AkZee hat geschrieben:
Soweit ich das hier mitbekommen habe, ist es ja sogar recht häufig so, dass die eigentlichen NWs erst nach 1-2 Jahren Einnahme auftauchen. Eine dann verschriebene andere Pille bringt oft erstmal Besserung, bis es nach einem längeren Zeitraum dann doch wieder abwärts geht.
Wie genau sind denn die Studien zu Pillen NWs ausgelegt? Welchen Zeitraum prüfen die? Was genau wird da überhaupt geprüft?
Stimmungsveränderungen, Lustlosigkeit und Co, das halte ich für extrem schwierige Symptome um sie als NW eines Medikaments nachzuweißen. Auch wenn viele hier es beschwören würden.
Gerade wenn es um langsam erwachsen werdende Mädchen geht, dann sind Stimmungsschwankungen, Wesensänderungen und Körperveränderungen (z.B. Gewichtszunahme) ja nun wirklich nichts besonderes. Und Lustlosigkeit entgegen einer früheren totalen LO-Phase ist in einer länger andauernden Beziehungen auch vollkommen normal. Ich z.B. habe, ohne jemals die Pille genommen zu haben, auch all diese "Symptome" gehabt.
Und nur weil sich so manches zum besseren verändert, wenn man die Pille absetzt, ist das noch lange kein Beweis. Vor allem dann nicht, wenn es nach dem Absetzen noch eine Weile dauert bis die Besserung eintritt. Vom Placebo-Effekt mal ganz zu schweigen.
Einen Beweis hätte man vielleicht dann, wenn nachweißlich alle (alle!) anderen Parameter gleich blieben und idealerweiße in einer On-Off-Einnahme ein direkter Zusammenhang zwischen Symptom und Pilleneinnahme nachgewiesen werden könnte. Aber das ist fast unmöglich.
Es gibt tatsächlich da einige methodische Schwierigkeiten. Eigentlich sollten neue Medikamente
randomisiert (Versuchspersonen werden zufällig verschiedenen Bedinungen zugewiesen) und
doppelblind (weder Ärztin noch Teilnehmerin wissen, ob ein Placebo oder das echte Medikament genommen wird) getestet werden. Alle Frauen müssten also zusätzlich mechanisch verhüten. Die klinische Wirksamkeit kann man so aber nicht erfassen. Um ein umfassendes Bild über die Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmittel zu erhalten, müsste die Studie außerdem mehrere Jahre laufen. Außerdem ist Verhütung und die Frage, ob man ein Kind kriegen möchte etwas so persönliches, dass es wahrscheinlich 1. schwierig und teuer ist, Versuchspersonen zu finden, die das über Jahre mitmachen und 2. möglicherweise die Ethikkomission die Zustimmung verweigert.
So eine Studie wäre also langwierig, teuer und kompliziert. So lange da niemand zu gezwungen wird, wird das auch keiner durchführen (würde ich als Pharmafirma auch nicht machen)
Das normale Vorgehen ist, Probandinnen anzuwerben, die gegen eine Aufwandsentschädigung für 6 Monate mit einem neuen Präparat verhüten und dann alle Nebenwirkungen angeben, die sie an sich bemerkt haben. Ich halte das bei der Erfassung von Nebenwirkungen für sehr ineefektiv, wenn nicht gar fahrlässig.
Samson hat geschrieben:
Aber so wie der Placeboeffekt eine Rolle spielt tut es auch der Noceboeffekt. (Neulich wurde bei uns gerade dies besprochen...häufig ist es "schlecht" den Patienten gleich die NW mitzusagen, weil sie das Medikament dann nicht nehmen wollen und sich die NW gleich von Anfang an "einbilden". )
Bevor mich jetzt wieder jemand falsch versteht..siehe Anführungszeichen - sind Worte jetzt einfach formuliert.
Für mich war das ein ausschlaggebender Grund, nicht die Pille zu nehmen. Nachdem ich die Packungsbeilage gelesen hatte, wusste ich dass ich mir die Nebenwirkungen, wenn sie nicht von selbst auftreten, auf jeden Fall einbilden werde. Und das ist erwiesenermaßen genau so schlimm
Bei einem Medikament, wo man die
Wahl hat, es zu nehmen oder auch nicht (=Pille) finde ich das aber richtig und wichtig.