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Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16:30)
BeitragVerfasst: 15. Dezember 2017 18:22 
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Fingerwundschreiberin

Registriert: 24. März 2011 21:55
Beiträge: 984
Wohnort: Südlich des Weißwurstäquators
NFP seit: länger als die Pille \o/
Hallo! *winke*

Am kommenden Sonntag, 17.12.2017, um 16:30 Uhr läuft in der Sendung "Wissenschaft im Brennpunkt" im Deutschlandfunk der Beitrag:

Der verkehrte Weg ins Leben: Die Geburtshilfe braucht neue Antworten

Zitat:
Wehentropf, Rückenmarksnarkose, Kaiserschnitt - fast keine Geburt läuft heute mehr ohne Eingriffe ab. Diese Interventionskaskaden führen aber nicht zu gesünderen Kindern oder Müttern. Im Gegenteil.

Von Eva Schindele


Nachdem im DLF bereits vor kurzem eine Sendung zur Hebammen-Unterversorgung lief, finde ich es sehr erfreulich, dass sich der Sender dem Thema noch in weiteren Aspekten widmet *sonne*

_________________
Happiness in intelligent people is the rarest thing I know. (Ernest Hemingway)


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 15. Dezember 2017 20:45 
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Moderatorin

Registriert: 14. Oktober 2008 00:39
Beiträge: 26849
Wohnort: mind palace
NFP seit: Oktober 2008
Puh, ich weiß nicht, so gut ich es finde, diese Themen aufzugreifen, das klingt irgendwie Recht ... hm, weiß nicht, nicht neutral? Wertend?
Also zumindest Überschrift und teaser.

_________________
Wir befinden uns im Jahr 50 nach der Pille. Ganz Deutschland ist von hormoneller Verhütung besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Frauen bevölkertes Forum hört nicht auf, der Pille Widerstand zu leisten! Und das Leben ist nicht leicht für die hormonellen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Frauenarztum, Hebammum und Apothekum liegen...
Happy endings don’t exist, but here’s a pearl you may have missed: Every day can be a happy beginning.


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 11:18 
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NFP-Gräfin

Registriert: 3. November 2006 18:46
Beiträge: 3520
Danke, da werde ich reinhören. DLF macht sehr oft interessante Beiträge.


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 11:28 
Klingt für mich auch wertend. Ich mein: "Der verkehrte Weg ins Leben"? Echt jetzt? Setzt der ganzen KS-Hetze mMn noch die Krone auf … Ich werd's mir nicht antun :-(


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 12:21 
Naja, das ist eine Sendung aus der wissenschaftlichen Reihe.
Ich empfinde daran mal nix als Hetze, und gehe auch nicht primär davon aus, dass DLF das so meint.

Wenn ich dran denke werde ich es mir anhören.


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 12:52 
Ich finde leider nicht, dass Titel und Teaser wohl gemeinte Wissenschaft und Seriosität unterstreichen. Mag sein, dass es Banane von mir ist, mich an einem Titel und einem Teaser "aufzuhängen", aber es ist halt auch statistisch einfach nicht korrekt, dass bspw. "fast keine Geburt […] heute mehr ohne Eingriffe ab[läuft]". Siehe u.a. hier: Statistik "Anzahlt von Kaiserschnitten und Geburten insgesamt in Deutschland in den Jahren 2004 bis 2016". Daraus geht hervor, wie viele Frauen (von Tausend) im KH entbunden haben, wie viele Kinder im KH geboren wurden und wie viele KS es gegeben hat. Das entspricht bei Weitem nicht dem, was im Teaser angekündigt wird. Nicht von der Statistik sind die Geburten erfasst, die auch im KH interventionsfrei verliefen. Die gibt es ja auch.
Nicht falsch verstehen: Auch ich sehe die Abschaffung von Geburtsstationen und die Hebammensituation mehr als kritisch. Aber die Diskussion insgesamt ist mir einfach zu emotional – und das nicht nur, weil ich bei der entsetzlich langen Knüselgeburt selbst eine PDA und schließlich einen KS hatte, sondern auch wegen solcher Beiträge. Und nur, weil sie auf DLF und unter "Wissenschaft im Brennpunkt" laufen, ist das für mich kein Qualitätskriterium, wenn die Ankündigung schon etwas anderes vermuten lässt.

