Hey Mädels,
Imandra hat geschrieben:
Freud hat noch eine hübsche Abhandlung über Kokain geschrieben und es auch kräftig konsumiert, die Literatur des 19. Jahrhunderts wäre deutlich ärmer, hätte es den Absinth nicht gegeben, die Figur des Sherlock Holmes ist ein Voll-Junkie und niemand hat sich was dabei gedacht...
*zustimm* Freud hat allerdings durch seinen Konsum (und das Pfeife rauchen) ein Mundbodenkarzinom bekommen. Ohne Absinth hätte sich wohl Van Gogh sein Ohr nicht abgeschnitten.

Und in irgendeinem anderem Fred hab ich auch mal geschrieben, dass ich der Meinung bin, dass es ohne Drogen nicht so viel tolle Musik gäbe.
Ich hab schon das eine oder andere Mal Cannabis zur Bekämpfung von Mensschmerzen geraucht und es hat wirklich gut geholfen.

Seit meiner FG werden die Mensschmerzen sehr viel weniger, deshalb besteht jetzt kein Bedarf mehr.

Vor einigen Jahren hatte ich arge Kiefergelenksprobleme und -verspannungen samt Trigeminusneuralgie, da fand ich es viel effektiver Cannabis zu mir zu nehmen als die total argen (vom Arzt verschriebenen) Hämmer (Antiepileptika und Opioide). Meine Schwester hatte vor ein paar Jahren einen sehr aggressiven Brustkrebs, auch hier hat sie therapeutisch Cannabis zu sich genommen (Appetitsteigerung und gegen Übelkeit).
dass Königin Viktoria Hanf zu sich genommen hat, hab ich schon mal in einem Buch gelesen. Dazu tippe ich euch jetzt 2 Absätze runter, weil ich das ganze sehr interessant finde.
Cannabis macht "den Körper leicht", so heißt es im ältesten erhaltenen Arzneibuch der Menschheit, dem chinesischen "Pen Tsao", das im Jahr 2737 v.Chr. von dem mythischen Kaiser Shen-Nung zusammengestellt worden sein soll und Cannabis gegen verschiedene Leiden empfiehlt - von Gicht und Rheumatismus über Malaria und Verstopfung bis zur "geistigen Abwesenheit". Als im 16. Jahrhundert die bis heute als Grundlagenwerk der chinesischen Kräutermedizin geltende des "Pen Tsao" von Li Shizhen erscheint, ist die Liste der Indikationen noch deutlich länger geworden: Bei nervöser Verstimmung, Senilität, Komplikationen bei der Geburt, Menstruationsbeschwerden, Krämpfen, Hautausschlägen, Geschwüren und Wunden empfehlen die chinesischen Ärzte Cannabis in den verschiedensten Zubereitungen. Auch die mittelalterliche Heilerin Hildegard von Bingen (1098 - 1179) züchtete in ihrem Kräutergarten den "Cannabus" und empfahl ihn zum Beispiel bei Übelkeit und Magenschmerzen. Ob in Indien oder Tibet, in Afrika oder Arabien, ob im alten Rom oder in Russland - wo immer man auf alte und älteste medizinische Aufzeichnungen stößt,wird dem Heilmittel Hanf eine besondere Stellung eingeräumt. Christian Rätsch vergleicht in seiner ethnomedizinischen Untersuchung "Hanf als Heilmittel" (AT Verlag, 1998) die kulturelle Rolle der Pflanze mit der des Büffels, auf dessen Nutzung die gesamte indianische Kultur aufbaut. Auch Hanf hatte solche kulturspendenden Funktionen und von Anbeginn an stets eine unverzichtbare Rolle als Heilmittel, als rituelle Pflanze und als Aphrodisiakum. Lange vor der explizit medizinischen Nutzung wurde die Cannabispflanze von den Schamanen entdeckt, die in der Frühzeit der Zivilisation die Rolle von Ärzten, Priestern, Psychiatern, Naturwissenschaftlern, Wahrsagern, Zauberern und Hebammen in sich vereinigten.
