Also zumindest wenn man nach den Werten zu Methodensicherheit und Anwendersicherheit in der englischen Wikipedia geht, ist es ziemlich bescheuert LAM als unsichere Methode hinzustellen. Innerhalb der ersten 6 Monate liegt sogar die
Anwendersicherheit bei 2. Die Anwendung danach oder wenn offensichtlich Regeln nicht erfüllt sind ist natürlich unsicherer bis hin zu völlig unbrauchbar.
LAM Regeln
QuelleZitat:
1. Bei der Mutter ist noch keine Menstruationsblutung (Blutung aus der Scheide ab dem 56. Tag nach der Geburt) aufgetreten.
2. Das Baby wurde seit dessen Geburt ohne Unterbrechung nach Bedarf und auch nachts vollgestillt. (mindestens alle 6 Stunden und 6 mal pro Tag, Anmerkung von mir)
3. Das Baby ist nicht älter als 6 Monate.
Wenn alle drei Kriterien erfüllt sind, besteht ein Empfängnisschutz von 98-99%. Dieser entspricht durchaus der Sicherheit moderner Verhütungsmittel. Ist jedoch eines der drei Kriterien nicht (mehr) erfüllt, ist für eine sichere Verhütung eine weitere Methode erforderlich.
Die empfängnisverhütende Wirkung von Stillen wurde in verschiedenen Entwicklungsländern auch für neun und zwölf Monate getestet. Es führte auch dort zu einer deutlichen Reduktion der Schwangerschaftsraten, aber mit einer wesentlich geringeren Sicherheit.
Vollstillen im Sinne der LAM:
Zitat:
bedeutet: keine Flüssigkeit oder Nahrung außer der Muttermilch, 1. Monat 30ml Zufüttern/Woche, 2. Monat 60ml/Woche. Abgepumpte Milch zählt als Zufüttern
QuelleIch denke ein häufiger Fehler ist, wenn zu viel abgepumpte Milch gefüttert wird. Das ist einem nicht unbedingt klar, dass das für die LAM auch als Zufüttern gilt und nur sehr eingeschränkt möglich ist, damit die Methode funktioniert. Reines abpumpen oder teilstillen, oder zu große Abstände zwischen den Stillmahlzeiten bietet auch keinen ausreichenden Schutz und erfüllt auch nicht die Regeln der Methode.
Mit dem Stillen, im Sinne der LAM, sicher verhüten geht und schlägt sogar die Sicherheit der Pille, aber NUR wenn alle Regeln erfüllt sind. Und genau das ist der Knackpunkt, bei dem die Berichterstattung ständig scheitert und entweder Stillen an sich (ohne Regeln) als Verhütungsmethode angeführt wird oder es heißt Stillen wäre für diesen Zweck völlig unbrauchbar.
Das sind beides unqualifizierte Aussagen. Stillen ist keine Verhütungsmethode (obwohl der EIsprung ausbleiben kann) LAM ist eine.
Ähnliche Ungenauigkeiten verunglimpfen auch NFP (wenn die symptothermale Methode gemeint ist) ständig, da sie mit Knaus-Ogino, Standard Days oder sogar "während einer Blutung und in der Woche davor kann man nicht schwanger werden" in einen Topf geworfen wird. Wer sich damit beschäftigt hat weiß, dass jede natürliche Methode eine eigene Sicherheit hat.Manche Methoden sind sicher genug, andere nicht. Manche wurden nur entwickelt um Verhütung in Entwicklungs- und Schwellenländern überhaupt zugänglich und bezahlbar zu machen und erfüllen unsere Sicherheitsansprüche nicht. Einige deutsche Fachgesellschaften schätzen die STM, aber auch ausschließlich diese, als ausreichend sicher ein für den europäischen Raum bzw. auch Frauen, die aufgrund von Erkankungen sicher verhüten müssen.
Sogar die deutsche Arzneimittelbehörde empfiehlt die symtothermale Methode für chronisch kranke Frauen, allerdings nur Sensiplan oder die NER nach Rötzer, keine anderen STM Varianten.
Es ist leider doch einiges das man an Hintergrundwissen bräuchte für diese Methoden, wenn da vereinfacht wird muss man ja schon fast froh sein, wenn die Methode als unsicher hingestellt wird. Das passt mir zwar überhaupt nicht, ist mir aber lieber als wenn Leute unsichere natürliche Methoden nutzen, weil sie denken diese wären sicher.
Für eine ordentliche Aufklärung darüber müsste man sich ja Mühe geben.

Nettes Beispiel auch der Coitus interruptus: Ständig liest man irgendwo das würde gar nicht funktionieren, dabei funktioniert das schon, nur nicht so gut, wie man es gerne hätte. Wenn bis zu einem Fünftel der Anwenderinnen jedes Jahr schwanger werden ist eine Wirksamkeit ja offensichtlich vorhanden, aber eben keine ausreichende. Und solchen Fällen wird leider gerne vereinfacht.
@ daiquiri
Was hat die Hebamme denn zu dir gesagt?