Vielen Dank für den Link! Der hat mir zumindest schon einmal ein paar wichtige Informationen geliefert.
Ich fasse sie hier mal zusammen (aus meiner Sicht), falls es noch andere interessiert.
- Das Thermometer piepst bei der Nutzung mindestens drei Male: beim Anschalten, als Meldung, dass es bereit ist und wenn die Messung abgeschlossen ist, ein weiteres Mal, falls der Temperaturwert sofort in die App übertragen wird. Der Ton ist wohl relativ laut, aber das kann ich persönlich nicht einschätzen.
- Die Messung dauert etwa 30 bis 60 Sekunden, zum Teil auch kürzer. Grund für diese kurze Dauer ist ein Messfühler, der das können soll. Auf der Webseite des Thermometers wird erklärt, dass Quecksilber verboten sei - allerdings gibt es ja mittlerweile Ersatzstoffe, die genutzt werden so wie beim Geratherm Basal, falls man analoge Thermometer nutzen will.
- Wie bei jedem digitalen Thermometer ist die Batterie eine mögliche Schwachstelle. In dem Testbericht musste die Benutzerin zunächst eine neue Batterie einsetzen, damit es überhaupt funktionierte.
- Die Übertragung in die App erfolgt über Bluetooth. Vermutlich muss dafür Bluetooth am Handy eingeschaltet sein und man muss entscheiden, ob man das schon am Abend vorher oder morgens vor der Messung macht - es sei denn, man hat kein Problem damit, dass Bluetooth immer eingeschaltet bleibt.
Ob die App vor der Übertragung geöffnet sein muss, ist nicht klar.
Man kann aber auch bis zu 30 Temperaturwerte speichern und später übertragen.
- In der App gibt es viele Eingabemöglichkeinten in Bezug auf die nutzende Person.
Allerdings sind dies zum größten Teil Angaben, die nur indirekt mit der sympto-thermalen Bewertung zu tun haben wie zB andere körperliche Symptome, aber auch BMI, Bewegung, Ernährung.
Die Eiingabemöglichkeiten für Zervixschleim beschränken sich auf "nichts, trocken, feucht, cremig, fadenziehend" und sind in meinen Augen nicht differenziert genug.
Wenn ich stattdessen "nichts, t, f, S, S+" als Kürzel bei sensiplan betrachte, sind diese meiner Meinung nach durch mehrere Schleimeigenschaften wesentlich besser zu unterscheiden und gerade für Anfänger durch die genauere Beschreibung hilfreicher.
- Zu Beginn des Zyklus muss ein Zeitfenster von 4 Stunden festgelegt werden, in dem den ganzen Zyklus über gemessen werden muss. Eine Änderung ist erst zu Beginn eines neuen möglich. Was passiert, wenn man außerhalb des Zeitfensters misst, habe ich nicht herausgefunden.
- In der dargestellten Temperaturkurve werden einzelne Werte nicht deutlich angezeigt, sondern nur die Verlaufskurve mit einem Referenzwert, soweit ich das sehen konnte.
- Die Eintragung von Störfaktoren (auch hier eine begrenzte Anzahl von Vorgaben) führt automatisch dazu, dass ein Wert nicht mit in die Auswertung mit einbezogen wird.
- Auswertung:
Die App wertet auf Grundlage von Temperatur aus. Eine Auswertung, die den Schleim mit einbezieht, ist möglich, aber keine notwendige Bedingung.
Auf der ausführlichen Webseite wird dazu aber auf die geringere Sicherheit hingewiesen, wenn nur die Temperatur genutzt wird. Um den Schleim mit einzubeziehen, muss dies aktiviert werden. Ein Schleimhöhepunkt muss selber identifiziert und gekennzeichnet werden.
Nach welchen Regeln die App genau auswertet, ist mir nicht klar geworden.
Deutlich wird bei dem Testbericht, dass keinesfalls alle Regeln von sensiplan berücksichtigt werden (es gibt zB ein Beispiel, in dem der dritte Wert nicht ausreichend hoch ist und trotzdem eine Freigabe erfolgt).
Der Hersteller weist darauf hin, dass zur Auswertung der Algorithmus von Cyclotest genutzt wird. Dieser sammelt im Laufe der Zeit persönliche Daten, um individuell an die Nutzerin angepasst zu werden.
Alle Daten werden in der Cloud von Cyclotest gespeichert. Ob sich das ausschalten lässt, weiß ich nicht.
Als Pearl-Index werden die herangezogen, die für die Temperatur-Methode und die symptothermale existieren. Auf welcher Grundlage sie aber für den Algorithmus bewertet werden, der genutzt wird, ist unklar.
Somit ist für mich persönlich die Sicherheit nicht bewertbar - zumindest nicht im Vergleich zu sensiplan, bei der es faktisch Studien gibt.
Mein Fazit:
Mit meinem Wissen würde ich die App mit Thermometer nicht empfehlen, ohne sich Wissen über sensiplan anzueignen.
Mit einem für mich nicht erkennbaren Algorithmus entgeht mir ein Stück Selbstverantwortung, auf die ich als Beraterin und als Mensch großen Wert lege.
Außerdem vertraue ich auf die Regeln von sensiplan so sehr, weil sie eben für mich so gut logisch nachvollziehbar und am Körper beobachtbar sind - diese werden aber nicht alle mit einbezogen und sind nicht transparent.
Für den aktuellen Preis kann man eine Einführung in die Methode bei Beraterinnen in Anspruch nehmen, die persönlich(er) ist und zudem auf die individuellen Aspekte eingeht - es können Unsicherheiten geklärt werden, bis man die Methode eigenverantwortlich nutzen kann.
Mich stört auf der Webseite, dass sensiplan zwar immer wieder erwähnt wird, aber damit der Eindruck entsteht, dass die Methode Grundlage der App ist. Außerdem werden Informationen gegeben, die so nicht stimmen:
Zitat:
Bei der symptothermalen Methode werden die Temperaturmethode und die Billingsmethode kombiniert.
Diese Methode, die im deutschsprachigen Raum auch als Sensiplan bezeichnet wird, eignet sich vor allem für Frauen, die eine Schwangerschaft vermeiden möchten. Sensiplan bzw. die symptothermale Methode ist die sicherste dieser hormonfreien Verhütungsmethoden.
Quelle:
https://www.cyclotest.de/natuerliche-familienplanung/Zum Einen ist Verhütung nicht vor allem im Vordergrund, zum Anderen ist sensiplan nicht einfach mit symptothermaler Methode gleichzusetzen, auch wenn es eine Variante ist.
Trotz dieser zum Teil falschen Eindrücke, die auf der Webseite erweckt werden, muss man aber anerkennen, dass dennoch viele Informationen dort zu finden sind.
Ich bin gespannt, wie meine Teilnehmerin darauf reagieren wird, wenn ich die Nachteile verdeutliche. Ganz klar kann ich aber nicht ohne Einschränkung die Nutzung empfehlen, ohne auf die Unterschiede hinzuweisen.
Falls noch jemand die App nutzt, freue ich mich natürlich über Erfahrungsberichte.
