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Als die Pille neu war, gab es alle möglichen Vermutungen was sie anrichten könnte. Die Tendenz von Ärzten für alles die Pille verantwortlich zu machen hat sich bis heute nahezu ins Gegenteil verkehrt, wie ja auch sehr viele Leidensgeschichten hier im Forum bestätigen. Die Risiken der neueren Pillengeneration stehen leider nicht für sich. Da wird mit Zusatznutzen geworben, weniger Wassereinlagerungen, schönerer Haut usw. Die Zielgruppe ist vielfach wenig informiert oder nimmt die Risiken bewusst inkauf. Und so manche Frau nimmt die Pille auch ohne einen Partner zu haben, zur Behandlung von PCOS, zu hohem Testosteronspiegel, Hirsutismus, Endometriose, zur "Zyklusregulierung", gegen Akne, gegen PMS, gegen Hypermennorrhoe oder PMDS.
Im Gegensatz dazu ist z.B. eine Testosterongabe beim Mann schon eine andere Nummer, auch wenn dasselbe Prinzip, ein hormoneller Rückkopplungsmechanismus, zugrunde liegt, wenn man die Spermienproduktion über Testosterongaben lahmlegen will. Stichwort Hodenschrumpfung. Auch Aggressivität als NW ist keine so witzige Sache.
Es geht eben nur mit Hormonen, oder mit Eingriffen, die eine Operation, wenn auch eine kleine, erfordern. Und ja, ich sehe da auch Rollenbilder als sehr problematisch an in dieser Sache. Was ich da schon mitbekommen habe, online wie im RL, was da an Erwartungen und Ungleichheit ist beim Thema Verhütung oder auch Umgang mit ungeplanten Schwangerschaften, das ist erschreckend. Männer, die es für selbstverständlich halten, dass die Frau einen Abbruch vornehmen lässt, weil er die Schwangerschaft nicht will, Männer die erwarten, dass die Frau hormonell verhütet, weil er sich mit Alternativen nicht anfreunden kann, nicht einmal denen, die sie anwenden könnte. Männer die der Meinung sind in einer festen Beziehung hätte man ein Recht auf Sex ohne Gummi. Die stärkere soziale Ächtung von Frauen, die ihre Kinder verlassen. Wie weiter oben schon erwähnt, die Abwertung von unfruchtbaren Männern durch andere Männer. Dass eine unfruchtbare Frau keine ganze Frau ist, die abwertende Haltung mitsamt blöden Sprüchen mag es ja vielleicht hin und wieder geben, aber beim Thema Verhütung spielt das m.E. kaum eine Rolle, beim Mann hat das m.E. eine andere Qualität. Die Aufzählung überzeichnet natürlich, aber ich denke, die bestehenden Ungleichheiten werden klar.
Ist natürlich ein bisschen auch die Frage nach der Henne und dem Ei, wie soll es akzeptierter werden, wenn es nicht zugänglich ist? Aber wer soll produzieren, eigentlich lohnt sich das höchstens für Firmen, die noch nicht im Verhütungsmarkt sind, da nur ein Teil der Paare doppelt verhütet würde man sich sonst selbst die Kunden wegnehmen.
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