Hallo Meghann,
ich wollte auf nicht so besserwisserisch daherkommen, daher hatte ich mich oben kurz gefasst. Aber Quellen, ja, jede Menge!

Es ist das Thema meiner Doktorarbeit, wenn auch eher beim Rind als beim Mensch, aber da hier auch am Menschen geforscht wird, bekommt man das natürlich mit.
Also, der Reihe nach:
Zitat:
Warum sollten eigentlich immobilisierte Spermien es bis in den Eileiter schaffen, mobile aber nur bis in den Uterus?
Nein, so meinte ich das nicht - natürlich schaffen es v.A. motile Spermien durch den Gebärmutterhals (Zervix), aber der Transport durch den Uterus bis zum Ovidukt erfolgt rein passiv durch die Kontraktion der Gebärmutter. Die Strecke wäre auch viel zu weit für ein Spermium zu schwimmen, überleg mal, wie winzig das ist! Gerade mal ca. 70 micrometer lang - also 70 Tausendstel Millimeter. Bei aller Schlagkraft des Schwanzes kommen die beim Schwimmen höchsten ein paar mm bis cm weit.
Zitat:
Und seit wann sind diese Epithelzellen für die Spermien verantwortlich? Die Flimmerhärchen im Eileiter schlagen das Ei herunter in die Gebärmutter, wie sollen dann durch die bewegungsunfähigen Spermien dort warten können?
Leider kann ich keine Bilder von unserer Arbeit hier veröffentlichen, aber schau mal hier:
http://www.izw-berlin.de/luchs/tl_files ... d%202b.jpg (darf ich das einfach so reinkopieren??)
Das ist eine Aufnahme aus dem Eileiter. Die Spermien lagern sich, sobald sie im ersten Teil des Eileiters (Isthmus) ankommen, nahezu sofort an die Zilien (das sind die "Korallenarme", die man auf dem Bild sieht) der Epithelzellen tangential an. Die Aufgaben des Spermienreservoirs sind der Erhalt der Befruchtungsfähigkeit der Spermien, bis die Eizelle reif ist und über den Fimbrientrichter (Eingang des Eileiters) in die Ampulla des Eileiters springt. Aber auch bereits eine "Vorsortierung": Spermien, die nicht "in Ordnung" sind, können nicht ans Epithel heften und werden durch die schlagenden Zilien abtransportier! (Das hast du richtig geschrieben!

). Alle anderen bleiben bis zur Hyperaktivierung (verstärkter, asymmetrischer Schwanzschlag) am Epithel haften. Hier reifen die Spermien auch noch etwas nach (Stichwort Kapazitation, Oberflächenproteine...). Wenn die Eizelle in den Eileiter eintritt, reißen sich die Spermien quasi los und schwimmen - entgegen dem Strom! - die letzten mm bis zur Eizelle. Hier brauchen sie ihre Motilität dann.
Zitat:
Meines Wissens nach gibt es keine Krypten im Eileiter.
Naja, das Eileiterepithel hat schon sehr hohe Schleimhautfalten, es gibt quasi fast kein Lumen, also es sieht eher aus wie ein zugestopfter Strohhalm. Schau mal z.B. hier:
http://www.google.de/imgres?imgurl=http ... CEQQrQMwDA (wiederum, darf ich das? Ansonsten Bilder Google "Epithel Eileiter".
Das ist direkt der Eingang des Eileiters, da müssen die Spermien durch! Und es ist zudem voller Schleim. Manchmal wunder ich mich, wie die das überhaupt schaffen...

Zitat:
Die fünf Tage Überlebenszeit werden zudem bei gutem, dass heißt alkalischem Schleim angenommen, nicht bei saurem, unfruchtbaren.
Das vaginale Milieu trägt nur bedingt zu einem Ableben / länger leben der Spermien bei, da sie ja auch durch das Seminalplasma in der Scheide geschützt sind. Aber dazu kenne ich gerade keine exakte Untersuchung, obwohl sich das vaginale Milieu (sprich, Zervixschleim!) ja in seinen Eigenschaften (inkl. pH) während des Zyklus schon verändert. Allerdings beziehen sich die 5 Tage Überlebenszeit eben auf das Spermienreservoir, nur hier können Spermien (rein theoretisch) überhaupt so lange aushalten.
Zur Dauer des Spermienreservoirs gibt es beim Menschen bisher keine Untersuchungen. Wie denn? Man hat eben keine Präparate wie bei Schlachtkühen oder so, wo man direkt rein sehen könnte. Und welche Frau lässt sich nur für die Wissenschaft ein Stück Eileiter entnehmen? Daher kann man nur von Untersuchungen ausgehen, die ein Datum von GV und Eisprung sicher feststellen konnten. D.h. GV war am Tag X, Eisprung am Tag Y, Frau ist schwanger, müssen es die Spermien also geschafft haben. Aber direkt untersucht ist es, aus o.g. Gründen, nicht!
Ich hoffe, so ist das etwas verständlicher. Beim Menschen weiß ich eben auch nicht alles zum Thema, da meine Baustelle wie gesagt eher Kühe sind. Aber im Prinzip funktioniert es ähnlich, und alles, was ich oben geschrieben habe, ist in zahllosen wissenschaftlichen Arbeiten der letzten 50 Jahre untersucht worden.
LG! :)