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Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 28. Juni 2010 18:24 
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Fingerwundschreiberin

Registriert: 15. April 2010 22:43
Beiträge: 970
Wohnort: Berlin
NFP seit: Dezember 2010
Hi,

Ich bin zufällig auf einen Artikel in der Zeitschrift „Der Gynäkologe" mit der Überschrift „Möglichkeiten und Grenzen der Schwangerschaftsverhütung" gestoßen und war mal wieder sehr enttäuscht.
http://www.springerlink.com/content/qfwng0tl3ujwh26h/

Da hier nicht jeder die Möglichkeit hat über die Unibibliothek kostenlos auf den Artikel zuzugreifen, werde ich mal versuchen euch einen kleinen Einblick zu geben. Wer interesse an dem Artikel hat, findet bestimmt eine öffentlich Bibliothek, in der er die Zeitschrift auch meist umsonst lesen kann.

Was habe ich von dem Artikel erwartet?
Nachdem ich die überschrift gelesen habe, habe ich erwartet eine objektive Betrachtung der aktuel auf dem Markt vorhandenen Verhütungsmittel zu lesen, in der sowohl die vorteile als auch die nachteile der verschiedenen Methoden besprochen werden.

Aufbau des Artikels
Der Artikel besteht aus 8 Seiten. Auf den ersten 1,5 Seiten werden sowohl die antiken Verhütungsmittel, als auch sämtliche nichthormonelle Verhütungsmittel "besprochen". Ca. 5,5 Seiten werden der Pille gewidmet. Die DMS, die Sterilisation und das schlusswort reichen nochmal für ca. 1 seite.

Welche Aussage werden über die verschieden Verhütungsmittel gemacht?

"Natürliche Methoden"

STM wurde zwar nicht namentlich genannt, aber aus der Beschreibung ließ sich ableiten, dass diese methode gemeint ist.
Zitat:
Mit diesen Methoden ergeben sich sehr gute theoretische Pearl-Indices von 0,4–6. Jedoch setzt diese gute Zuverlässigkeit eine strenge Disziplin der Beteiligten voraus und widerspricht damit diametran den biologischen Bedürfnissen der Betroffenen.
Daher werden reale Pearl-Indices für diese sogenannten natürlichen Methoden von bis zu 47 angegeben.


Barrieremethoden

Selbstverständlich wird zum Kondom gesagt, dass es als einziges verhütungsmittel vor Geschlechtskrankheiten verhütet, aber bei der hohen versagerrate...
Zitat:
Der theoretische Pearl-Index für Kondome beträgt 0,5–2,0 und ist damit sehr gut. In der Praxis schwankt der Pearl-Index jedoch zwischen 3 und 36. Gleiches gilt für Scheidendiaphragmen oder Portiokappen.

Mädels, jetzt gebst endlich zu: hier muss doch mindestens die hälfte schwanger sein.

IUP

Erstaunlicherweise wird immerhin über die Spirale etwas mehr berichtet. Auf etwas mehr als einer halben Seite wird sie beschrieben. darunter: Vorteile, Risiken, geschichtiliche Entwicklung und Formen, Einlage und Kontrolluntersuchungen.

Wirkweise:
Zitat:
Sie [Die Kupferíonen] verhindern nicht nur eine Nidation sondern verändern das intrauterine Milieu so, daß in der Regel keine befruchtungsfähigen Spermien in die Tuben vordringen können.


Der Index ist aber auch schon etwas höher, als ich sonst immer gelesen habe:
Zitat:
Der Pearl-Index von kupferhaltigen IUP schwankt zwischen 0,5 und 8. Bei jüngeren Frauen liegt er höher als bei älteren Frauen. Dies entspricht der biologisch geringen Konzeptionschance älterer Frauen.


Achja, das veraltete Vorurteil über das erhöhte Infektionsrisiko darf natürlich nicht vergessen werden:
Zitat:
Intrauterinpessare sind also als geeignete reversible kontrazeptive Maßnahme Frauen mit mindestens einem Kind sehr zu empfehlen. Bei jungen Nulliparae mit stabiler beidseits monogamer Partnerschaft ist der Einsatz möglich, jedoch muß eindringlich auf das Risiko der Adnexitis hingewiesen werden.


