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(*motz* So, nachdem mir die erste Version in die Steckdose entschwunden ist, als ich gerade den letzten Satz schrieb, hier der zweite Versuch)
Hi Viktualia,
eben weil sich Mehrfachovulationen so unglaublich anhören, interessiert mich, was die kanadischen Forscher genau untersucht haben. Werde mal versuchen, die wesentlichen Ergebnisse hier zusammenzufassen und dabei elegant zum Ausgangspunkt dieses Threads zurückzukehren.
Wie folgt:
Erforscht wurde, wie die Follikelreifung von Frauen genau verläuft, und zwar in einem Zeitintervall von kurz vor bis kurz nach einem Eisprung bei N=50 Probandinnen. Ein Eisprung wurde definiert als das plötzliche Verschwinden eines Follikels von über 5 mm Größe. Täglich wurde die Größe der Follikel per Ultraschall erfasst, alle drei Tage wurden die Hormonwerte im Blut bestimmt. Parallele Temperatur- und Schleimbeobachtungen wurden in diesem Forschungsdesign nicht geführt, sondern man hat mit den Variablen Follikelgröße und Hormonkonzentration gearbeitet.
Die wichtigsten Ergebnisse:
- die Follikelreifung verläuft nicht linear wie bisher angenommen, sondern "wellenförmig", es gibt 2 – 3 beobachtbare Reifungsphasen ("waves")
- nur die letzte einer solchen Reifungsphase war ovulatorisch, alle vorhergehenden anovulatorisch
- die Follikelreifungsphase, nicht die Gelbkörperphase, ist bestimmend für die Länge des Zyklus (wobei diese Erkenntnis nicht neu ist)
- die in der Gelbkörperphase messbaren Östrogene sind, obwohl der Gelbkörper auch Östrogene produziert, offenbar follikularen und nicht lutealen Ursprungs
- insgesamt betrachtet kann es bis zu 150 Tage dauern, bis ein Follikel von 0,03 mm zu einem sprungreifen Follikel (5 – 10 mm) heranreift
Zusammengefasst bedeutet das, dass die Eireifung nicht parallel zum Menstruationszyklus verläuft (der 1. Menstag als 1. Zyklustag ist sowieso eine willkürliche Vereinbarung, da das Einsetzen einer Blutung im Gegensatz zum z. B. einem Eisprung deutlich merkbar ist). Offenbar reifen ständig Eizellen heran, auch in der Lutealphase, sind aber nur im letzten Stadium dieses Prozesses für den nahenden aktuellen Eisprung von Bedeutung, vorher wären sie für eine Ovulation viel zu klein. Als Ausblick auf weitere Forschung könnte man sich der Frage annehmen, ob Progesteron für die Follikelreifung auch eine Rolle spielt. Die Forscher versprechen sich von ihren Ergebnissen – besonders das mehrfach auftretende Vorhandensein eines möglichen sprungreifen Follikels – Erkenntnisse, die bei der künstlichen Befruchtung sowie der Entwicklung verträglicher hormoneller Kontrazeptiva von Bedeutung sind.
Mit keinem Wort steht in diesem Artikel, dass Mehrfachovulationen beobachtet wurden, vielmehr reifen mehrmals Follikel bis zur Beinahe-Sprungreife heran, ohne letztendlich zu springen, das Springen geschieht nur einmal, in der letzten beobachtbaren Reifungsphase ("wave") vor der Lutealphase. Die Grundlagen der natürlichen Empfängnisregelung werden durch diese Studie jedenfalls nicht verändert, das ist tatsächlich ein Missverständnis, das offenbar für einige Verwirrung gesorgt hat.
Vielleicht lässt sich – und damit zurück zum Anfang des Threads – eine lange S+-Phase bzw. lassen sich mehrere getrennte S+-Phasen auf diese Art zusätzlich zu den bereits erfolgten Erklärungen (Stress, individuelle Unterschiede) weiter veranschaulichen. Welche äußeren Faktoren im Leben der Frauen möglicherweise Einfluss auf ihre Eireifungsphasen haben, konnte in einem solchen Versuchdesign natürlich nicht erfasst werden, wäre aber sicher auch interessant.
Gruß Radha
_________________ Gruß Radha 17-jährig mit NER angefangen, das ergibt 25 Jahre erfolgreiche Verhütung und/oder Diagnosehilfe. *O02.1v 08/11. Mit Kind seit 21.07.2012. Neugierig? C'est moi!
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