Aber ich bin gespannt, was ihr berichten werdet.


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 12:55 
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Moderatorin

Registriert: 14. Oktober 2008 00:39
Beiträge: 26849
Wohnort: mind palace
NFP seit: Oktober 2008
Ich verstehe das auch nicht ganz, ist das als Dreiklang gedacht mit "Wehentropf, PDA, KS", oder ist jede Intervention für sich schon ein verkehrter Weg?

Nee, sorry, das ist mir echt zu reißerisch. Ich hoffe aber natürlich, dass der Beitrag besser ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 13:15 
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Kurven-Rätslerin

Registriert: 4. Januar 2013 15:34
Beiträge: 226
Andastra: Eingriffe sind eben auch Wehentropf, PDA, Kristellern, Saugglocke... Nicht nur Kaiserschnitte sind Eingriffe. Und weit über 90% der Geburten in Deutschland verlaufen eben MIT genau diesen Eingriffen. Im Krankenhaus sind es sogar 97%. Die WHO sieht für eine KS-Rate von jenseits der 15% keine medizinische Indikation. In ganz Deutschland gab es 2015 ganze 4 Kliniken, die es geschafft haben unter 15% zu bleiben. Bis 1988 sank die Mortalität der Mütter und Babys. Seither ist die Interventionsrate nach oben geschnellt, ohne die Mortalität weiter zu senken. Stattdessen beobachtet man eine steigende Morbidität bei Mütter UND Babys. Ein Zusammenhang zwischen Interventionen und steigender Morbidität ist daher naheliegend, nicht zuletzt dank der Erkenntnisse um die Epigenetik. Zudem gibt es eine belegbaren Zusammenhang zwischen Einleitung (meist mit Cytotec in off-label-use) und weiteren Interventionen, sowie schwerwiegenden Geburtsverläufen (denn es gibt einen guten Grund warum Cytotec nicht für Geburtseinleitungen zugelassen ist). In Frankreich wird Cytotec deswegen jetzt beispielsweise komplett vom Markt genommen, weil es zu über 90% off-label verwendet wird und Uterusrupturen signifikant häufiger nach Gabe von Cytotec auftreten.

Es ist kein großes Geheimnis, dass die Geburtshilfe in Deutschland nicht MütterBabys-zentriert ist, sondern durch fragwürdige Klinikstandards bestimmt werden, die nicht ansatzweise evidenz-basiert sind. Das kritisieren beispielsweise auch Dr. Louwen (Chefarzt der Uniklinik Frankfurt am Main) und Dr. Abou-Dakn (Chefarzt des St. Joseph Hospitals mit der größten Entbindungsstation Deutschlands).

Also ganz emotionslos: künstlich eingeleitete Wehen führen häufiger zum Einsatz weiterer Eingriffe wie PDA (weil künstlich herbeigeführte Wehen meist viel schmerzhafter empfunden werden, weil der Körper keine Zeit hat körpereigene Opiate in ausreichender Menge zu Verfügung zu stellen), zu Geburtsverläufen in die eingegriffen werden muss (weil der Stress für MutterBaby zu groß wird) da wären z.B. Wehenstürme zu nennen, Uterusrupturen, Absinken der Herztöne des Babys... Und daher ist auch die Kaiserschnittrate und die Rate der vaginalen Operationen nach Einleitung deutlich höher als nach natürlichem Geburtsbeginn. Wenn man dann noch bedenkt, dass die meisten Einleitungen ebenfalls nicht evidenz-basiert und verharmlosend gesprochen in den meisten Fällen unnötig sind, kann man schon mal auf so einen Titel kommen.