Die Pille

Eigentlich kann man nicht sagen, dass die Pille nicht kritisch betrachtet wurde. Es wurden alle mölichen Risiken besprochen. Aufgrund meiner geringen medizinkentnisse, kann ich leider nicht beurteilen, inwiefern etwas verharmlost wurde.

Interressant ist, dass natürlich bei der pille nur der Methoden-PI genannt wird.
Zitat:
Der Pearl-Index aus vielen klinischen Studien und Feldstudien beträgt 0,2–0,8. Selbst das einmalige Vergessen einer Pilleneinnahme verschlechtert diesen Wert nicht. Am ehesten kommt es zu einemWirkversagen, wenn zu Anfang des Einnahmezyklus Pillen vergessen
werden oder wegen einer Magenerkrankung nicht effektiv sind.

Wo kommen nur die ganzen TroPis her?

Und endlich auch eine Erklärung, wie es zu Libidoverlusst kommt:
Zitat:
Veränderungen der Stimmungslage und der Libido sind abhängig von den äußeren Umständen, unter denen die Pilleneinnahme sinnvoll erscheint. Wird die Kontrazeption als eine Erlösung von der Furcht vor einer Schwangerschaft gesehen, so verändert sich beides zum Besseren. Erfolgt die Pilleneinnahme rein rational z.B. aus medizinischen Gründen, so kann die Blockade der Fortpflanzung zu Depression und Libidoverlust führen.

Also, alles nur eine Einstellungssache.

DMS

Zitat:
Es sind Fälle beschrieben worden, in denen Patientinnen nach mehrjähriger Therapie mit Medroxyprogesteronacetat eine Osteoporose entwickelt haben. Diese Depotformulierungen empfehlen sich daher besonders für eine mittelfristige Kontrazeption, die wegen einer anderweitig zugrunde liegenden Kontraindikation ohne Östrogene geführt werden muß.

Wie kann man da noch von "empfehlen" reden, wenn auch nur mittelfristig. Bei den Barrieren oder STM wurde das wort jedenfalls nicht verwendet.

Schlusswort

In den gewählten Zitaten kann man wohl erkennen, was mir an dem Artikel nicht gefallen hat.

Wobei ich denke, dass eine besser gewählte Überschrift, mit Sicherheit den Artikel besser gemacht hätte. Passender wäre wohl gewesen "risiken der oralen hormonellen kontrazeptiva" oder ähnliches. Wie ich oben schon schrieb, schrieben die Autoren durchaus auch über die risiken der pilleneinnahmen. in ihrem schlusswort schreiben sie auch, dass bei der kontrazeption immer zwischen den Worteilen und risiken abgewogen werden muss, wenn sie aber die Alternativen zur Pille so schlecht reden, kann ich verstehen, weshalb diese natürlich selten in betracht gezogen werden.

mfg, amily

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 Betreff des Beitrags: Re: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 28. Juni 2010 18:36 
Oh je, das ist ja wirklich mal ein interessanter Artikel... *ko*


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 Betreff des Beitrags: Re: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 28. Juni 2010 21:41 
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Obermuschimädel

Registriert: 12. Dezember 2007 09:52
Beiträge: 1923
Und das in dem Verlag, in dem "NFP heute" erschienen ist.... :roll:

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 Betreff des Beitrags: Re: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 28. Juni 2010 22:04 
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Fingerwundschreiberin

Registriert: 15. April 2010 22:43
Beiträge: 970
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NFP seit: Dezember 2010
Neri hat geschrieben:
Und das in dem Verlag, in dem "NFP heute" erschienen ist.... :roll:

Das hatte ich ja ganz vergessen. . .

Die Autoren von NFP-Heute haben auch schon zwei gute Artikel über NFP für diese Zeitschrift geschrieben. Hatte sie bisher nur überflogen und verwundert gedacht: „Kommt mir irgendwie bekannt vor..."
http://www.springerlink.com/content/ugga8atn9ea2dg14/
http://www.springerlink.com/content/21jwydnvjjphan16/

mfg, Amily

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 Betreff des Beitrags: Re: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 29. Juni 2010 00:28 
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Gesperrter User

Registriert: 19. April 2008 10:18
Beiträge: 1979
Ich verstehe Deine Kritik nicht.
Die geben doch wirklich die Methoden-PIs korrekt an und eine Spannweite an möglichen Anwender-PIs... es gibt nun mal auch unfähige Benutzer ;-) Ich gehe mal davon aus, dass es wirklich eine Studie geben könnte, die irgendeiner "natürlichen Methode" so üble Indizes wie 47 bescheinigt (afaik ist das der PI dieser Geburtskontrollkette?)

