Achtung lang
@ Undomiel
Wenn die Bewertung der Pillen nicht immer noch darauf hinaus laufen würde, dass der Nutzen das Risiko überwiegt, wären sie nicht mehr erhältlich. Neben den Todesfällen gibt es allerdings auch Thrombosen/Embolien die "nur" schwere Schäden hinterlassen. Natürlich ist die Zahl auf die Gesamtheit der Anwender sehr gering. Aber die, die es trifft, trifft es oft sehr hart. Die Tatsache, dass man an diesem Verhütungsmittel sterben
könnte, oder es generell schwerwiegende Nebenwirkungen haben kann, ist viel zu sehr raus aus den Köpfen der Anwenderinnen und teilweise auch der Verordner, obwohl die Zahlen bekannt sein sollten und zugänglich sind.
Es gibt ja wirklich genug Ärzte die der Meinung sind, dass es für jede Frau das richtige Hormonpräparat gibt und sei es eine östrogenfreie Pille, bei entsprechenden Vorerkrankungen. (Thrombosen sind auch nicht das einzige relevante Risiko)
Dabei gibt es eine breite Palette an möglichen Verhütungsmethoden.
Mit Viagra kannst du die Pille gar nicht vergleichen. Bei illegaler Beschaffung und/oder wenn die behandelenden Ärzten (man hat oft mehrere) nicht über die Anwendung informiert werden und andere Medikamente verordnet werden, kann es zu schweren Wechselwirkungen mit Nitraten kommen. Es kann dann zu sehr starken Blutdruckabsenkungen kommen, dies ist die wichtigste u.U. tödlich verlaufende Wechselwirkung im Bereich des Rettungsdienstes. Es triftt aber auch auf eine Kombination von Viagra oder ähnlichen Präparaten mit Poppers zu, einer Partydorge, die nicht unter das Betäubumgsmittelgesetz fällt. Auch da kann es zu lebensbedrohlichen Blutdruckabsenkungen kommen.
Bei Anwendung unter Beachtung der Kontraindikationen und möglicherweise schwerwiegenden Wechselwirkungen gelten die Präpareta als sicher. Es ist außerdem umstritten, ob es überhaupt Todesfälle gibt. Es gibt Verdachtsfälle, die aber vom Bundesministerium für Arzneimittel nicht als einddeutig gewertet werden, wobei man einen Zusammenhang nicht aussschließt. Ein zur Normalbevökerung erhöhtes Risiko durch die Anwendung gibt es weder laut deutscher, noch US-amerikanischer Arzneimittelbehörde.
Eine anders lautende Bewertung findet sich hier:
Klick Dann kommen die Risiken durch gefälschte Präparate ins Spiel, die oft zu hoch oder zu niedrig dosiert sind, oder ganz andere Inhaltsstoffe enthalten. Das kann zum Beispiel auch erst gefährlich werden, wenn dann auf das richtig dosierte echte Präparat gewechselt wird.
Grundsätzlich sind Potenzmittel anders zu bewerten als Verhütunsgmittel. Es geht um Beschwerden, die die Lebensqualität verschlechtern, aber nicht gefährlich für den Patienten sind. Die Medikamente sind in den meisten Fällen eine wirksame Therapie und sind besser verträglich als andere Maßnahmen (Pumpen, Spritzen in den Schwellkörper, einbringen eines Gels in die Harnröhre etc.) Ein Ausweichen auf Alternativen kommt deshalb meistens nur in Betracht, wenn die Tabletten nicht helfen oder nicht genommen werden dürfen. Mit der Wahlmöglichkeit sieht es also ganz anders aus als bei der Verhütung. Zumindest, wenn man die Beschwerden nicht einfach hinnehmen möchte gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten.
Schmerzmittel würde ich nicht als Lifestylmedikament ansehen. Ich gehe jetzt mal von Produkten mit Paracetamol, Ibuprofen, Deiclofenac etc. aus, nicht von anderen Medkimanten. Man HAT Beschwerden. Jeder empfindet anders und beschließt an einem anderen Punkt sie zu nehmen. Manchmal nicht nur wegen der schmerzstillenden, sondern auch der entzündungshemmenden Wirkung, je nach Präparat und Grund für die Einnahme. Natürlich können Schmerzmittel zu Todesfällen führen. (Das geschieht teilweise auch absichtlich durch Überdosierungen. ) Wenn diese Medikamente aber aus einem guten Grund angewendet werden, muss man das Risiko völlig anders bewerten. Man hat oft keine anderen Möglichkeiten. Nicht bei jedem Schmerz können Kälte oder Wärmeanwendungen, Atemtechniken und ähnliches ausreichend helfen. Schmerzen können einen sehr beeinträchtigen. Da sieht das Nutzen/Risikoverhältnis meiner Meinung nach auch anders aus.
Verhüten kann man auch mit zig anderen Methoden als der Pille oder anderen hormonellen Mitteln. Wenn Schmerzmittel nötig sind, kann man sie nur möglichst gut auf die Vorerkrankungen abstimmen und sie vernünftig einsetzen. Es gibt viele verschiedene Wirkstoffe und falls man nicht gerade von Freunden oder Kollegen, bei Kopf oder Regelschmerzen oft der Fall, das Schmerzmittel bekommt hat man immer Kontakt zu fachpersonal, dass Gegenanzeigen abfragen müsste.