Ich persönlich finde es jedenfalls skandalös, wie die Geburtshilfe in Deutschland aussieht und wie sie den Frauen verkauft wird. Aber wenn jemand die Wahrheit ausspricht, kommt gleich der Vorwurf, dass das Thema zu emotional geführt wird. *hä* *nein* :roll:

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"Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst, ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz" Danger Dan


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 13:24 
Danke für die Zahlen, stubentiger.
So habe ich den Artikel und auch Teaser auch aufgefasst, und finde es wichtig, dass neben KS auch die anderen Interventionen angesprochen werden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 13:25 
Stubentiger, ich verstehe, was mit Eingriffen gemeint ist. Steht ja auch im Teaser. Aber hast du dir die von mir verlinkte Statistik angeschaut? Wo siehst du da "90 % der Geburten"? Ich sehe da, dass 2016 über 20 % der Geburten nicht im KH stattgefunden haben, sprich: Geburtshaus, Hausgeburten vermutlich. Diese sind also auch nicht interventionsfrei? Also, selbst, wenn nur eine Hebamme anwesend ist? Ich dachte, da gibt's keinen Tropf, keine PDA, keine Saugglocke? *hä*
Edit: Und kannst du deinen Angaben bitte Quellenangaben hinzufügen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 13:28 
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Kurven-Rätslerin

Registriert: 4. Januar 2013 15:34
Beiträge: 226
Wie kommst du auf über 20% außerklinische Entbindungen? Es sind knapp 2%

edit: die außerklinischen Entbindungen kommen doch in der Statistik nicht vor. Und was ist der Unterschied zwischen: Frauen, die im KH entbunden haben und Kinder, die im Krankenhaus geboren wurden? Ist die Different durch Mehrlingsgeburten zu erklären?

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Zuletzt geändert von stubentiger am 16. Dezember 2017 13:31, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 13:30 
Der Anteil außerklinischer Geburten beträgt in Deutschland zwischen 2 und 3 %:

http://www.berliner-hebammenverband.de/ ... eburt.html

Ich unterschreibe komplett bei Stubentiger. Die steigende Rate an Interventionen hat in den letzten Jahren nicht zu einem besseren statistischen Outcome geführt und daher darf man sich schon fragen, ob die Geburtshilfe in Deutschland wirklich immer evidenzbasiert das Wohl von Mutter und Kind im Auge hat und nicht doch auch wirtschaftliche Interessen oder rechtliche Absicherung im Fokus stehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 13:31 
Andastra, wie kommst Du denn auf 20% ausserklinische Geburten? In deinem Link geht es doch nur um KS und Krankenhausgeburten?
Quag gibt die Zahl ausserklinischer Geburten für 2015 mit 1,29% an? http://www.quag.de/quag/geburtenzahlen.htm

Die anderen waren schneller, ich lass es mal so stehen.


Zuletzt geändert von teriyake am 16. Dezember 2017 13:31, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 13:31 
Mag ein Missverständnis sein. Ich habe die Statistik so gelesen, dass von tausend Geburten knapp 800 im KH stattgefunden haben. Denkfehler.


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 Betreff des Beitrags: Re: Deutschlandfunk: Der verkehrte Weg ins Leben (17.12., 16
BeitragVerfasst: 16. Dezember 2017 13:31 
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Moderatorin

Registriert: 14. Oktober 2008 00:39
Beiträge: 26849
Wohnort: mind palace
NFP seit: Oktober 2008
Niemand streitet die Tatsachen ab, die du aufzählst. Trotzdem ist es nicht okay, einfach mal pauschal von einem"verkehrten Weg" zu sprechen, nur weil es irgendeine Intervention gab. Wie vielen Frauen hat zB gerade eine gute PDA überhaupt ein gutes Geburtserlebnis ermöglicht? Und Kaiserschnitte können Leben retten, genauso wie jede Frau dazu das Recht hat, sich für einen (primären) KS zu entscheiden, ohne sich anhören zu müssen, das sei aber ein verkehrter Weg ins Leben für das Kind gewesen.

Ich würde diese Diskussionen gerne mal führen ohne diese pauschalen Bewertungen.


Edit: da kam einiges, ich schick mal ab.

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