Andastra: Eingriffe sind eben auch Wehentropf, PDA, Kristellern, Saugglocke... Nicht nur Kaiserschnitte sind Eingriffe. Und weit über 90% der Geburten in Deutschland verlaufen eben MIT genau diesen Eingriffen. Im Krankenhaus sind es sogar 97%. Die WHO sieht für eine KS-Rate von jenseits der 15% keine medizinische Indikation. In ganz Deutschland gab es 2015 ganze 4 Kliniken, die es geschafft haben unter 15% zu bleiben. Bis 1988 sank die Mortalität der Mütter und Babys. Seither ist die Interventionsrate nach oben geschnellt, ohne die Mortalität weiter zu senken. Stattdessen beobachtet man eine steigende Morbidität bei Mütter UND Babys. Ein Zusammenhang zwischen Interventionen und steigender Morbidität ist daher naheliegend, nicht zuletzt dank der Erkenntnisse um die Epigenetik. Zudem gibt es eine belegbaren Zusammenhang zwischen Einleitung (meist mit Cytotec in off-label-use) und weiteren Interventionen, sowie schwerwiegenden Geburtsverläufen (denn es gibt einen guten Grund warum Cytotec nicht für Geburtseinleitungen zugelassen ist). In Frankreich wird Cytotec deswegen jetzt beispielsweise komplett vom Markt genommen, weil es zu über 90% off-label verwendet wird und Uterusrupturen signifikant häufiger nach Gabe von Cytotec auftreten.
Es ist kein großes Geheimnis, dass die Geburtshilfe in Deutschland nicht MütterBabys-zentriert ist, sondern durch fragwürdige Klinikstandards bestimmt werden, die nicht ansatzweise evidenz-basiert sind. Das kritisieren beispielsweise auch Dr. Louwen (Chefarzt der Uniklinik Frankfurt am Main) und Dr. Abou-Dakn (Chefarzt des St. Joseph Hospitals mit der größten Entbindungsstation Deutschlands).
Also ganz emotionslos: künstlich eingeleitete Wehen führen häufiger zum Einsatz weiterer Eingriffe wie PDA (weil künstlich herbeigeführte Wehen meist viel schmerzhafter empfunden werden, weil der Körper keine Zeit hat körpereigene Opiate in ausreichender Menge zu Verfügung zu stellen), zu Geburtsverläufen in die eingegriffen werden muss (weil der Stress für MutterBaby zu groß wird) da wären z.B. Wehenstürme zu nennen, Uterusrupturen, Absinken der Herztöne des Babys... Und daher ist auch die Kaiserschnittrate und die Rate der vaginalen Operationen nach Einleitung deutlich höher als nach natürlichem Geburtsbeginn. Wenn man dann noch bedenkt, dass die meisten Einleitungen ebenfalls nicht evidenz-basiert und verharmlosend gesprochen in den meisten Fällen unnötig sind, kann man schon mal auf so einen Titel kommen.
Ich persönlich finde es jedenfalls skandalös, wie die Geburtshilfe in Deutschland aussieht und wie sie den Frauen verkauft wird. Aber wenn jemand die Wahrheit ausspricht, kommt gleich der Vorwurf, dass das Thema zu emotional geführt wird.
