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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 24. Oktober 2010 12:50 
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NFP-Gräfin

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Ich weiß, dass die Spiralträgerinnen es vielleicht nicht gerne hören, aber könnten die stärkeren Nebenwirkungen der Mirena gegenüber einer Pille nicht daher kommen, dass es eine Spirale ist, über die die Hormone kommen?
Erstens mal ist das Teil ein ganz schöner Brocken, das könnte zu Unterleibsschmerzen führen, nachher stört es auch beim Sex und vielleicht interpretieren das dann manche als Libidoverlust.
Die Mirena ist aus Plastik, womöglich lösen sich daraus Substanzen, die östrogenähnlich wirken oder sonstige Schadstoffe.
Pilze und bakterielle Entzündungen könnten auch vom Faden verstärkt werden: Scheidenflora schlecht durch Hormone und dann noch ein Faden= extra schlecht.
Unter der Mirena findet oft so eine Art ,,Pseudozyklus" statt, also auch mit ES z.T. könnte es die Frau also nicht psychisch belasten, wenn sich befruchtete Eier nie einnisten können wegen der Hormone und dem Fremdkörper Spirale selber?

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 25. Oktober 2010 01:31 
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NFP-Kaiserin

Registriert: 9. Mai 2005 21:57
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Miriam1984 hat geschrieben:
Erstens mal ist das Teil ein ganz schöner Brocken, das könnte zu Unterleibsschmerzen führen, nachher stört es auch beim Sex und vielleicht interpretieren das dann manche als Libidoverlust.


Das wäre dann bei der normalen Kupferspiral, der Gynefix, der Goldlily etc. dann aber genauso. Und die sind hormonfrei.

Zitat:
Die Mirena ist aus Plastik, womöglich lösen sich daraus Substanzen, die östrogenähnlich wirken oder sonstige Schadstoffe.
Pilze und bakterielle Entzündungen könnten auch vom Faden verstärkt werden: Scheidenflora schlecht durch Hormone und dann noch ein Faden= extra schlecht.


Das ist beim NuvaRing nicht so viel anders, nur dass er in der Scheide sitzt. Dann müsste also ähnliches auch hier gelten.

Zitat:
Unter der Mirena findet oft so eine Art ,,Pseudozyklus" statt, also auch mit ES z.T. könnte es die Frau also nicht psychisch belasten, wenn sich befruchtete Eier nie einnisten können wegen der Hormone und dem Fremdkörper Spirale selber?


Auch hier, das gilt für alle hormonelle Verhütungsmittel und das wäre das Argument schlechthin, um alle Nebenwirkungen, die es geben kann, auf die Psyche zu schieben.

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 25. Oktober 2010 11:44 
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Hochlagenjunkie

Registriert: 17. Januar 2009 01:26
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dieSanfte hat geschrieben:
Zitat:
Unter der Mirena findet oft so eine Art ,,Pseudozyklus" statt, also auch mit ES z.T. könnte es die Frau also nicht psychisch belasten, wenn sich befruchtete Eier nie einnisten können wegen der Hormone und dem Fremdkörper Spirale selber?


Auch hier, das gilt für alle hormonelle Verhütungsmittel und das wäre das Argument schlechthin, um alle Nebenwirkungen, die es geben kann, auf die Psyche zu schieben.
*zustimm* dieses Argument dient vor allem zur Entlastung der Ärzte und der Pharmaindustrie, bringt den Patienten nicht weiter und führt im schlimmsten Fall zu falschen psychiatrischen Diagnosen.

Was ist eigentlich ein "Pseudozyklus"? *kopfkratz*

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 25. Oktober 2010 16:54 
Warum gilt das für alle hormonellen Verhütungsmittel? Normale Mikropillen unterdrücken den Eisprung doch.


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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 25. Oktober 2010 20:47 
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NFP-Kaiserin

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Aber auch bei der Mikropille kann nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Eisprüngen kommt.

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 25. Oktober 2010 21:38 
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Hochlagenjunkie

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Wenn ich das richtig verstehe, genügt die Hormondosis bei "Pseudozyklen" meistens, aber nicht immer, um den ES zu unterdrücken.

