Matrosin hat geschrieben:
Mir wurde heute auf Facebook ein Artikel empfohlen, in dem eine neue Temperaturmethode vorgestellt wird, die auf einem ganz tollen Algorithmus basieren soll. Der Artikel ist leider auf Englisch, hier der Link:
http://www.sciencealert.com/one-of-the- ... cienceDump. Den Link zur App findet ihr hier:
https://www.naturalcycles.com/en/how.
Die Temperatur soll jeden Morgen vor dem Aufstehen gemessen werden, was also schon mal ein positiver Teil ist. Schleim oder Muttermund wird aber nicht beobachtet. Eine Studie soll eine 99,5% Sicherheit über den Verlauf eines Jahres ergeben haben - das kann ich mir nur schwer vorstellen.
Ich habe mir Matrosins Artikel mal angeschaut und die Stellen zitiert, die ich interessant finde:
Zum einen die Anwenderinnenzufriedenheit und Sicherheit:
Zitat:
Not everyone is so convinced, though. In the latest trial, more than 1,000 women dropped out and stopped using the app over the course of the year, which shows that it can be hard to maintain. And women also have to be highly motivated and organised to record their temperatures at the same time every single day.
Zitat:
But for "typical use" - where the app isn't used entirely correctly every day - it's more likely that seven out of every 100 women would experience accidental pregnancies, which is around 93 percent efficiency.
Und zum anderen beeindruckt mich der finanzielle Markt dahinter:
Zitat:
The app now has 100,000 users paying £6.99 per month, and in June, the company received US$6 million in funding.
Der Artikel erwähnt in keinem Wort, dass die Temperaturmethode schon länger bekannt ist und dass es auch schon andere seriöse Verhütungsmethoden gibt. Aber wenn eine Mit-Entdeckerin des
Higgs-Teilchens sich an eine neue Erfindung/Entdeckung macht, scheint das viel Geld in Bewegung zu setzen. Sensiplan und MyNFP sind dagegen echte Schnäppchen (aber auch deutlich weniger bekannt und weniger "cool".)
Die
zweite Studie gibt als Ergebnis:
Zitat:
The number of identified unplanned pregnancies was 143 during 2053 woman-years, giving a Pearl Index of 7.0 for typical use. Ten of the pregnancies were due to the application falsely attributing a safe day within the fertile window, producing a perfect-use Pearl Index of 0.5. Calculating the cumulative pregnancy probability by life-table analysis resulted in a pregnancy rate of 7.5% per year (95% confidence interval 5.9%, 9.1% per year).
Der Anwendungs-PI liegt also bei 7,0.
Hier ist noch die erste Studie.
SunnyFrani hat geschrieben:
Ich hab den Artikel auch gelesen und finde schon irgendwie bescheuert, wie darin ihre Ausbildung als Aushängeschild verwendet wird. Was früher die Raketenwissenschaft war, ist heute die Teilchenphysik? Ist das typisch ze.tt
(ja ich les da auch eigentlich zuviel
)? Oder macht sie das sogar selber?
Das erinnert mich an die Vorurteile, die ich auch von Physikern über Physiker kenne (ohne dass ich das der Dame unterstellen möchte): "Ein echter Physiker kann alles. Und das besser als die Wissenschaftler in anderen Bereichen."
SunnyFrani hat geschrieben:
Ich sehe da denselben Kritikpunkt wie bei fast jeder anderen App auch: da der Algorithmus nicht transparent ist, kann die Anwenderin nicht lernen und Selbständigkeit erlangen. Dieses hier fehlende Empowerment schmerzt mich förmlich. Dass es bei Pen & Paper-Sensiplan vorhanden ist, begeistert mich wiederum bis heute so sehr.
Nun, zumindest gibt sie in ihrer Studie zu, dass es da in Deutschland eine sympthothermale Methode gibt, die ein gutes, Ergebnis erzielt, sogar besser als ihre App.

(
Abschnitt DiscussionUnd zur Leier, der ZS sei schwer zu lernen: ich muss da immer an das Kapitel in NFP heute denken, Stichwort vereinfachte ZS-Beobachtung für Entwicklungsländer, und wie schnell das da die Frauen auch drauf haben.
Der Algorithmus dahinter würde mich auch sehr interessieren. Aber ich könnte mir vorstellen, dass sie die Temperatur nur als abstrakte Daten betrachtet und die Rechenmethode dahinter so komplex ist, dass man sie nicht mehr wirklich nachvollziehen kann als Mensch.