Was zum Schmunzeln
Aus "Ich Werd Verrückt, Ich Bin Erwachsen" von Stephanie Calmann (Kabel Verlag, 1988):
Wie wir alle wissen, gibt es das ideale Verhütungsmittel nicht. Man hat verschiedene Wahlmöglichkeiten, aber es gibt keine Methode, die nicht irgendwelche Nebnewirkungen hat. Wenn man absolute Sicherheit erreichen will, wähle man die Spirale. Sie verhindert Schwangerschaften hundertprozentig für immer. Der Rest ist eine ungewisse Sache zwischen Chemie und Ingenieurwesen. Mit anderen Worten: Man muß immer irgendeine Unbequemlichkeit in Kauf nehmen, ob im oder außerhalb des Körpers, hängt von der Methode ab.
Bei mir spielte sich das Ganze im Innern ab, aber vor einigen Jahren brachte ich es ans Tageslicht. Als ich die Pille nicht mehr nehmen wollte, ging ich zu meiner Ärztin. Dort wurde ich gefragt, ob ich je eine Kappe getragen hätte. Ich antwortete: "Ja, aber davon wird mein Haar immer ganz platt."
Sie sagte: "Nein, ein Diaphragma. Es wird über den Muttermund gestülpt und verhindert, daß Sperma eindringt." Meine Mutter hatte mir immer gesagt, daß man Sperma am besten draußen hält, indem man die Haustür zumacht, aber ich hielt dies für eine bessere Methode. Warum also nicht? Ich wollte es ausprobieren.
Leider wußte ich nicht, worauf ich mich einließ. Wenn ich es gewußt hätte, wäre ich in ein Trainingslager gegangen. Die Methode mag zwar besonders gesund sein, ist aber nicht für Menschen geeignet, die sich leicht entmutigen lassen. Sie ist wie ein Hindernisrennen mit einem großen Handycap: Man kann die Rennstrecke nicht sehen.
Die Ärztin zog einen Pappkarton hervor und brachte dieses Ding zum Vorschein, das wie ein Modell des Londoner Planetariums aus Gummi aussah. Ich konnte es nicht richtig einsetzen. Sie sagte: "Entspannen Sie sich und nehmen Sie die Position ein, die am bequemsten ist." Die bequemste Position für mich ist, mit einem Gin und Tonic vor mir in einer Bar zu sitzen, aber es war klar, daß es so nicht klappen würde. Also versuchte ich alle anderen Positionen, die einer Frau bekannt sind: sitzend, liegend, stehend und mit einem Bein über der Schulter... Aber es klappte immer noch nicht. Ich wußte, daß ich etwas falsch machte, weil sie mir gesagt hatte, ich würde es nicht spüren, wenn es am richtigen Platz säße. Wenn ich es drin hatte, mußte ich wie ein Jockey laufen, der zu lange auf dem Pferd gesessen hat.
Schließlich sah die Ärztin ein, daß dies länger dauern könnte, als sie erwartet hätte, und um es etwas zu beschleunigen - sie hatte für den nächsten April ihren Urlaub gebucht -, griff sie zu einem konreteren Hilfsmittel. Sie zeigte mir eines dieser Plastikmodelle. Es ähnelte dem Modell, das man mir gezeigt hatte, als ich eine Ohrenentzündung hatte, nur andersherum. Und da ich immer der Meinung gewesen war, daß mein Inneres wie die Zeichnungen in den Biologiebüchern in der Schule aussah, nämlich wie eine aufgeschnittene grüne Paprika, war ich völlig verwirrt. Die Ärztin teilte meinen Pessimismus ganz und gar nicht. Sie sagte einfach: "Machen Sie sich keine Sorgen, nehmen Sie es mit nach Hause und üben Sie, bis es Ihrer Meinung nach klappt." Das munterte mich nicht gerade auf. Wenn ich bei meiner Geschwindigkeit in der Lage sein würde, das Ding richtig zu benutzen, brauchte ich wahrscheinlich keine Geburtenkontrolle mehr.
Das Planetarium reiste in einer Tasche mit zu mir nach Hause, in Begleitung diverser Tuben und Päckchen, die mir die äußerlichen Schwierigkeiten bewußt machten. Wenn man die Nacht nicht im eigenen Haus verbringt, hat ein Diaphragma nichts mehr mit einfacher Planung zu tun, sondern wird zum Gepäckstück. Mit leichtem Gepäck zu reisen, steht ganz außer Frage. Die Sache ist in Ordnung, wenn es dem persönlichen Stil entspricht, überall mit einem kleinen Rucksack aufzutauchen. Wenn du glaubst, du könntest einfach aus dem Haus laufen, nur mit einer Schleife im Haar und einer Handtasche unter dem Arm, vergiß es. Für diese Sicherheitsausrüstung braucht man schon ein etwas größeres Transportmittel - eins, das Aufmerksamkeit auf sich lenken könnte: "Fährst Du in Urlaub?"
"Nein, ich bin nur auf die Kappe umgestiegen."
Schließlich hatte ich den Bogen raus, nachdem ich durchs Badezimmerfenster beobachtet hatte, wie mehrere Jahreszeiten vorübergezogen waren. An einem gemütlichen Abend, als Charlie und ich zu Hause geblieben waren, wollte ich einen Versuch starten. Um mir viel Zeit zu geben, brachte ich ihn im Schlafzimmer mit seiner Zeitschrift Kreative Wege zu Steuerrückzahlungen unter und versuchte es gleich nach dem Essen.
Für diesen Fall lernt man ein großes Badezimmer wirklich zu schätzen. Bei späteren Gelegenheiten versuchte ich das Hindernisrennen blind in Toiletten, die nur enge Kabinen waren, und wurde durch die Tatsache behindert, daß ich meine Knie nicht öffnen konnte. Aber dieses Problem stellte sich hier nicht. Ich würde nicht sagen, daß ich das Ding nicht in den Griff kriegen konnte, aber es rutschte mir dauernd aus der Hand und flog umher. Das Ganze ähnelte stark einem Squash-Spiel. Und die kappe war ein sehr guter Spieler. Sie besiegte mich ständig, bis ich nach einem besonders ermüdenden Ballwechsel das Kommando übernahm und sie an ihren Platz brachte.
Nach diesem beeindruckenden Sieg (9:7), wankte ich triumphierend wieder ins Schlafzimmer, um jetzt wirklich mit der Verhütung anzufangen. Charlie schlief tief und fest. Als ich neben ihm ins Bett kletterte, öffnete er seine Augen kurz und sagte: "Egal, was das für ein Ding ist, es funktioniert jedenfalls hervorragend. Ich bin jetzt für alles zu müde."