Ich denke schon, dass eine erfolglose Einnistung seelisch belastend sein kann. Erfolglose Einnistungen finden jedoch auch ohne Einnahme von Fremdhormonen statt, oft werden befruchtete Eier einfach mit der nächsten Periode wieder aus dem Körper ausgeschieden. Desweiteren bemerken Frauen, die nicht NFP betreiben oder die nicht wg. KiWu nach jedem ES einen Schwangerschaftstest durchführen, solche Vorgänge eigentlich nicht. Der Umkehrschluss wäre nämlich, dass so ein Ereignis grundsätzlich zu seelischen Belastungen oder Psychosen führen müsste.

Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass die psychotischen Zustände, über die Mirena-Frauen berichten, ein solches Ereignis als Ursache haben. Es werden ja auch Fälle berichtet, in denen das schon nach wenigen Tagen Einnahme losging. Desweiteren kann auch eine zu hohe Dosierung von Hormonen zu Psychosen führen, es hat daher m.M. nichts mit einer erfolglosen Einnistung zu tun.

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 25. Oktober 2010 21:40 
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NFP-Gräfin

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dieSanfte hat geschrieben:
Das wäre dann bei der normalen Kupferspiral, der Gynefix, der Goldlily etc. dann aber genauso. Und die sind hormonfrei.


Na ja, bei den anderen Spiralen gibt es ja verschiedene Größen und die Kette ist felxibel, das hab ich gemeint. Bei Mirena nur eine, und die ist sehr groß.

dieSanfte hat geschrieben:
Das ist beim NuvaRing nicht so viel anders, nur dass er in der Scheide sitzt. Dann müsste also ähnliches auch hier gelten.


Na ja, das ist ein weiches Plastik, könnte also was anderes sein an Material.

SalutCarole hat geschrieben:
Was ist eigentlich ein "Pseudozyklus"? *kopfkratz*


Einige hier konnten wohl bereits ES feststellen als sie noch die Mirena hatten. Das ist wohl mit Pille nicht der Fall (außer mit alten Minipillen).

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 25. Oktober 2010 21:48 
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NFP-Kaiserin

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Miriam1984 hat geschrieben:
Na ja, bei den anderen Spiralen gibt es ja verschiedene Größen und die Kette ist felxibel, das hab ich gemeint. Bei Mirena nur eine, und die ist sehr groß.


Es gibt auch normale Kupferspiralen, die nicht so flexibel wie die Gynefix sind. Da müsste es dann ähnliche Probleme geben.

Zitat:
Na ja, das ist ein weiches Plastik, könnte also was anderes sein an Material.


Also ich hatte den Ring und weich ist der wirklich nicht. Flexibel. Aber bei weitem nicht weich. Aber das hat ja damit nichts zu tun, wenn es darum geht, wie du sagst, dass es zu Infektionen kommt (und ja, der Ring kann das tatsächlich begünstigen).

Zitat:
Einige hier konnten wohl bereits ES feststellen als sie noch die Mirena hatten. Das ist wohl mit Pille nicht der Fall (außer mit alten Minipillen).


Es gibt genug Frauen, die unter der Pille einen Eisprung erspüren wollen. Aber das angebliche Spüren (was oft mit einem Ziehen im Unterleib zusammenhängt und dann mit dem Mittelschmerz gleichgesetzt wird), hat noch lange nichts mit dem tatsächlichen Eisprung zu tun, ob dieser auch wirklich stattfindet.

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 25. Oktober 2010 23:09 
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Hochlagenjunkie

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dieSanfte hat geschrieben:
Zitat:
Die Mirena ist aus Plastik, womöglich lösen sich daraus Substanzen, die östrogenähnlich wirken oder sonstige Schadstoffe.
Pilze und bakterielle Entzündungen könnten auch vom Faden verstärkt werden: Scheidenflora schlecht durch Hormone und dann noch ein Faden= extra schlecht.


Das ist beim NuvaRing nicht so viel anders, nur dass er in der Scheide sitzt. Dann müsste also ähnliches auch hier gelten.
@Sanfte, vll. sind in der Mirena Weichmacher enthalten, die im Nuvaring nicht vorkommen? *kopfkratz*

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 25. Oktober 2010 23:52 
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NFP-Kaiserin

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Also ich bin jetzt kein Spezialist für Materialen, aber der NuvaRing ist aus medizinischem Silikon und da dürften in keinster Weise Weichmacher enthalten sein.

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 26. Oktober 2010 20:34 
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NFP-Gräfin

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Aber die Spirale ist ja hart und nicht elastisch wie der Ring.

dieSanfte hat geschrieben:
Zitat:
Einige hier konnten wohl bereits ES feststellen als sie noch die Mirena hatten. Das ist wohl mit Pille nicht der Fall (außer mit alten Minipillen).


