Ich komme auch mal hier rüber, das Thema beschäftigt mich immer wieder sehr. Mein Problem ist, dass ich die Beschneidung objektiv sehr wohl für Körperverletzung halte und insbesondere auch keinerlei medizinische Gründe für eine prophylaktische Circumcision der männlichen Vorhaut sprechen. Ich tue mich als gläubige Christin vielmehr schwer mit dem religiösen Hintergrund der Sache - aber das ist vielleicht eher ein Thema für den Christinnen-Thread.
Dennoch möchte ich ein paar Infos hier lassen - beim Überfliegen von ein paar der vergangenen Seiten ist mir vor allem aufgefallen, dass die Funktion der Vorhaut vielen nicht ganz klar zu sein scheint. Sie ist aber definitiv mehr als nur ein Stückchen Haut auf die "Mann" problemlos verzichten könnte. Eher wie die Mandeln, der Blinddarm oder die Milz: der Mensch kann auch ohne überleben, aber das Vorhandensein hat deutliche Vorteile (was für mich bedeutet, dass sich die Natur bzw. meines Glaubens nach Gott sehr wohl etwas dabei gedacht hat).
Hier ist ein meiner Meinung nach sehr informativer Beitrag über das Thema, der auch die physiologische und sexuelle Funktion der Vorhaut erklärt und des Weiteren den Aspekt des angeblichen hygienischen Nutzens einer Beschneidung beleuchtet.
Ich fasse die wichtigsten Punkte mal kurz zusammen:
4.2.2
Mechanische und Immunologische Schutzfunktion - Die Vorhaut schützt die Eichel vor mechanischer Belastung, Schmutz und Keimen; ebenso den Harnröhreneingang. Zwischen Vorhaut und Eichel befindet sich eine Schleimhaut mit bakterieller Flora, ähnlich der in der weiblichen Vagina. Was ich wichtig finde:
ohne Vorhaut verhornt die Haut der Eichel, wird also unempfindlicher!
4.2.3
Sexuelle Funktion - mechanisch und sensorisch. Mechanisch sorgt die Vorhaut für besseres Gleiten bei der Penetration. Was die Sensorik betrifft, möchte ich komplett zitieren: "Im Gegensatz zur Glans penis, welche durch freie Nervenendigungen und einiger Ruffini-Endigungen fast nur zur Wahrnehmung von Schmerzreizen fähig ist, enthält die Vorhaut zusätzlich Mechanorezeptoren [...], die für eine hoch auflösende Oberflächensensibilität sorgen. [...] Die Gewebestellen, deren Nervenenden am empfindlichsten auf leichte Berührungsreize reagieren, befinden sich -völlig ausnahmslos- auf der Vorhaut." Die
Vorhaut ist also das sensibelste Teil der männlichen Geschlechtsorgane - wie die Klitoris/deren Vorhaut ein Lustorgan!
6.1 Hygiene - insbesondere in der Windelzeit treten deutlich mehr Entzündungen und Infektionen der beteiligten organischen Strukturen auf.
6.2 Harnwegsinfekte - treten nicht seltener auf; Beschneidung hat keinen prophylaktischen Effekt, in manchen Studien ist das Risiko sogar erhöht.
6.3 Sexuell übertragbare Krankheiten - es kann kein Zusammenhang zur Beschneidung erkannt werden, weder ein höheres noch ein niedrigeres Risiko. Bezüglich HIV wird diskutiert, dass in Zellen der Vorhaut ein Stoff produziert wird, der das HI-Virus ausschalten kann. Durch Epithelrisse wegen mangelnder Gleitfähigkeit ist die Infektionsgefahr bei Beschnittenen eventuell höher.
6.4 Krebsrisiko - sowohl für die Beschnittenen als auch für deren Partnerinnen verringert sich das Risiko für Krebs im Genitalbereich nicht, vielmehr scheint das Risiko für HPV-Infektionen sogar erhöht.
8. Anatomische Folgen - die Eichelhaut verhornt, zusätzlich zum Fehlen des sensibelsten Teils wird sie also zunehmend unempfindlicher. Die Harnröhrenöffnung ist ebenfalls einer höheren Belastung ausgesetzt.
9. Sexuelle Auswirkungen -
die fünf sensibelsten Stellen des männlichen Genitals sind irreversibel entfernt, der Rest wird zunehmend unempfindlicher, das Gleiten wird erschwert, im Erwachsenenalter beschnittene berichten von spürbarem Sensibilitätsverlust, Männer kommen langsamer zur Orgasmus, mehr Gleitmittel wird benötigt, die Partnerinnen berichten tw. über unangenehm gesteigerte Reibung, Masturbation wird erschwert,...
Quelle: DocCheck Flexikon - ZirkumzisionIch hoffe die Infos sind auch für andere interessant. Im Prinzip ist die männliche Beschneidung auch unter hygienischen Bedingungen und mit guter Wundheilung genauso schlimm wie die weibliche Genitalverstümmelung.