Wow, dieses Forum ist der Hammer, da hat es ja extrem differenzierte Stellungnahmen gegeben, tolle Diskussion!!
Nur ein paar Punkte:
- Ich würde Pro Abtreibung nicht gleichsetzen mit "deshalb kann ich auch die Spirale brauchen". Ich denke, da gibt es rechte Differenzen. Ich komme persönlich nicht aus denselben Gründen zu meiner Meinung zur Spirale wie zur Abtreibung. Bei der Abtreibung finde ich, dass das Kinds- und Mutterwohl die wesentlichen Faktoren sind. Wenn nun ein Kind sehr stark krank, bzw. vernachlässigt auf die Welt käme, weil sich die Eltern nicht darum kümmern (können/wollen), dann würde ich in diesen Fällen Abtreibungen als gerechtfertigt erachten -- das sind andere (utilitaristische) Gründe und Abwägungen. D.h. ich denke nicht, dass man die Fälle Spirale/Abtreibung gleichstellen soll und darf.
- Zur Stammzellenforschung: Ich habe mich ein wenig damit auseinandergesetzt, aber muss zugeben, dass, je mehr Argumente ich pro und Kontra lese, desto verwirrter werde ich!
Das Problem ist wohl, dass dieses Thema sehr konfliktbeladen ist. Oftmals herrschen medizinische Missverständnisse und vielfach wird mit Prämissen operiert, die nicht von allen anerkannt werden (vgl. z.B. der Würdebegriff/ religiöse Vorannahmen) und natürlich ökonomischen und wissenschaftlichen Interessen.
Was ich bei mir persönlich merke -- und was mich auch ein wenig stört -- ist, dass ich wohl aus argumentativen Gründen die Stammzellenforschung gutheissen müsste, dies aber irgendwie mir selbst nicht eingestehen möchte, da ich immer das Gefühl habe, dass da mit "etwas Besonderem" gearbeitet wird. Es arbeitet also mein Verstand gegen meine Intuition!
Ich denke indes, die hier schon angesprochenen utilitaristischen Gründen sind nicht ganz von der Hand zu weisen. D.h. wenn die Forschung viele Menschen retten würde, wäre sie unter Umständen gerechtfertigt. Zu klären wäre also, inwiefern nicht etwas "Unantastbares, Würdiges" verletzt wird. Persönlich fühle ich mich aber eher zu Kant hingezogen, der einen Wert nicht gegen den anderen abwägt. (Jetzt natürlich nicht bezügl. der Stammzellenforschung, da hat er nicht viel darüber geschrieben

. Aber bezügl. Menschenleben gegen -Leben). Mit dem Utilitarismus gehe ich nicht immer konform (obwohl ich eingestehen muss, dass Philosophen wie z.B. Singer, die ihn bis in die letzte Konsequenz durchgedacht haben und danach leben, oftmals schon überzeugende Argumente anführen können). Ich denke, man sollte sich jedoch seinen Gefahren und Konsequenzen bewusst sein...
- Zum Potentialitätsargument: Ich weiss, dass man Tausende von Argumenten dagegen einwenden kann -- wie auch bei den anderen genannten Argumenten! Aber ich dachte, ich erwähne es trotzdem mal!
Dazu möchte ich nun einwenden, dass ich persönlich es nicht als spezifisch christlich erachte!

Eher das Speziesargument (ist nicht Robert Spaemann ein Vertreter dessen?)... Dass man aber eine Interessensgewichtung macht, würde ich auch favorisieren. Wobei dann natürlich die betreffenden Kriterien bestimmen müsste (Leidensfähigkeit? Bewusstseinsfähigkeit?) -- und dann gerät man bekanntlich in gefährliches Gewässer, da damit unter Umständen auch Menschen (Komapatienten, geistig stark Behinderte) ausgeschlossen werden könnten. Ui, ist das komplex & kritisch!!
@oia:
Du etwa auch?
Finde das toll!! Hab letzthin beschlossen, mit Lune nen Philosophinnen-Thread zu eröffnen (jetzt hätte ich auch meine Examen durch!), um zu schauen, ob es noch andere hat! Toll, dass noch eine hier ist!! Was sind deine Spezialgebiete und -Interessen?
