Andrea80 hat geschrieben:
Ich kann dir nicht folgen Sommersprosse. Ich wollte damit sagen, selbst wenn man einen krassen Dialekt spricht, lernt man in der Schule trotzdem hochdeutsch schreiben und lesen, so dass die Argumentation "Ich bin Schweizer und keine Deutsche" automatisch hinfällig ist.

Ich spreche auch Dialekt und hab trotzdem hochdeutsch lesen und schreiben gelernt.
Ja, in der Schule wird es gelernt, aber trotzdem ist es nicht die Standardvarietät. Soll heißen: evtl. wird in einem Großteil der Zeit mehr Dialekt gesprochen (der lautlich uU. enorm von der Norm - also Hochdeutsch - abweicht), und deswegen die Rechtschreibkonventionen nicht so sehr verinnerlicht werden, als wenn durchgehend Hochdeutsch gesprochen wird (also in offiziellen und inoffiziellen Lebensbereichen).
Übrigens ist das nicht mit der gesamtdeutschen Dialektlage zu vergleichen, weil 1.) Schwitzerdütsch zu einer anderen "Dialektfamilie" gehört als viele andere Dialekte hierzulande, und weil 2.) die "Sprach- bzw. Dialektpolitik"

in der Schweiz eine andere ist als hier. Ich bin nicht so richtig in dieser Varietäten-Diskussion drin, aber soweit ich weiß, kann man im Falle der Schweiz (also jetzt nur bezogen auf Schwitzderdütsch vs. Hochdeutsch) schon fast von Zweisprachigkeit reden, was bei den innerdeutschen und österreichischen Dialekten nicht der Fall ist. Das aber nur als OT am Rande.
Was ich sagen will: je weiter ein Dialekt gesprochen-sprachlich von der jeweiligen Hochsprache weg ist + in je mehr Gebieten des Alltagslebens ein Dialekt gesprochen wird, desto schwieriger kann den Sprechern die Verschriftung der Hochsprache fallen. Die Argumentation ist also nicht "völlig haltlos", mag es aber für fachfremde Personen durchaus scheinen. (Diese Beurteilung finde ich vor diesem Hintergrund übrigens sehr anmaßend.)