Danke, Quietsch für Deinen Beitrag
Es ist nicht so einfach, bei diesem Thema sachlich und präzise zu argumentieren. Ich versuch's mal.
Wenn mit Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle Leben beginnt, bedeutet das ja noch nicht zwingend, dass dieses Leben genauso zu behandeln ist wie ein lebender Mensch. Manche Leute empfinden das so, d.h. gezielte Nidationshemmung wäre (wie) Mord, frühe Fehlgeburten wären entweder fahrlässige Tötung oder - in den meisten Fällen - ein tragischer natürlicher Tod. Aber nicht jeder, der in der Verschmelzung den Beginn menschlichen Lebens sieht, zieht daraus diese Folgerungen.
Zwischen den Extremen - "befruchtete Eizelle ist nur ein Zellhaufen, der nicht lebt und der überhaupt gar keine ethische Relevanz hat" einerseits und "befruchtete Eizelle ist schon Mensch, Nidationshemmung also Mord" - gibt es ja auch Zwischentöne.
Die befruchtete Eizelle mit den Begriffen Zellhaufen oder Kind zu belegen, je nachdem, welche Ansicht man vertritt, finde ich für die Diskussion nicht förderlich. Ich bin auch ein Zellhaufen. Großer Unterschied zum Zellhaufen der befruchteten Eizelle: Ich habe (u.a.) ein Nervensystem, Schmerzempfinden und ein Bewusstsein. Diese Aspekte finde ich
sehr wichtig, deshalb habe ich mit späten Abtreibungen ein wesentlich größeres ethisches Problem als mit früheren.
Der Begriff Leben kann viel bedeuten: Mensch, Hund, Fliege, Baum, Blume, Bakterium... Menschliche Zellen in einer Zellkultur können ja auch noch "leben", d.h. sich teilen etc. Einfache Zellen würde ich - auch wenn noch nicht abgestorben - nicht als
menschliches Leben bezeichnen. Eine befruchtete Eizelle ist schon menschliches Leben, aber noch kein Mensch.
Wegen Kontinuität, Identität und Potentialität der befruchteten Eizelle finde ich sie grundsätzlich schützenswert, aber nicht absolut, sondern unter Abwägung anderer Interessen.
Das Potentialitätsargument wurde mir als Atheistin (!) mal als "typisch christlich" und deshalb per se als außer acht zu lassen um die Ohren gehauen... Bei der Stammzellforschung kenne ich mich nicht so gut aus. Die mögliche Heilung schwerer Krankheiten ist natürlich ein gewichtiges Interesse.
Das von Quietschi genannte Problem mit dem *tadaa* - ab jetzt ist es ein Mensch - ist sehr, sehr schwierig. Man muss wohl willkürlich eine Grenze ziehen (wie z.B. im Strafrecht bei der Abgrenzung zwischen Abtreibung und Mord/Totschlag).