Wir haben es nicht zu ausführlich geschrieben, damit er es auch liest.
mein Mann hat geschrieben:
mit einigem Erstaunen habe ich vor Kurzem Ihr Interview zum Thema Sexuelle Verhütung in der Radiosendung "Sprechstunde" des Deutschlandfunks verfolgt.
Dabei fiel mir und anderen Hörern Ihr offensichtlich unvollständiges Wissen über den weiblichen Zyklus auf, besonders deutlich sichtbar an Ihren Aussagen zur Natürlichen Familienplanung, die Sie offenbar mit antiquitierten Verhütungsmethoden wie der Knaus-Ogino-Methode verwechseln. Diese ist selbstverständlich keine verlässliche Methode zur Empfängnisverhütung, während die moderne Natürliche Familienplanung (Symptothermale Methode/Sensiplan) immerhin eine Methodensicherheit von 0,4 PI erreicht und damit durchaus der Hormonpille Konkurrenz macht. Im Gegensatz dazu wurden von Ihnen Nebenwirkungen der Hormonpille, insbesondere nach Langzeiteinnahme, undifferenziert dargestellt, z.B. bezüglich der Rückkehr zur Fruchtbarkeit nach Pilleneinnahme. Auch die Funktionsweise der Pille wurde unklar dargestellt (Findet tatsächlich unter Pilleneinnahme in der Zyklusmitte ein Eisprung statt? Führt die Pillenpause tatsächlich zu einer Menstruation im eigentlichen Sinne?) Angesichts Ihrer herausragenden Positionen in mehreren wissenschaftlichen Vereinigungen, als Hochschuldozent und Direktor einer Frauenklinik hätte ich mir gerade von Ihnen eine differenziertere Darstellung der verschiedenen Verhütungsmethoden gewünscht.
Um Ihr Wissen aufzufrischen, empfehle ich Ihnen daher das Standardwerk über die moderne Natürliche Familienplanung zur Lektüre, in dem der aktuelle Wissenstand über den weiblichen Zyklus hervorragend und umfassend dargestellt wird:
Raith-Paula, E., Frank-Herrmann, P., Freundl, G. und Strowitzki, T., 2013. Natürliche Familienplanung heute. Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung. Springer, Berlin.
Die Basis Ihrer Arbeit als Mediziner, Dozent und Forscher ist die Kenntnis des aktuellen Forschungstandes über die physiologischen Vorgänge im weiblichen Körper. Auch angesichts der Verantwortung, die Sie für die wissenschaftliche Ausbildung Ihrer Studenten und Doktoranden tragen, hoffe ich, dass Sie sich meine Kritik zu Herzen nehmen.
Mit freundlichen Grüßen,
Darf gerne verwendet werden.