Murmel90 hat geschrieben:
Es ist somit also nicht meine ureigene Meinung, das hätte ich sonst betont, sondern die Meinung derer, die dem Christemtum angehören und daran glauben, dass Jesus als Gottes Sohn Mensch geworden ist, auf der Erde gelebt hat und das Christentum "gegründet" hat.
Wer sich auch nur ansatzweise mit dem christlichen Glauben beschäftigt hat weiß, dass an der Bibel mindestens 4 Menschen geschrieben haben. Die vier Evangelisten. Wer schon mal was von den Apokryphen gehört hat weiß, dass es deutlich mehr Menschen waren und dann haben wir noch gar nicht das alte Testament bedacht...
Ich kenne keinen in dieser Hinsicht gebildeten Menschen, der etwas anderes behauptet hätte.
Verwechselst du vielleicht die Bibel mit dem Koran? Der soll zumindest von einem Engel diktiert worden sein.
Man sollte übrigens nicht vergessen, dass der Papst sich nicht an die Menschheit ans sich, sondern an gläubige Katholiken richtet. An seine Kirche, deren Oberhaupt er ist.
Wenn man die humane vitae von Papst Johannes Paul II (damals noch nicht Papst) mal wirklich gelesen hat weiß man, dass es eine durchaus vertretbare Sichtweise ist, die aber nicht jeder für sich annehmen kann und die nicht ohne weiteres auf andere Kulturkreise zu übertragen ist. Das sage ich jetzt mal als nicht gläubiger, aber informierter Mensch.
Schon die Art der Liebe und des Umgangs zwischen den Partnern die beschrieben und als Voraussetzung angenommenen wird ist ein Ideal, dass sehr viele Paare nie erreichen können.
Und als genau so sollte man meiner Meinung nach diese Schrift auch sehen. Ein Leitfaden für Paare die sich sehr lieben und ihr Handeln in Hinblick auf ihren Glauben hinterfragen wollen.
Wir alle wissen, dass Menschen nicht perfekt sind, Fehler machen und man mit diesen Fehlern umgehen muss.
Man muss sich z.B. nach einem Ehebruch auch fragen ob man wieder zueinander findet oder sich trennt. Trotzdem ist eines der 10 Gebote "Du sollst nicht Ehebrechen"
Ist das deswegen eine schlechter Grundsatz? Weil es trotzdem Menschen gibt, die es tun?
Ich erwarte von einem Menschen so viel gesunden Menschenverstand, dass er sich und andere schützt. Die Nächstenliebe (andere nicht bewusst dem Risiko einer Ansteckung aussetzen) und auch die Achtung vor dem eigenen Körper sollten höher stehen als jede Regel die sich in der heutigen Zeit ein Papst ausdenkt.
Man muss sich vor Gott (vorausgesetzt man ist gläubig) und vor sich selbst rechtfertigen können. Nicht vor einem Papst.
Ich würde ja auch keinem Heroinsüchtigen verwehren eine neue sterile Nadel zu benutzen, wenn ihn das davon abhalten würde die benutze von jemand anderem zu benutzen und sich mit Hepatitis oder HIV an zustecken. Egal was ich von seinem Heroinkonsum halte.
Menschen brechen Regeln. Und auch für diesen Umstand muss man mitdenken. Da ist jeder Mensch gefragt, ob gläubig oder nicht sich selbst seine Gedanken zu machen.
Bei der Kondomfrage muss man sich überlegen, dass es eine Lockerung zu der Forderung wäre abstinent zu sein, wenn man HIV positiv ist und eben nicht eine Alternative dazu kein Kondom zu benutzen beim Verkehr. Das hat nie jemand ernsthaft in den Raum gestellt.
Wenn man ehrlich ist weiß man, dass Kondome zwar dein einzig sinnvollen, aber keinen 100%igen Schutz vor HIV darstellen. Man setzt seinen Partner also jedes mal einem Risiko aus und sei es noch so gering. Das ist auch etwas das man mit seinem Gewissen abmachen muss.
Das müsste man z.B. nicht wenn man abstinent wäre.
Ich will mich nicht in die Situation hineindenken als HIV-Positiver mit meinem geliebten Partner eine Kondompanne zu erleben.
Wenn sich jemand auf den Schlips getreten fühlt, meine evangelische Erziehung zur selbstständigen Auseinandersetzung mit den Werten die ich vertrete ist mit mir durchgegangen.

Edit:
Ich vertrete z.B. auch die Meinung, dass man wenn man schon fremd geht es nicht dazu kommen lassen darf, dass der ahnungslose Partner sich eine Geschlechtskrankheit einfängt. Wie sollte aber z.B. eine Kirche so etwas vermitteln? Auch wenn es besser ist als einfach rumzuvögeln ohne jede Rücksicht, ist es eben immer noch fremd gehen, ein Vertrauensbruch etc.
Und genau da sollte man sich überlegen was man von einer Kirche erwartet. Fordert man tatsächlich noch Regeln für den Fall, wenn man sich schon falsch verhalten hat?
Finde ich ehrlich gesagt viel verlangt und nicht Aufgabe einer Kirche.
Vielleicht noch dass die Seelsorger finanziert, aber nicht, dass sie einem bis in solche Details vorschreibt wie man damit umzugehen hat. Das würde vermitteln, dass das ja alles nicht so schlimm ist.