FFM hat geschrieben:
Finde ich auch nicht unbedingt, schließlich lässt sich ein Grad der Übereinstimmung von Mustern auch rechnerisch ermitteln, wenn auch nicht so einfach wie mit statistischen Formeln und eher nur mit Hilfe vorprogrammierter Scripte. Auch da kann durchaus etwas fundierteres rauskommen als ein diffuses "sieht irgendwie anders aus".
Hierzu kann ich was beitragen. Ich habe mal einen Artikel über menschliche Intuition gelesen. Und darin stand, dass die von uns als so unklar und schwammig angesehene "Intuition" eigentlich eine Fähigkeit des Menschen ist, hochkomplexe, nicht bewusst gespeicherte Erinnerungen in Einklang miteinander zu bringen, binnen Sekunden zu analysieren und darauf basierend Entscheidungen zu treffen.
Tausende von Erinnerungsfetzen, auf die wir über die bewusste Erinnerung gar keinen Zugang haben, können wir da irrsinnig schnell verarbeiten, so dass sie in uns ein Kribbeln im Bauch hervorrufen können - so pickt z. B. der erfahrene Drogenfahnder scheinbar willkürlich einen Menschen aus der Masse am Flughafen und genau dieser Mensch schmuggelt tatsächlich Heroin. Der Fahnder kann keine Besonderheit dieser Person bewusst benennen, es war vielleicht ein kurzes Zucken des Mundwinkels oder auf eine bestimmte Weise angespannte Schultern - ein Bild der gleichen Geste war nur im Unterbewusstsein des Fahnders, aber das, was man Intuition nennt, konnte dieses Bild aus tausend (wenn's reicht) Bildern zum richtigen Zeitpunkt rauskramen, zuordnen und den Adrenalinspiegel aktivieren.
Letztlich bedeutet das, dass Intuition viel weniger "wischi-waschi" ist, als gemeinhin vermutet wird, auf mehr Fakten basiert und auch mehr "kann" als man denkt. Auch gute Computer tun sich heute noch schwer diese Menge an Daten zu verarbeiten, allein müsste ein solcher Computer schon mal wirklich alles abspeichern und dann für jede Frau individuell ein Muster entwickeln, nach dem er "normales" von "merkwürdigem" unterscheidet, er müsste ein Messgerät für genaue Farbe, Viskosität, Menge des Schleims enthalten, sonstige Bioparameter (kränkelt sie gerade) komplett überwachen oder die Frau wäre stundenlang damit beschäftigt, das alles haargenau in den Computer einzugeben - denn sonst verfügt er einfach nicht über die Datenbasis, so etwas zu entscheiden.
Nein, so weit sind Computer noch lange nicht. Ich arbeite in einem Bereich wo noch relativ wenig komplexe Daten (die großen Tabellen haben ein paar Millionen Datensätze à 10 Spalten) zu Statistiken verarbeitet werden und auch manche eher simplere Anfragen dauern ein paar Minuten. Manche (automatisierte!) Dinge laufen über Nacht und wir bekommen oft Anfragen, ob man das nicht mal eben noch mal laufen lassen könne, weil das gar nicht in die Köpfe der Leute geht, dass eine solche Verarbeitung von Daten so lange dauert. Hätte unsere Datenbank Bilder bzw. kleine Videoclips spezifischer und unspezifischer Gesten gespeichert und müsste die alle mit einer gegebenen Situation vergleichen (auf Gleichheit der Geste, nicht Identität des Abgebildeten!), er würde sicherlich Tage brauchen, wenn er es überhaupt schaffte.
Unsere Computer, auch die Großrechner, leisten lange nicht das, was die Intuition kann, sie sind nicht lernfähig, nicht intelligent. Von künstlicher Intelligenz spricht man schon seit meiner Kindheit, aber großartig weitergekommen ist man in den letzten 20 Jahren nicht.
Als neue NFPlerinnen bzw. Pillenschluckende und den Zyklus mehr als alles andere als "Störfaktor" wahrnehmende Frauen fällt es uns schwer, an diese Intuition zu glauben. Aber ich bin ziemlich überzeugt, dass sie sich auch in der NFP als erfolgreicher herausgestellt hat als jeder Computeralgorithmus und deshalb bei Sensiplan auch bewusst auf das absolute Festschreiben von mehr als den Basisregeln verzichtet wird.
Wer mit NFP anfängt,
kann keine Intuition für seine Zyklen haben, da Intuition nur dann überhaupt existieren kann, wo man Erfahrung hat. Und wer es stets vermieden hat, Zervixschleim (falls unter hormonellen Methoden überhaupt vorhanden) zu betrachten oder gar zu befühlen, hat diesen Erfahrungsschatz nicht. Aber nach nur wenigen Zyklen hat eine Frau, die mit etwas Begeisterung NFP macht, einen weiteren und - was auch ein Vorteil sein kann - personalisierten Erfahrungsschatz, von dem sie mittels Intuition Gebrauch machen kann und der ist nützlicher als jede noch so reichhaltige Computerdatenbank. Weil er beinhaltet, wie sich der Zervixschleim
anfühlt, zu welcher Tageszeit man sich normalerweise feucht fühlt, vielleicht Faktoren wie den eigenen Körpergeruch, Stimmungsveränderungen um bestimmte Zeiten im Zyklus... Es wäre, wie schon gesagt viel zu mühsam, das alles für einen Computer zu protokollieren, oder sollte das alles gemessen werden, müsste man wie in der Intensivstation verkabelt sein. Unser Unterbewusstsein speichert das aber alles und ziemlich akurat ab. Auch wenn wir oft nicht ganz bewusst auf diese Fakten zugreifen können. Mittels Intuition aber schon. Wenn ich mit meinen 8 Jahren NFP-Erfahrung sage: "Ich habe das Gefühl, das war kein Eisprung", dann ist das eigentlich kein Gefühl, auch wenn es nach außen und sogar mir selbst gegenüber diffus wirkt - dem liegen 1000 Fakten zugrunde, so wenig ich sie auch benennen kann. Aber als ich vor 8 Jahren damit anging, hätte ich mir das auch nie zugetraut und viel eher einem Ladycomp. Das ist ja das Problem.
Intuition wird wirklich sehr unterschätzt, Computer werden überschätzt. Ich bin vom Mooreschen Gesetz überzeugt, aber ich habe auch gesehen, wie schlecht das ohnehin schon noch begrenzte Potential von Computertechnogie ausgeschöpft wird (in der wirtschaftlichen Praxis - Payback sammelt solche irrsinnigen Mengen an Daten und sie schicken mir immer noch keinen Coupon genau dann, wenn die Windeln leer sind. Technisch theoretisch bereits machbar, aber immer noch nicht ausreichend wirtschaftlich). Bis es Computer gibt, die genauer als wir selbst sagen können ob wir einen Eisprung hatten oder nur erkältet sind, wird noch viel Zeit und viel Verdopplung von Computerkapazität ins Land gehen.
Liebe Grüße,
Pingu