Ja, ja, ich verstehe euch schon.

Und ins Altenheim will ich auch noch nicht sofort.
Ich bin da zwiegespalten. Ich mag gern einigermaßen fit noch sehr alt werden. Einerseits. Andererseits sind meine Eltern mit 56 bzw. 58 Jahren gestorben. Ich habe aus nächster Nähe keine Anschauung in Sachen höherer Lebenserwartung. Es ist für mich tatsächlich so, dass ich - aus meiner Sicht im positiven Sinne - radikaler werde, mehr tue, was mein Bauchgefühl sagt, auch wenn es mit Konventionen kollidiert (leider passiert das häufiger, als mir lieb ist

), aus dem Bewusstsein heraus, dass ich vielleicht eben nicht noch Jahrzehnte vor mir habe. Ich rechne einfach bereits ein, dass manche meiner Fähigkeiten nachlassen werden, dass ich langsamer werde etc. Manches davon merke ich schon. Interessanterweise hat das Vor- und Nachteile. Ich sortiere sehr viel gründlicher als früher: Was ist mir wie wert ...
Eines ist klar: Egal, wie lange ich leben werde - ich gehe eben tatsächlich auf die Lebenszeit zu, die blutungslos sein wird. Das ist kein Intermezzo, sondern für mich ist die fruchtbare Zeit meines Lebens eine Insel innerhalb meines Gesamtlebens. Mit einem definierten Anfang (an meine Menarche kann ich mich noch gut erinnern) und einem definierten Ende, auch wenn ich dieses Ende wohl erst frühestens nach einem Jahr erkennen werde. Für Männer gibt es da ja keinen so deutlichen Abschluss, auch wenn es ihn de facto schon vor dem Tod geben mag.
Menschen mögen da unterschiedlich gestrickt sein - ich ziehe schon eine Weile Bilanz, wie ich diese fruchtbare Zeit meines Lebens nun genutzt habe, was ich gut fand, was nicht. Z. B. fällt mir für mein Leben auf, dass die Liebe zu Männern für mich immer sehr stark gekoppelt war mit dem mehr oder weniger bewussten Wunsch, eine Familie gründen zu wollen (phasenweise wollte ich das allerdings um keinen Preis

). Gut möglich, dass das auch biologisch einfach so angelegt ist. Und jetzt fühle ich - und das mag ketzerisch klingen und bisweilen habe ich Manschetten vor meinem eigenen Gefühl - meine Liebe zu Männern losgelöst von dem Wunsch, eine Familie gründen zu wollen. Das habe ich ja bereits getan, wenn auch kurz vor Toresschluss ...

Ich denke jetzt öfter: O.k., mit dem einen konkreten Mann (meinem Ehemann

) hast du Kinder in die Welt gesetzt. Das verbindet uns. Aber das Leben kann noch so lang sein ..., sollte mich mit anderen Männern jetzt in der Tiefe nichts mehr verbinden?
Na ja, klingt jetzt vielleicht verworren. Ich will ja gar nicht (unbedingt

) von einer Affäre in die andere hüpfen - ich merke nur, dass sich mein Blick auf Männer (auch auf meine männlichen Freunde, die ich ja neben meinem Ehemann auch noch habe) verändert, vielleicht sogar ... mhm ... weitet. Und dass ich es als wohltuend empfinde, dass die Liebe (im weitesten Sinn) jetzt losgelöst ist von der Fruchtbarkeit.
Ähm, ich bin ja mal gespannt, was für eine alltagspraktische Relevanz meine Gedanken haben werden.
