Hallo, grad hab ich mir mit ner Freundin den Zweiteiler "Contergan" angesehen, leider wars entgegen meiner Erwartung keine Doku, sondern ein Spielfilm, emotional dem Thema entsprechend aufgeladen, aber reichlich flach an vielen Stellen und wenig dicht. Naja - halbwegs sehenswert.
Darum gehts mir in diesem Post aber nicht hauptsächlich: In einer Szene (man schreibt das Jahr 1967, das contergangeschädigte Kind der Hauptdarsteller ist schon lange geboren) liegt das Protagonistenpärchen im Bett, und will zur Sache kommen.
Sie (kichernd): wir müssen heute vorsichtig sein.
Er (kramt ungeduldig in der Kondomdose): Hm, die sind alle. (Frustration) Ach, Du solltest echt mal die Pille nehmen.
Sie: Sag mal, Du spinnst wohl! MIR sagst Du, ich soll die PILLE nehmen!? (dreht sich empört weg).
Keine Ahnung, ob der Regisseur da mehr hineingelegt hat als die Verbindung zwischen Grünenthal (auch Pillenhersteller) und dem Conterganopfer, aber ich mußte ja sofort an die ganzen Pillennebenwirkungen denken, die noch immer nicht komplett aufgeklärt sind...
"Leider" kann man die Nebenwirkungen ja nicht sehen/anfassen, wie die tragischen Nebenwirkungen von Contergan.
Vielleicht plant der Regisseur ja schon einen zweiten Medikamenten-Skandal-Film
Kleiner Nachtrag (EDIT für Leute, die den Fall oder den Film kennen): Interessant ist auch die offensichtliche Verstrickung der Interessengruppen der chemischen Industrie, namentlich Henkel. Sie haben mitgemischt und vermutlich über die Interessen Grünenthals hinaus die chemische Industrie vertreten - bspw. wird angedeutet, daß Grünenthal selber viel kompromissbereiter und nachgiebiger gewesen wäre, wenn nicht die Anwälte u.a. die Pharmafirma weiter in Ihrer Verteidigung "gestärkt" hätten. Wäre es zu einer
echten Verurteilung gekommen, hätte wir wohl heute in Deutschland durch diesen Präzedenzfall wohl vermutlich eine andere Arzneimittelhaftung als die heutige...