.7 zu.

Dann geben sie im französischen NFP-Buch noch einen Methoden-PI von 1.13 aus der frankreichbezogenen Studie der CLER „Analyse des éches de la planification familiale naturelle. A propos de 7007 cycles d’utilisation‘ von R. Ecochard et al. an. Die AG NFP schreibt dazu in NFP heute, p. 172 :
NFP heute, S. 172 hat geschrieben:
Schwangerschaftsklassifikation fragwürdig: Methodensicherheit vermutlich überbewertet; ¾ der TN hatten bereits mehr als 1 Jahr NFP-Erfahrung, dennoch geringe Gebrauchssicherheit, davon allerdings ca. ¼ der Schwangerschaften beabsichtigt, aber nicht angekündigt. Besonderes Klientel. Mehr als die Hälfte hatte 3 oder mehr Kinder.
Zusammenfassung: 
Bestimmung der fruchtbaren Zeit zu Zyklusbeginn nur durch den Schleim, unfruchtbare Phase am Zyklusende nur durch Temperatur. Während der Mens wird fruchtbar angenommen, nach der Mens dann darf man, solange man nichts sieht noch fühlt, jeden zweiten Abend GV haben. Sobald Schleim gefühlt oder gesehen wird, muss Fruchtbarkeit angenommen werden. Hochlage wird bestimmt durch den Durchschnitt 6 tiefer Werte sowie dann 3 aufeinanderfolgende hohe Werte, die mindestens 0.3 Grad höher sein müssen als die 6 tiefen Werte. Werte dazwischen im Anstieg werden nicht gezählt. Methoden-PI wird von der AG NFP mit 1.8 angegeben.
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