Es gibt genug Frauen, die unter der Pille einen Eisprung erspüren wollen. Aber das angebliche Spüren (was oft mit einem Ziehen im Unterleib zusammenhängt und dann mit dem Mittelschmerz gleichgesetzt wird), hat noch lange nichts mit dem tatsächlichen Eisprung zu tun, ob dieser auch wirklich stattfindet.


Ich sagte ja auch feststellen. Es gibt wohl ein paar mit einer Kurve.

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 26. Oktober 2010 20:42 
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NFP-Kaiserin

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Natürlich ist der Ring elastischer, er ist auch in der Vagina und nicht in der Gebärmutter. Es war nur ein Beispiel, dass der Ring vom Prinzip genauso viele Probleme machen müsste auf Grund des Fremdkörpers (gut, es kommen auch viel mehr Probleme hinzu wie eben Reizungen oder Infektionen). Aber es gibt ja auch noch andere Kupferspiralen, die genauso wenig flexibel wie die Mirena sind. Da müsste es dann ähnlich sein, wenn die Probleme nicht mit den Hormonen zusammen hängen würden.

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 26. Oktober 2010 21:16 
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Hochlagenjunkie

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Hallo @ alle,

ob ein Produkt Weichmacher enthält, kann man offenbar seit 2004 beim Hersteller erfahren, dieser ist nach einem seit 2004 in Kraft getretenen Gesetz zur Auskunft verpflichtet. Inwieweit das auch für die Mirena im einzelnen zutrifft, müsste aber geklärt werden:

siehe u.a. hier und hier. Die Datei vom BUND enthält am Ende einen Musterbrief, den man entsprechend abwandeln müsste.
Vll. hat ja jemand Lust, das zu tun. Dann hätten wir diesbezüglich Klarheit.

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 27. Oktober 2010 00:57 
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Hochlagenjunkie

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hier noch ein Link zu einem anderen thread zur Mirena, wo sich auch Frauen zu Wort melden, die selbst Erfahrungen mit der Mirena gemacht haben.

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 Betreff des Beitrags: Re: News zur Hormonspirale
BeitragVerfasst: 12. Februar 2011 22:32 
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Hochlagenjunkie

Registriert: 17. Januar 2009 01:26
Beiträge: 542
Hallo @all

in diesem thread ging es um die Frage , wie es möglich sein könne, dass eine niedrige Abgabe von Hormonen aus einer in den Uterus eingesetzten Spirale eine stärkere hormonelle Wirkung entfalten kann als die viel höhere Dosierung gebräuchlicher oraler Antikontrazeptiva.
Ich hielt es schon, seit ich mich mit der Hormonthematik beschäftige, für möglich, dass niedrige Dosierungen von Fremdhormonen eine stärkere Wirkung entfalten könnten als höhere. Bisher hatte ich keinen Beweis für diese Vermutung. Ich habe inzwischen jedoch Hinweise darauf gefunden, die meinen Verdacht stützen.

Hier der entsprechende Abschnitt aus "Our stolen Future" von Theo Colborn/Diane Dumanoski/Pete Myers. Die Autoren sind der Auffassung, dass die Beobachtungen aus Tierversuchen über eine nicht-lineare Abhängigkeit des Wirkungspotentials von Hormonen zur Dosis auf alle Spezies verallgemeinert werden können. Die Autoren gehen zunächst auf die Beweiskraft von Tierversuchen ein, und inwiefern diese auf den Menschen übertragbar sind.

