Hallo
Erst einmal möchte ich sagen, dass ich diesen Thread toll finde - ich habe hier schon oft Probleme erkannt, die ich vorher nie bedacht habe und einiges an Input gelesen, was mich zum Nachdenken angeregt hat
Ich finde die Verhütungskostensache sehr spannend, weil ich a) vor einigen Wochen eine lange Unterhaltung mit einer Bekannten, die Beamtin im Jugendamt ist, hatte und b) ich den Nuvaring auch abgesetzt habe, weil ich 50€ ohne Verhütungsgrund dann doch recht happig fand
Natürlich ist es einerseits toll, wenn die Verhütung gezahlt oder zumindest bezuschusst wird. Gerade für junge Mädchen ist es doch oft unangenehm, zu den Eltern zu gehen und zu sagen "Ich möchte mit meinem Freund schlafen, bitte erhöht mein Taschengeld, damit ich alles nötige kaufen kann"(Anmerkung: Bitte nehmt meine Wortwahl nicht zu ernst

). Andererseits gibt es bei solchen Leistungen, wie hier ja mehrfach gesagt wurde, keine echte Gerechtigkeit. Steht mir die Pille auch zu, wenn ich Single bin? Habe ich das Recht auf eine Spirale? Und ist einzusehen, dass manche Menschen auf Kosten der Krankenkasse 150 Kondome im Monat verbraten?

Es wäre doch toll, wenn frau das einfach ganz unabhängig von Kosten und Manipulation entscheiden könnte, aber das ist hoch kompliziert und teuer für die Krankenkassen.
Die genannte Frau erzählte mir, dass sie auf Antrag auch das Implanon oder eine Spirale genemigen (dann eben nicht auf KK-Kosten), weil sie eben vor allem Extremfällte betreut, in denen sehr junge Frauen schon in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie nicht in der Lage sind, mit Kondomen, Pillen oder sonstigen Methoden, die ein Mindestmaß an Arbeit erfordern, verhüten können. Einerseits ist das vermutlich gut, weil die Personen, um die es dort geht, in ihrer Situation kein weiteres Kind in die Welt setzen sollten, aber andererseits...wieso müssen andere Frauen das selbst tragen?!
Die Erfahrung zeigt aber dort wohl, dass das Amt erstmal die Kosten für eine Spirale übernimmt, die dann aber aus unerfindlichen Gründen nach zwei Monaten wieder gezogen wird.
Ein besonders krasser Implanon-Fall: Nach weiteren zwei Monaten kommt die Frau dann und erklärt, dass sie das dritte Kind erwartet und fragt, ob das direkt in die Pflegefamilie ziehen kann oder ob sie es ein paar Wochen versuchen muss.
Also was ich meine: Ich weiß, dass es Verhütungsunfälle gibt und dass die nicht eine Frage des IQs sind. Aber ich glaube, dass z.B. viele, die im Teenageralter schwanger werden, nicht durch Wechselwirkungen von Antibiotika und Pille verunfallt sind, wie immer mittags auf Sat1 behauptet wird. Viele haben die Pille und nehmen sie einfach nicht, sind zu faul für Kondome oder/und wollen einfach (insgeheim) ein Kind. Zumindest bei Kondomen kann mir niemand sagen, dass große Bevölkerungsschichten einfach nicht wissen, wie diese grundsätzlich funktionieren. Und selbst, wenn die Gummis nicht die richtige Größe haben, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass etwas passiert. Und Diese Gruppe würde sich m.E. auch nicht verändern, wenn es Gratis-Kondome regnen würde.
Für mich persönlich gibt es Dinge, die ich kaufen
muss. Neben Nahrung, Wohnung, Dingen für meine Ausbildung und ein paar Klamotten, zählt für mich auch die Verhütung dazu. Ich
möchte noch kein Kind haben, das ist eines meiner Grundbedürfnisse. Also bezahle ich das auch. 10 Kondome kosten im Supermarkt ca. 7-8€. Selbst als Studentin mit wirklich wenig Kohle, wäre es nicht an 8€ für Kondome gescheitert, weil die für mich zu den obersten Prioritäten gehören. Und ich denke, wenn man wirklich verhüten will, dann verzichtet man eher auf eine neue DVD oder einen Friseurbesuch.
Manche Paare entscheiden sich eben für eine andere Verhütungsmethode - es ist doch toll, dass es dort so eine breite Auswahl gibt und noch schöner, wenn man es sich leisten kann. Aber man kann meiner Meinung nach nicht sagen, dass man aus Geldmangel nicht effektiv verhüten konnte, denn es geht eben auch günstig.