In den letzten Tagen geht ja vermehrt die „1 Jahr nach Rezeptfreiheit“ Auswertung durch die Medien. Ich finde diese Grabenkämpfe zwischen Ärzten und Apothekern z.T. echt absurd. Grundlage ist, dass die Abtreibungszahlen in Deutschland seit Rezeptfreiheit der Pille danach (angeblich) wieder steigen – so die Grundaussage in verschiedenen Medien. Tatsächlich ist es so, dass im Vergleich zu 2014 im Jahr 2015 0,5 % weniger Abtreibungen stattgefunden haben. Aufgeteilt nach Quartalen haben in Q 2, 3 und 4 2015 aber mehr Abtreibungen stattgefunden verglichen mit den entsprechenden Quartalen in 2014. Die genauen Zahlen kann man beim
statistischen Bundesamt abrufen. Der Berufsverband der Frauenärzte zieht daraus den Schluss, dass durch die Rezeptfreiheit (die ja genau zu Q2 2015 erfolgte) mehr Abtreibungen stattfinden und sehen den Grund darin, dass in Apotheken nicht gut genug beraten, die Pille danach dadurch falsch angewendet wird und in der Folge mehr ungewollte Schwangerschaften entstehen.
Mir kommt das so an den Haaren herbei gezogen vor und ich verstehe die Argumentation auch voll nicht. Eine Frau geht zum Arzt, bekommt die Pille danach verschrieben und nimmt sie ein. Wenn das Zeitfenster passt (Eisprung hat noch nicht stattgefunden, GV ist noch nicht zu lange her etc.), wirkt die Pille danach, wenn nicht, dann nicht. Was ändert sich daran, wenn die Frau zur Apotheke geht und sich die Pille danach holt? Apotheker werden kaum so was sagen wie „sie haben noch eine Woche Zeit die Pille danach zu nehmen“, was dann zu Anwendungsfehlern führt, oder?
Das einzige was ich mir vorstellen könnte, ist, dass ein kompetenter FA im Zweifelsfalls die Spirale danach empfiehlt und einsetzt – aber findet das so oft statt? Kann ich mir kaum vorstellen. Mir kommt es echt so vor, als ob "die Ärzte" (die ich jetzt einfach mal so verallgemeinere) die Zahlen auf Teufel komm raus so intepretieren wollen, damit sie sagen können "Wir haben's doch gesagt: Nur wir können richtig beraten". Gnar

Einen entsprechenden Artikel dazu gibt es in der
Deutschen Apotheker Zeitung und einen
Kommentar dazu - natürlich nicht ganz unparteeisch