"Die bedrohte Zukunft", deutsche Ausgabe, S. 235 - 237 hat geschrieben:
Dennoch bezweifeln manche Skeptiker, dass Tierstudien ein geeignetes Mittel seien, um die dem Menschen drohenden Gefahren vorauszusehen. Dass Mäuse keine kleinen Menschen seien, wird wie ein Refrain in der laufenden Debatte ständig wiederholt, wenn es darum geht, inwieweit Tests an Tieren wirklich genau vorhersagen, ob eine chemische Verbindung für den Menschen ein Krebsrisiko darstellt. Kritiker prangern zudem viele Testverfahren an, weil in ihnen unrealistisch hohe Dosen eingesetzt würden - so sei beispielsweise Mäusen zur Beantwortung der Frage, ob DDT krebserzeugend sei, die achthuntertfache Menge dessen verabreicht worden, womit der Durchschnittsmensch normalerweise konfrontiert würde.
Wie verdienstvoll solche Kritik auch im Hinblick auf Tests zum krebserzeugenden Potential chemischer Verbindungen sein mag, für den Einsatz von Tieren bei der Untersuchung von Substanzen, die möglicherweise ins endokrine System eingreifen, hat sie wenig Bedeutung. Da die Wissenschaft über die grundlegenden Mechanismen, die zur Entstehung von Krebs führen, nur unvollkommen Bescheid weiß, gibt es bei der Übertragung der Ergebnisse von einer Art zur anderen zugegebenermaßen Unsicherheiten. Was Hormone betrifft, so hat man hingegen ein ausgesprochen gutes Verständnis von deren Wirkungsweise und den hieran beteiligten Mechanismen. Man weiß, wie chemische Botschaften ausgesandt und empfangen werden und wie manche chemischen Substanzen diese Kommunikation unterlaufen können. Man weiß auch, dass Hormone die Entwicklung bei allen Säugetieren auf prinzipiell diesebe Art und Weise steuern, und falls noch irgendwelche Zweifel bestanden haben mögen, so hat die DES-Erfahrung [Diethylstilbestrol, wurde von 1938 bis 1971 schwangeren Frauen zur Verhinderung von Fehlgeburten verschrieben] die Ähnlichkeit von Hormonstörungen über alle Speziesgrenzen hinweg - den Menschen eingeschlossen - verifiziert. Die zuerst [bei Mäusen] in Laborexperimenten beobachteten DES-bedingten Schäden traten einer nach dem anderen auch bei den Kindern von Frauen auf, die dieses Medikament während der Schwangerschaft eingenommen hatten [Mißbildungen der inneren Fortpflanzungsorgane, was bei der Geburt nicht erkannt wurde, in vielen Fällen mit Eintritt ins Erwachsenenalter Erkrankungen an normalerweise seltenen Krebserkrankungen der äußeren Geschlechtsorgane. Eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen wurde bei Markteinführung nicht in Betracht gezogen.]

Man hat die Relevanz der DES-Affäre für Aussagen über andere in den Hormonhaushalt eingreifende Substanzen auch deshalb angezweifelt, weil den schwangeren Frauen und auch den Versuchstieren so ungemein hohe Dosen davon verabreicht worden waren. Doch während die frühen Experimente noch mit hohen Dosierungen gearbeitet haben, so hat man in jüngster Zeit auch bei sehr viel geringerer Dosierung feststellen müssen, dass die Ergebnisse keineswegs weniger besorgniserregend waren. In manchen Fällen richtet eine hohe Dosis unter Umständen paradoxerweise weniger Schaden an als eine niedrigere Dosierung. Bei seinen Studien zum Einfluss gering dosierter DES-Mengen stellte Frederick vom Saal fest, dass die Reaktion eine Zeitlang mit steigender Dosierung zunimmt, dann aber, mit einer weiteren Erhöhung der DES-Dosis, wieder schwächer wird.

Vom Saals Dosis-Wirkungskurve ähnelt einem umgedrehten U. Die Gestalt der Kurve ist von ausschlaggebender Bedeutung für die Beurteilung jeder Wechselwirkung zwischen dem endokrinen System und synthetischen Schadstoffen: Niemals linear und auch nicht immer in dieselbe Richtung verlaufend, scheint das umgedrehte U charakteristisch für Hormonsysteme zu sein. Das heißt, deren Verhalten gehorcht nicht den Grundvoraussetzungen der klassischen Toxikologie, denen zufolge sich die Wirkung einer Substanz mit zunehmender Dosis linear erhöhen sollte. Dies aber bedeutet, dass man bei der Untersuchung sehr hoher Dosen einige der Effekte übersieht, die man beobachten würde, wenn man die Tiere mit geringeren Dosen behandelte. Das umgedrehte U ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Wirkung von Substanzen, die in das endokrine System eingreifen, die vorherrschenden Ansichten zur Toxizität von Chemikalien zu erschüttern vermag. Rückschlüsse, die aus Ergebnissen von Experimenten mit hoher Dosierung gezogen werden, können in manchen Fällen dazu führen, dass man die Risiken einer geringeren Dosierung erheblich unter- statt überschätzt.

Die Tatsache, dass geringste Mengen Levonorgestrel offenbar imstande sind, den Hormonhaushalt vieler Frauen völlig durcheinanderbringen, während das bei höheren Dosierungen nicht der Fall zu sein scheint, erscheint m.E. nach dadurch in einem sehr plausiblen Licht.

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