Hi,
Ich bin zufällig auf einen Artikel in der Zeitschrift „Der Gynäkologe" mit der Überschrift „Möglichkeiten und Grenzen der Schwangerschaftsverhütung" gestoßen und war mal wieder sehr enttäuscht.
http://www.springerlink.com/content/qfwng0tl3ujwh26h/Da hier nicht jeder die Möglichkeit hat über die Unibibliothek kostenlos auf den Artikel zuzugreifen, werde ich mal versuchen euch einen kleinen Einblick zu geben. Wer interesse an dem Artikel hat, findet bestimmt eine öffentlich Bibliothek, in der er die Zeitschrift auch meist umsonst lesen kann.
Was habe ich von dem Artikel erwartet?Nachdem ich die überschrift gelesen habe, habe ich erwartet eine objektive Betrachtung der aktuel auf dem Markt vorhandenen Verhütungsmittel zu lesen, in der sowohl die vorteile als auch die nachteile der verschiedenen Methoden besprochen werden.
Aufbau des ArtikelsDer Artikel besteht aus 8 Seiten. Auf den ersten 1,5 Seiten werden sowohl die antiken Verhütungsmittel, als auch sämtliche nichthormonelle Verhütungsmittel "besprochen". Ca. 5,5 Seiten werden der Pille gewidmet. Die DMS, die Sterilisation und das schlusswort reichen nochmal für ca. 1 seite.
Welche Aussage werden über die verschieden Verhütungsmittel gemacht?"Natürliche Methoden"STM wurde zwar nicht namentlich genannt, aber aus der Beschreibung ließ sich ableiten, dass diese methode gemeint ist.
Zitat:
Mit diesen Methoden ergeben sich sehr gute theoretische Pearl-Indices von 0,4–6. Jedoch setzt diese gute Zuverlässigkeit eine strenge Disziplin der Beteiligten voraus und widerspricht damit diametran den biologischen Bedürfnissen der Betroffenen.
Daher werden reale Pearl-Indices für diese sogenannten natürlichen Methoden von bis zu 47 angegeben.
BarrieremethodenSelbstverständlich wird zum Kondom gesagt, dass es als einziges verhütungsmittel vor Geschlechtskrankheiten verhütet, aber bei der hohen versagerrate...
Zitat:
Der theoretische Pearl-Index für Kondome beträgt 0,5–2,0 und ist damit sehr gut. In der Praxis schwankt der Pearl-Index jedoch zwischen 3 und 36. Gleiches gilt für Scheidendiaphragmen oder Portiokappen.
Mädels, jetzt gebst endlich zu: hier muss doch mindestens die hälfte schwanger sein.
IUPErstaunlicherweise wird immerhin über die Spirale etwas mehr berichtet. Auf etwas mehr als einer halben Seite wird sie beschrieben. darunter: Vorteile, Risiken, geschichtiliche Entwicklung und Formen, Einlage und Kontrolluntersuchungen.
Wirkweise:
Zitat:
Sie [Die Kupferíonen] verhindern nicht nur eine Nidation sondern verändern das intrauterine Milieu so, daß in der Regel keine befruchtungsfähigen Spermien in die Tuben vordringen können.
Der Index ist aber auch schon etwas höher, als ich sonst immer gelesen habe:
Zitat:
Der Pearl-Index von kupferhaltigen IUP schwankt zwischen 0,5 und 8. Bei jüngeren Frauen liegt er höher als bei älteren Frauen. Dies entspricht der biologisch geringen Konzeptionschance älterer Frauen.
Achja, das veraltete Vorurteil über das erhöhte Infektionsrisiko darf natürlich nicht vergessen werden:
Zitat:
Intrauterinpessare sind also als geeignete reversible kontrazeptive Maßnahme Frauen mit mindestens einem Kind sehr zu empfehlen. Bei jungen Nulliparae mit stabiler beidseits monogamer Partnerschaft ist der Einsatz möglich, jedoch muß eindringlich auf das Risiko der
Adnexitis hingewiesen werden.
Die PilleEigentlich kann man nicht sagen, dass die Pille nicht kritisch betrachtet wurde. Es wurden alle mölichen Risiken besprochen. Aufgrund meiner geringen medizinkentnisse, kann ich leider nicht beurteilen, inwiefern etwas verharmlost wurde.
Interressant ist, dass natürlich bei der pille nur der Methoden-PI genannt wird.
Zitat:
Der Pearl-Index aus vielen klinischen Studien und Feldstudien beträgt 0,2–0,8. Selbst das einmalige Vergessen einer Pilleneinnahme verschlechtert diesen Wert nicht. Am ehesten kommt es zu einemWirkversagen, wenn zu Anfang des Einnahmezyklus Pillen vergessen
werden oder wegen einer Magenerkrankung nicht effektiv sind.
Wo kommen nur die ganzen TroPis her?
Und endlich auch eine Erklärung, wie es zu Libidoverlusst kommt:
Zitat:
Veränderungen der Stimmungslage und der Libido sind abhängig von den äußeren Umständen, unter denen die Pilleneinnahme sinnvoll erscheint. Wird die Kontrazeption als eine Erlösung von der Furcht vor einer Schwangerschaft gesehen, so verändert sich beides zum Besseren. Erfolgt die Pilleneinnahme rein rational z.B. aus medizinischen Gründen, so kann die Blockade der Fortpflanzung zu Depression und Libidoverlust führen.
Also, alles nur eine Einstellungssache.
DMSZitat:
Es sind Fälle beschrieben worden, in denen Patientinnen nach mehrjähriger Therapie mit Medroxyprogesteronacetat eine Osteoporose entwickelt haben. Diese Depotformulierungen empfehlen sich daher besonders für eine mittelfristige Kontrazeption, die wegen einer anderweitig zugrunde liegenden Kontraindikation ohne Östrogene geführt werden muß.
Wie kann man da noch von "empfehlen" reden, wenn auch nur mittelfristig. Bei den Barrieren oder STM wurde das wort jedenfalls nicht verwendet.
SchlusswortIn den gewählten Zitaten kann man wohl erkennen, was mir an dem Artikel nicht gefallen hat.
Wobei ich denke, dass eine besser gewählte Überschrift, mit Sicherheit den Artikel besser gemacht hätte. Passender wäre wohl gewesen "risiken der oralen hormonellen kontrazeptiva" oder ähnliches. Wie ich oben schon schrieb, schrieben die Autoren durchaus auch über die risiken der pilleneinnahmen. in ihrem schlusswort schreiben sie auch, dass bei der kontrazeption immer zwischen den Worteilen und risiken abgewogen werden muss, wenn sie aber die Alternativen zur Pille so schlecht reden, kann ich verstehen, weshalb diese natürlich selten in betracht gezogen werden.
mfg, amily