Und:
Zitat:
Jedoch setzt diese gute Zuverlässigkeit eine strenge Disziplin der Beteiligten voraus und widerspricht damit diametran den biologischen Bedürfnissen der Betroffenen.


Ist doch völlig richtig, nfp hat eben den Nachteil, dass viele Paare genau dann nicht so können, wie sie wollen, wenn sie am meisten Bock hätten. Ist doch wahr. Natürlich hat nfp auch viele Vorteile, aber man muss nun nicht alles schönreden, genau das ist der Schwachpunkt dieser Methode. Und frau kann zwar auch mit unregelmässigen Zyklen oder unregelmässiger Lebensweise oder undiszipliniert nfp anwenden und regelgerecht auswerten, wird dann aber höhstwahrecheinlich kaum frei haben, kann es also gleich lassen.

Und wenn sie Dias, Portiokappen und Kondomen einen Anwender-PI von im Besten Fall 3 bescheinigen, so ist das doch schon sehr optimistisch.

Ich denke mal aus fachlicher Sicht ist nix an dem Artikel auszusetzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 29. Juni 2010 09:55 
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Moderatorin a. D.

Registriert: 28. Dezember 2005 11:58
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NFP seit: Dezember 2005
Ich hab grad gesehen, dass der Artikel fast 13 Jahre alt ist (August 1997), von demher würde ich mal sagen, dass er die Ansichten von vor 13 Jahren widerspiegelt.

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Es ist schwer, gegen einen Feind zu kämpfen, der sich in deinem Kopf eingenistet hat. Sally Kempten


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 Betreff des Beitrags: Re: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 29. Juni 2010 10:01 
Oh, das sind dann wirklich vielleicht antiquierte Ansichten...


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 Betreff des Beitrags: Re: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 29. Juni 2010 22:21 
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Fingerwundschreiberin

Registriert: 8. August 2009 20:20
Beiträge: 851
NFP seit: Juli 2009
Die PIs bei NFP, Kondomen usw. find ich jetzt nicht so schlimm, weil ja auch die Methoden-PIs angegeben werden, allerdings sollen sie dann bitte auch bei der Pille den Anwendungs-PI angeben und nicht nur den Methoden-PI!
Am schlimmsten find ich aber die Aussage von wegen Stimmungsschwankungen und Libidoverlust treten nur auf, wenn man eigentlich gar nicht mit der Pille verhüten will. :roll: Ja klar, alle die solche Nebenwirkungen haben, wollen lieber ein Kind und wer verhüten will, bekommt sowas nicht.... *zunge*

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zwei Töchter (08/16 und 06/19), * (01/18)


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 Betreff des Beitrags: Re: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 12. Juli 2010 15:25 
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NFP-Guru

Registriert: 28. März 2010 22:17
Beiträge: 2558
Ich habe mal wieder etwas gruseliges gefunden.

Auf der Clearblue Website wird bei den natürlichen Verhütungsmethoden nur die Kalendermethode und Persona genannt.
Und jetzt, haltet auch fest die Kalendermethode soll angeblich eine Sicherheit von 98 % haben.


Nachzulesen ist das ganze hier: http://www.clearblue.com/de/empfangnisverhutung.php

Im Unterpunkt "Natürliche Verhütungsmethoden"

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Die Erde ist ein Nudelsieb


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 Betreff des Beitrags: Re: Mal wieder ein enttäuschender Artikel über Verhütungsmittel
BeitragVerfasst: 12. Juli 2010 15:32 
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Kurven-Rätslerin

Registriert: 27. Juli 2009 17:25
Beiträge: 337
NFP seit: 07/09
Interessant finde ich auch unter den Nachteilen der Kalendermethode
Zitat:
Sie und Ihr Partner übernehmen gemeinsam Verantwortung für die Verhütung.

Na wenn das mal nicht das totale K.O.-Kriterium für eine Methode ist :roll: *rofl*

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Pillenfrei seit 10/07, NFP seit 07/09 in Zyklus Nr.Bild, mittlerweile auf Papier mit gelegentlichem Nachtrag ins KurvenReich
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