Ich gebe niemandem ein Schmerzmittel ohne solche Risikofaktoren abzufragen. Auch wenn mir die alte Packung hingelegt wird.
Bei der Pille sieht es ja nochmal anders aus. Woher soll man wissen, ob sich im Bereich der Kontraindikationen etwas geändert hat? Fragt der Arzt das noch ab, wenn die Frau das Präparat schon seit 10 Jahren nimmt? Andere Heilberufler sind sehr eingeschränkt darin dem Kunden/Patienten gegenüber Behandlungen durch den Arzt zu hinterfragen, sondern angehalten das direkt mit dem Arzt zu klären, wenn es Unstimmungkeiten gibt oder Probleme auftauchen. Wenn es um verschiedene Ärzte geht, ist das ebenfalls die gängige Praxis und alles andere auch rechtlich sehr schwierig.
Im Alltag erlebe ich das auch, dass die Kunden von sich aus nachfragen ob sie bei Erkrankung X ein bestimmtes Schmerzmittel nehmen dürfen. Bei der Pille sind solche Fragen äußerst selten. Dabei ist die Pille (alle Präparate zusammengefasst) das am meisten genommene Medikament in Deutschland.
Ich finde den Umgang mit den Pillen-Präparaten im Alltag oft unglücklich, der Einschätzung der verschiedenen Behörden schließe ich mich aber grundsätzlich an. Das Nutzen-Risikoverhältnis hormoneller Verhütungsmethoden ist unter Beachtung von Anwendungsbeschränkungen immer noch positiv zu bewerten. Anwendungsbeschränkungen müssen abgefragt werden. Tragsiche Fälle von zum Teil erheblichen Nebenwirkungen gibt es. Das sollte einfach auch klar sein.
Man schmeißt sich kein Bonbon ein, sondern ein Medikament, dass dazu gedacht ist einen normalen, gesunden körperlichen Zustand (Fruchtbarkeit) für einen festgelegten Zeitraum auszuschalten. Mit dem Ziel, dass ungewollte Schwangerschaften verhindert werden.
Die Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft rechtfertigt unter Umständen auch ein gewisses Risiko oder Unannehmlichkeiten, das gilt für alle Methoden.Spiralen können einwachsen, oder die Gebärmutter durchstoßen, Kondome oder chemische Verhütungsmittel können allergische Reaktionen auslösen, Diaphragmen können Beschwerden im Blasenbereich fördern, Enthaltsamkeit bei natürlichen Methoden ist eine mehr oder weniger große Einschränkung. Das sind alles keine Gründe um Angst vor diesen Methoden zu haben, aber Grund genug sich zu überlegen, ob man für bestimmte Nebenwirkungen anfälliger ist als andere oder welche Nachteile einer Methode man nicht akzeptieren kann.
Die aktuelle Diskussion dreht sich allerdings hauptsächlich darum, ob bei ein und derselben Methode (tägliche Einnahme von Hormonen) ein erhöhtes Risiko gegenüber bisherigen Präparaten gerechtfertigt ist. Darüber zu diskutieren finde ich tatsächlich Sinnvoll. Insbesondere, wenn das Thema Zusatznutzen ins Spiel kommt.
Eine Pille mit einem der umstrittenen Wirstoffe ist in den USA für die Behandlung der prämenstruellen dysphorischen Störung zugelassen, also extrem starke psychische Beschwerden, die zyklusabhängig sind, nicht leichte PMS Beschwerden, wie sie sehr viele Frauen kennen. Mit diesem zusätzlich Einsatzgebiet sieht eine Bewertung evtl. anders aus, da Verhütung und Linderung von Beschwerden gleichzeitig möglich werden.
Ähnlich ist es bei Präparaten, die bei bestimmten Hormonstörungen eingesetzt werden, ebenfalls mit Zulassung für dieses Einsatzgebiet und hormonelle Verhütung.
Wenn es relevante
Beschwerden geht verändert sich auch die Bewertung.
Gutes Beispiel die Diane, die in Deutschland keine Zulassung mehr für den Zweck der Verhütung hat. Der verhütende Effekt kann aber genutzt werden, wenn eine Behandlung mit dem Medikament nötig erscheint. Hier hat man entschieden, dass ein bestimmter Effekt der Horminkombination zur Behandlung von
Beschwerden ein positives Nutzen-Risikoverhältnis aufweißt, diese Bewertung aber nicht ander aussieht, wenn es um die reine Verhütung bei gesunden Frauen geht. Für diesen Einsatz wird das potentielle Risiko als zu hoch eingeschätzt.
Bei Präparaten, die mit Zusatznutzen angepriesen werden, dafür aber (zumindest im betroffenen Land) nicht zugelassen sind, wird dieses Thema nochmal spannend. Also solche Verprechen wie tolle Haut, Gewicht besonders leicht zu halten, schwächere Blutung etc.