iButton (Endotherm), Ovularing und jetzt trackle: all diese Systeme basieren auf der Annahme, dass die echte Basaltemperatur der Aufwachtemperatur in irgendeiner Weise überlegen ist. Über die wissenschaftlichen Hintergründe hört man von den groß werbetrommelrührenden Startups leider gar nichts. Dadurch wird auch nicht klar, unter welchen Bedingungen die echte Basaltemperatur tatsächlich Vorteile bergen könnte.
Von der Firma Endotherm, die auch in der klinischen Forschung auf dem Gebiet der menschllichen Körpertemperatur involviert ist, kommt hingegen die Aussage, dass bei sehr exotischen Schlafmustern die Aufwachtemperatur günstiger sein könnte. Die Aussage hat mich zunächst die Stirn runzeln lassen, danach habe ich sie vergessen.
Nachdem sie mir neulich wieder eingefallen ist, war ich doch neugierig genug um auf die Schultern von Riesen zu klettern (=google scholar zu konsultieren) und habe mich nach passenden Veröffentlichungen zum Thema umgeschaut.
Hier die Interessantesten, die ich dazu gefunden habe:
http://jap.physiology.org/content/80/1/25.shorthttp://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1389945706006216http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/074873049701200604Auf Deutsch zusammengefasst:
Normalerweise produziert der Körper gegen Abend vermehrt Melatonin. Die Melatoninkonzentration steigt bis zu den frühen Morgenstunden an, um bis zur üblichen Aufwachzeit (und darüber hinaus) wieder abzufallen. Melatonin, künstlich verabreicht, bewirkt in der Temperaturtieflage einen weiteren Abfall der Körpertemperatur. Sogar 40% des Temperaturabfalls in der Nacht ist in der Temperaturtieflage dem natürlichen Melatonin geschuldet.
Wäre das in der Temperaturhochlage ebenfalls gegeben, hätte man mit der echten Basaltemperatur nicht viel gewonnen (steht nicht in der Studie, das Folgende sind jetzt meine Anmerkungen dazu). Man hätte dann in beiden Zyklusphasen einfach eine niedrigere Temperatur, höchstens unterschiedliche Aufwachzeiten wären weniger relevant, weil man unabhängig davon ist. Hier kommt aber der Clue: das Progesteron in der Lutealphase (aber auch künstliches Progesteron) sorgt dafür, dass sich die Körpertemperatur nicht mehr um die Melatoninkonzentration schert. Deshalb ist die Temperaturhochlage auch meistens ruhiger: unterschiedliche Melatoninkonzentrationen zur Aufwachzeit machen sich nicht mehr bemerkbar.
Durch die Ausnutzung des maximalen Melatonineffekts (=Messung der echten Basaltemperatur), kann der Unterschied zwischen den Temperaturniveaus der Hochlage/Tieflage um bis zu 40% (in der Realität werden es aber eher weniger sein, bei mir waren es ca 25%) zunehmen. Die Temperaturanstiege sind also überzeugender. Dadurch können sich kleine Störungen in der Tieflage noch im Tieflagenniveau befinden, die sonst schon darüber hinaus ragen würden.
Sicherer wird NFP damit natürlich nicht, die größte Unsicherheit kommt schließlich von der -8-Regel/5-Tage-Regel, die nicht auf aktuellen Messungen sondern auf guter Hoffnung beruht (Schleimauswertung hilft natürlich auch noch). Auch Störungen wie Alkohol, Infekte, Schlaftemperatur, Schlafqualität...können ebenso mit der echten Basaltemperatur relevant sein, auch wenn man mehr Platz nach oben hat.
Dafür kommen dann neue mögliche Fehlerquellen hinzu: z.B. muss man natürlich bei kurzem Rausnehmen und wieder Einführen des Temperatursensors noch einige darauf folgende Temperaturwerte ignorieren. Aufstehen bevor die Basaltemperatur erreicht ist muss man ebenfalls vermerken.
Genaue Beobachtung und eine Einarbeitung ist also genau so wichtig wie bei der Aufwachtemperatur (diese Infos fehlen mir bei trackle und Ovularing)! Vor allem bei Frauen mit geringen Niveauunterschieden können sich durch die Basaltemperatur aber mehr (oder überhaupt erst) "grüne" Tage ergeben.
Da meine eigenen Temperaturniveaus immer sehr ausgeprägt sind, ergab sich für mich allerdings nur der Vorteil "schönerer" Zykluskurven. Deshalb habe ich irgendwann nur noch zu einer festen Uhrzeit gemessen (mit dem für mich perfekten System würde ich aber wohl wieder umsteigen). Der Post soll also keine Werbeveranstaltung sein, sondern mein "Aha-Erlebnis" mit Euch teilen.