Pharmakologisch betrachtet ist das Hanfkraut ein merkwürdiger Zwitter: Es hat sedative und stimulierende Wirkung. Deshalb wurde es sowohl als krampflösendes Husten- und Beruhigungsmittel wie auch als anregende und schmerzstillende "Kopfwehtablette" verwendet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war aus Cannabisblüten hergestellte Hanf-Tinktur in den Apotheken Europas und der USA eines der am häufigsten verkauften Arzneimittel - und nicht nur Queen Victoria ging ohne ihre Cannabis-Medizin nicht aus dem Haus. Ihr Leibarzt John Russel Reynold verordnete Hanftinktur unter anderem gegen Husten, asthmatische Zustände, Migräne, Neuralgie, "Krämpfe aller Art" un Schlafstörungen bei älteren Menschen. Verdrängt als enstpannende Universalmedizin wurde Hanf erst mit dem siegeszug der pharmazeutischen Industrie - namentlich von jenem Stoff, den die Firma Bayer ab 1900 als "vorzügl. Beruhigungsmittel mit spezifisch hustenstillender Wirkung" international vermarktete: Heroin. Zu seinem heroischen Markennamen war das patentierte Opiat gekommen, weil die Bayer-Werke behaupteten, es könne den Morphinismus kurieren und die aus den Lazaretten als Junkies heimgekehrten Militärs wieder zu Helden machen. Bis man zugab, hier den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, war "Indisch-Hanf-Tinktur" aus dem deutschen Arzneibuch verschwunden (1941) - und in den prohibitionswütigen USA beeideten Mediziner, dass Cannabis "keinerlei therapeutischen Wert habe". So grotesk diese Aussage angesichts der langen Medizingeschichte des Hanfs scheint - sie galt fast ein halbes Jahrhundert lang als offizielle Lehrmeinung und verhindert bis heute die Rückkehr des Hanfkrauts in die Apotheken. Die einzigartigen Wirkungen von Cannabis gerde bei Schwerstkranken - als Appetitanreger bei AIDS, gegen Übelkeit bei Krebs-Chemotherapie, als Krampflöser bei MS-Patienten - steht zwar wissenschaftlich völlig außer Frage, dennoch verhindert der Drogenkrieg in den meisten Ländern den uneingeschränkten Zugang selbst für Patienten. Zwar ist seit einigen Jahren ein synthetisch hergestellter Hanfwirkstoff auf dem Markt ("Marinol", Dronabinol"), doch ist dieser nicht nur sündhaft teuer, sondern zeigt bei vielen Krnaken auch eine weniger gute Heilwirkung als das natürliche Kraut. In Kalifornien und in anderen US-Bundesstaaten, die sich per Volksabstimmung 1196 das Recht auf "Medical Marihuana" (und entsprechende Abgabestellen) erstritten haben, tobt seitdem ein erbitterter justizkrieg mit der Bundesregierung. Wie die Päpste im Mittelalter sich weigerten, durch Galileis Fernrohr zu schauen, um ihr Weltbild nicht zu gefährden, weigern sich die meisten Politiker nach wie vor, die Ergebnisse der medizinischen Cannabisforschung zur Kenntnis zu nehmen. So sind bis heute viele Patienten gezwungen, sich ihre Medizin - eines der ältesten und ungefährlichsten Heilkräuter überhaupt - illegal anzubauen oder zu beschaffen. Insofern ist die Inquisition des Mittelalters noch nicht zu Ende.
Quelle: "Cannabis" von Mathias Broeckers, Nachtschattenverlag 2002
Der Text soll jetzt auch kein Aufruf zum Kiffen sein, ich finde ihn wirklich interessant, weil Hanf ja eine alte Kulturpflanze ist. Den Teil mit dem Heroin finde ziemlich schräg.

Ich möchte hier keine Kiffer- oder Drogendiskussion lostreten (dafür gibt's ja schon einen
Thread), generell bin ich ja gegen die Cannabis-Legalisierung (dafür für eine Entkriminalisierung).
Im Endeffekt ist es so wie bei jeder Droge - und dazu zähle ich natürlich auch verschreibungspflichtige Medizin oder pflanzliche bzw. Naturmedizin - "Die Dosis macht das Gift".