*tiiieflufthol*
Also, einerseits gibt es das, was die katholische Kirche verlautbaren lässt, wobei sich da komischerweise immer alle auf die paar Sachen zum Thema Sexualmoral stürzen. Gut, das ist das eine, und für Katholiken sollte das auch einigermaßen verbindlich sein. Andererseits hat jeder Mensch ein Gewissen. Und seinem Gewissen muß man folgen. Steht so auch im Katechismus. Also, wenn einem das Gewissen sagt: Du könntest Deinen Partner anstecken mit einer tödlichen Krankheit, aber Kondome sind Sünde: dann mußt Du auf sexuelle Praktiken mit Infektionsrisiko verzichten und auf Kondome auch. Wenn Du aber sagst: also, wir lieben uns und wollen uns das auch körperlich zeigen (was innerhalb einer Ehe laut kath. Kirche nicht nur in Ordnung, sondern auch ein Geschenk Gottes ist, also positiv bewertet wird!), da gibt es aber diese blöde Krankheit die ich habe, aber wir könnten Kondome benutzen, dann wäre es ok, Kondome zu benutzen. Man muß das natürlich, auch bei weniger gravierenden Entscheidungen, immer gut abwägen, um zu einer verantwortlichen Gewissensentscheidung zu kommen.
In vielen Punkten im Bereich der Sexualmoral halte ich mich nicht an die Lehre der Kirche. Ich mache das aber, weil ich (könnt ich zT sogar mit der Bibel begründen) so für richtig halte, wie ich das handhabe. Würde ich denken: naja, die Kirche hat recht, aber es macht nunmal Spaß, also sündige ich halt ..das wäre nicht in Ordnung. Vor allem, da ich ja dann auch nicht vorhätte, mein (auch von meinem Gewissen als falsch erkanntes) Verhalten zu ändern, könnte ich das nichtmal beichten. Eine gültige Beichte setzt Einsicht in die Sünde und den Willen zur Umkehr voraus. Also heute mit Kondom (oder Pille, oder ohne, ist egal für das Beispiel) mit seinem Freund schlafen, morgen beichten gehen und wissen, daß man es übermorgen eh wieder tut, und überübermorgen,...das geht so nicht. Wenn ich etwas beichte, muß ich wissen, daß es objektiv gesehen (also vom kirchlichen Lehramt gesehen) eine Sünde ist, ich muß daß, was ich beichte, als Sünde empfinden, und wollen, daß ich diese Sünde nicht mehr begehe (auch wenn man natürlich im allgemeinen die selbe Sünde noch einige Male wieder begeht- aber der Wille, es nicht mehr zu tun und an sich zu arbeiten, muß da sein). Wie jemand auf die Idee kommen kann, es sei ok, trotz HIV-positiv ungeschützt Sex zu haben, nur damit bloß keine Kondome benutzt werden, also, das ist ungefähr genauso krank wie einige Frauen in Südamerika, die lieber einmal im Jahr abtreiben und das dann beichten statt regelmässig zu verhüten (nicht ausgedacht, gibts dort tatsächlich). Es geht um den Geist des Gesetzes, nicht um die wortwörtliche Befolgung auf teufelkommraus, egal mit welchen Konsequenzen das geschieht. (Kann man in der Bibel auch bei einem gewissen Jesus Christus nachlesen, dort zum Beispiel anhand der Sabbatruhe: natürlich soll man den Feiertag heiligen, aber wenn ein Kind in den Brunnen fällt, holt man das gefälligst auch am Sabbat da raus, auch wenn das mit Arbeit verbunden ist, die ja eigentlich verboten ist...versteht ihr? So ist das eigentlich bei allem. Man soll auch nicht lügen. Aber eine Familie, die unter den Nazis eine jüdische Familie versteckt, hätte natürlich, wenn eine Nachfrage kommt deswegen, lügen dürfen, um das Leben der versteckten (und das eigene) zu retten, auch wenn da zehnmal steht, daß man nicht lügen darf. Sorry für das drastische Beispiel, aber an sowas versteht mans meist am Besten, finde ich)
Sex darf nur in der Ehe stattfinden, und Sex und die Weitergabe des Lebens (das heißt nicht: Sex nur zur Zeugung und ohne Spaß (das war im Mittelalter teilweise so unter Einfluss der augustinischen Theologie, aber das führt jetzt wohl zu weit..), sondern: Sex nur in dem Bewusstsein, daß es zu einer Zeugung kommen kann und Kinder ein Geschenk sind, die zu einer Ehe und zu Sex dazugehören, also: Sex unter Offenheit für neues Leben) dürfen nicht durch künstliche Mittel (NFP ist ausdrücklich erlaubt) getrennt werden. Das heißt aber nicht: ok, das ist jetzt außerehelich, also darf ich jetzt eh machen was ich will, sündigen tue ich sowieso...Wenn man zum Beispiel fremdgeht, ist das natürlich eine Sünde (sogar eine Todsünde). Wenn man dabei nichtmal ein Kondom verwendet, also den betrogenen Partner auch noch einem Krankheitsrisiko aussetzt, kommt aber nochwas dazu (vor allem in Ländern mit so exorbitanten Aidsraten wie in den meisten afrikanischen Ländern). Steht so nicht im Katechismus, hab ich aber mit meinem Beichtvater drüber geredet (nur theoretisch, gab keinen praktischen Anlass, nicht dass hier jetzt Gerüchte aufkommen

, war nur zum gucken, ob mein Sündenverständnis halbwegs koscher ist.
Die ca 50% Christen in Afrika sind, wie schon angemerkt wurde, mitnichten alle katholisch. Es gibt auch Statistiken, die zeigen, daß Länder mit hoher katholischer Bevölkerungsquote niedrigere Aidsraten haben. Eine wichtige Rolle spielt das Männlichkeitsbild und das tatsächliche Sexualverhalten. Letztens lief ne Doku auf nem seriösen Sender. Eine afrikanische Kondomfirma hat ne Party gesponsert, es gab Kondome, es gab ne Menge Aufklärung, coole Musik, Leute, die aus ihrem Leben erzählt haben mit teils sehr, sehr tragischen Geschichten, es gab das Ok der Kirche vor Ort- die Typen, die dann zu später Stunde n Mädel abgeschleppt haben, sagten auf Nachfrage hin, daß sie aber keine Kondome benutzen würden, weil sie ja gesund aussähe und das nur was für Weicheier ist, das würde sich ja so kastriert anfühlen und echte Männer benutzen sowas nicht. In dem Land lag die Quote so um die 45%, glaub ich (Aidsquote, mein ich jetzt).
Da kann mir jetzt keiner erzählen, daß da die böse katholische Kirche dran schuld wäre. Das ist einfach Machismo vom Feinsten, selbst wenn der Papst höchstpersönlich Kondome verteilen würde, es brächte nichts.
Außerdem tun wir immer so, als wären die in Afrika alle ein bißchen dumm und wären nicht in der Lage, abzuwägen, und deshalb müssten wir denen sagen, was sie zu tun und zu lassen haben und ihnen auch schön offiziell erlauben, Kondome zu verwenden. Wir in Europa können da abwägen, und die meisten Afrikaner können das auch. Afrika ist arm, nicht dumm.
In den Großstädten dort gibt es ne Menge Aufklärungskampagnen, es ist nicht so, daß da immer der weiße Mann kommen muß um denen zu erklären, wie der Hase läuft. Natürlich gibt es dort noch unaufgeklärte Gebiete und Leute, die keine Ahung haben (gibts hier nebenbei auch ne Menge von). Aber nicht in der Masse, das man damit diese enormen Zahlen grade in den Großstädten erklären könnte, genau dort, wo es auch Aufklärung und Gesundheitsstationen und Kondome gibt. Auf dem Land, wo es das alles nicht gibt, ok, das ist was anderes. Dahin kommt Aids aber auch überwiegend über die Männer, die in die Städte gehen zum Geldverdienen und dann neben dem Geld auch noch ihre dort erworbene Infektion mit nach Hause bringen. Selbst in den Slums gibts Aufklärung, Straßentheater, Gesundheitsstationen, die Kirche organisiert Pflegedienste und klärt die Leute auf (meist anhand des ABC- Schemas: abstinence, be faithful, condoms- also Abstinenz vor der Ehe, Treue in der Ehe, und wenn man das nicht packt, soll man Kondome benutzen!).
Und, das hatte ich schon erwähnt, Sex ist kein hinzunehmendes Übel zur Kindererzeugung, sondern ein Geschenk Gottes, daß es verantwortlich zu nutzen gilt. Die Kirche sieht das innerhalb der Ehe und mit der prinzipiellen Offenheit für Kinder verwirklicht. Dabei dürfen Paare durchaus Spaß haben und miteinander schlafen, ohne gerade ein Kind zu wollen ( sonst wäre Sex während der unfruchtbaren Phase verboten).
Vieles, was hier und anderswo geschrieben wurde, zeugt für mich nicht davon, daß man die Kirche fertig machen will, sondern davon, daß man unzureichend bis gar nicht darüber informiert ist, was Kirche eigentlich will. Die Medien sind da auch nicht sehr hilfreich. Am besten Gläubige fragen (die sollten nur vielleicht nicht grade aus dem rechtskatholischen Milieu kommen, da geistern tatsächlich sehr eigenartige Sachen herum...) und mal selber an die Quellen gehen. Naja, und dann halt immer dieses festklammern am Buchstaben statt am Geist bzw. Sinn, das ist aber durchaus vor allem auch ein innerkirchliches Problem, klar daß das dann von außen erst recht so gehandhabt wird...
Liebe Grüße, abitibi
PS zu Spanien fällt mir folgendes ein: die sind zwar katholisch, aber ich weiß nicht, inwieweit das im praktischen Leben noch ne Rolle spielt, vielleicht sind die schon ähnlich säkularisiert wie wir hier in D. Dazu kommt meiner Meinung nach in Spanien (wurde mir von Freundinnen, die längere Zeit dort waren, bestätigt, und auch die Zahlen bzgl. häuslicher Gewalt sprechen Bände:) ein gewisser Machismo. Und: Spanien hat enorm viele illegale Einwanderer aus Afrika, könnte auch ne Rolle spielen.