So, wie versprochen ein Bericht von der Debatte.
Die Veranstaltung fand im europäischen Parlament statt und wurde von der liberalen Fraktion ausgelegt, andere Fraktionen wie die Grünen, linken und Sozialdemokraten waren auch dabei.
Auf dem Podium sass eine Vertreterin des europäischen IPPF-Verbandes (International Planned Parenthood Federation) der ähnlich wie Profamilia für Aufklärung, Schwangerschaftsberatungen aber auch Beratungen zu Schwangerschaftsabbrüchen zuständig ist. Ist also sozusagen ein Dachverband anderer europäischer Familienplanungszentren wie Profamilia.
Zu Beginn wurde das Barometer, also der Ländervergleich präsentiert und die wichtigsten Erkenntnisse und Empfehlungen aufgezählt. Dazu gehören:
- verständliche Leitlinien für medizinisches Personal sowie für sexuelle Aufklärung sind nötig, da diese noch zu vage sind
- Beratungen und Dienstleistungen im Bereich der Familienplanung müssen vor allem in ländlichen Gegenden aufgebaut werden
- ein System für Verhütung für Frauen mit niedrigem Einkommen ist nötig, da sie eine vulnerable Gruppe darstellen und besonders unterstützt werden müssen
- ... anderes ist dem Barometer, welches ich im ersten Beitrag verlinkt habe, zu entnehmen.
Später kamen Vertreter verschiedener staatlicher Familienplanungszentren aufs Podium und haben von der Situation in ihrem Land erzählt. Einige Beispiele: So gehört Deutschland zu den wenigen Ländern, wo Verhütungsmittel für unter 20-jährige erstattet werden. Dies ist kein europäischer Standard. In Irland wurde als Fortschritt genannt, das im Fernsehen nun Werbung für Verhütungsmittel gezeigt werden darf.
Mein Eindruck war, dass es einen Konsens darüber gab, das mit modernen Verhütungsmittel nur hormonelle Mittel, Kondome und vielleicht noch die Spirale (wobei aber gesagt wurde, dass sie für junge Frauen nicht geeignet sei) gemeint waren.
Von den Podiumsreferenten wurde oft gesagt, dass die Kosten für Medikamente immer steigen, was besonders für junge und einkommensschwache Frauen zu einer Herausforderung wird. Auf meine Frage, welche Rolle natürliche Methoden - und damit meine ich nicht die Kalendermethode (habe noch den PI von sensiplan im Vergleich zur Pille genannt) - spielen, wenn es gerade um Kosten geht, wurde gar nicht eingegangen. Ich wurde eher angeguckt wie ein Auto; vielleicht wussten einige nicht mal was der Pearl-Index ist? Es wurde geantwortet, dass sich die Verbände wünschen, Empfehlungen von der Europäischen Kommission bzgl. Preis-Leistungs-Verhältnis zu bekommen, um effiziente Medikamente zu empfehlen.
Insgesamt war ich ein bisschen enttäuscht, habe mir aber wohl auch zu viel von der Veranstaltung erhofft. Schliesslich haben sie einen Ländervergleich gemacht, aber dafür fand ich es nicht sehr differenziert. Z.B. beim Thema Sexualaufklärung. In einigen Ländern ist das nicht verpflichtend, wie in Italien. Dass Italien aber die niedrigste Quote von Jugendschwangerschaften in ganz Europa hat, wird in dem Zusammenhang nicht genannt. Da ist die Darstellung "nicht vom Staat verpflichtend = schlecht". Dass es aber andere Institutionen oder soziale Kontrollsysteme gibt - wie in Italien ein stärkerer Familienverbund - die das abfangen, wurde nicht erwähnt.
Achja, und es gab natürlich zu Beginn der Veranstaltung Abtreibungsgegner im Saal, die demonstriert haben, da wohl ziemlich kontroverse Einzelheiten vom IPPF bekannt geworden sind (Verkauf von abgetrieben Fötuskörperteilen). Was da dran ist, kann ich gerade nicht einschätzen, lasse euch aber mal
einen Artikel dazu da.