höstkvinna hat geschrieben:
Wäre ich Jüdin, hätte ich garantiert kein Interesse daran, mich hier vor so einer geballten Wand von Unverständnis und Vorverurteilung zu rechtfertigen und zu erklären (von den teilweise sehr offen geäußerten Vorwürfen in Richtung "herzlose Schwanzabschneider" mal ganz zu schweigen).
Ich bin zwar keine "echte" Jüdin, im Sinne von "religiöser Jüdin", aber ich habe jüdische Wurzeln und beschäftige mich intensiv mit dem Judentum. Ich bin zwar nicht gläubig, folge aber dennoch vielen Geboten des Judentums, z.B. weitestgehend den Speisevorschriften.
Ich tu mir mit einer Meinung zu der Debatte schwer, werde aber mal meine Gedanken dazu aufschreiben.
Einerseits verstehe ich die Beschneidungsgegner. Es ist ein objektiv unnötiger und schmerzhafter Eingriff an einem Baby, bei dem es Komplikationen geben kann und mit dem wohl auch nicht alle Männer im Erwachsenenalter glücklich sind.
Ich verstehe aber auch den orthodoxen Standpunkt. Die Beschneidung wird in der Bibel als Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem jüdischen Volk erwähnt und ist seit Jahrtausenden das Aufnahmeritual ins jüdische Volk schlechthin. So etwas ändert sich nicht von heute auf morgen und schon gar nicht, durch eine von außen aufgedrängte Diskussion und Gesetzgebung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich in der Orthodoxie etwas an der Haltung ändern wird.
Ach ja, weil im Thread das Argument mit den progressiven Gemeinden kam, auch bei diesen ist es keineswegs der Normalfall, dass die Beschneidung abgelent oder kritisch betrachtet wird. Um in der Wiener progressiven Gemeinde konvertieren zu können, muss sich ein Mann beispielsweise beschneiden lassen.
Ich persönlich finde es gut, dass die Debatte angestoßen wurde. Nicht gut, finde ich die Heftigkeit und die Untergriffigkeit der Debatte. Wie im Thread schon mal erwähnt, mit "in die Ecke treiben" und "aggressiv angehen" ist niemandem geholfen, auch nicht den Beschneidungsgegnern.
Ich denke ich bin für gesetzliche Rahmenbedingungen, aber nicht für ein Beschneidungsverbot. Das käme für dn größten Teil der deutschen Juden einem Verbot ihrer religion gleich. Gute Rahmenbedingungen wären in meinen Augen:
- Aufklärung der Eltern über mögliche Risiken und Komplikationen samt Einverständniserklärung
- eine gesetzlich geregelte medizinische Ausbildung für Mohelim (Beschneider)
- das Durchführen der Beschneidung in einer geegneten Umgebung (Arztpraxis, Krankenhaus)
- verpflichtende Betäubung
Und allen, die jetzt Panik kriegen, weil ich KiWu-Kurvend bin - falls ich einen Sohn bekomme, wird er nicht beschnitten. Ich bin nicht gläubig, der

ist kein Jude und meine Kinder sollen selbst enscheiden, welche Religion sie haben wollen, bzw. ob sie überhaupt eine wollen. Ich wurde katholisch getauft und ehrlich gesagt, ich [url]habe[/url] ein Problem damit, dass ich jetzt für die katholische Kirche immer als katholisch gelte.
Trotzdem, mit einem Mädchen wäre es einfacher. Das kann, wenn's mag, problemlos jüdischen Religionsunterricht besuchen und eine Bat Mitzvah haben - was für einen unbeschnittenen Jungen selbst in progrssiven Gemeinden schwierig bis unmöglich ist.
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nandini kurvt im 1. Übungszyklus:
