Lang hats gedauert, wenn man bedenkt, dass ich schon vor über drei Jahren überlegt habe: Im vergangenen Zyklus (Nr.
131) habe ich die Wechseljahrsregeln endlich angewendet, und da das hier anscheinend noch nicht ganz so verbreitet ist, möchte ich berichten, wie ich ausgewertet habe.
(In Nr. 126 gab es schon einen halbherzigen Versuch mit CI und in Nr. 129 habe ich im Nachhinein die mögliche WJ-Auswertung eingetragen.)Wer sich damit jetzt noch gar nicht beschäftigt hat: Man wertet dann nur den Schleim oder nur den Muttermund aus. Die Regeln entsprechen denen in der Stillzeit, man muss dann jeweils bis zum vierten Tag zählen. Mit den speziellen Regeln zum Schleim habe ich mich nicht näher auseinandergesetzt, denn ich werte schon seit Ewigkeiten den Muttermund aus. Mit dem komme ich seit vielen Zyklen viel besser zurecht als mit dem Schleim, er gab mir (entgegen N&S) meist auch eher frei und er ist bisher auch in den Wechseljahrszyklen viel verlässlicher. Die Temperatur messe ich weiterhin, auch wenn das oft etwas sinnlos erscheint.
Mir war (und ist im Grunde immer noch) nicht ganz klar, ab wann man das überhaupt so machen darf. „Erst wenn es zu anhaltenden Verlängerungen der Zyklen mit fehlenden oder seltenen Temperaturanstiegen kommt…“, schreibt N&S dazu. Inzwischen bin ich der Meinung, das trifft auf mich zu, 2015 hatte ich lediglich drei, vielleicht auch vier Eisprünge (2011 waren es noch 14). Ich denke schon, dass man das als „seltene Temperaturanstiege“ bezeichnen kann, aber über die „anhaltenden Verlängerungen“ kann man sich streiten, denn es waren auch zwei sehr kurze Zyklen mit sehr frühen ES dabei. (Bei der
Wechseljahrs-Zyklensammlung und auch als
Grafik habe ich schon von der Entwicklung meiner Zyklen berichtet.)
Bevor es „ernst“ wurde, habe mir die Zyklen der letzten Jahre ganz genau angesehen: Wo wäre eine WJ-Auswertung möglich gewesen? Und viel wichtiger: Hätte es an irgendeiner Stelle schief gehen können?
Aus den kurzen Zyklen ergab sich für mich lange ein gedankliches Problem: Was, wenn der Muttermund schon recht früh umschwingt und dann doch bald ein Anstieg kommt? Dann gebe ich womöglich direkt zum ES frei

(z. B. in Nr. 114 denkbar). Oder es wäre prinzipiell während des Anstiegs eine Freigabe nur mit dem Mumu möglich, bevor die Temperaturauswertung ganz abgeschlossen ist (z. B. in Nr. 119 und Nr. 123). Aber diese drei Zyklen sind auf ihre Art sehr speziell und wenn sich ein Anstieg abzeichnen könnte, was in allen drei Zyklen der Fall ist, würde ich keineswegs nur mit dem Mumu freigeben. Deshalb ist mir das Messen auch nach wie vor wichtig. Und in den Turbo-Zyklen ist der ES vorbei, bevor ich nach der Mens überhaupt bis vier zählen kann

(z. B. Nr. 130). Ich sehe mögliche kurze Zyklen für mich daher nicht als Risiko an.
Wirklich suspekt ist mir allerdings im Nachhinein Nr. 126, man kann ja nicht darauf spekulieren, dass die Hochlage schon zu kurz sein wird. Das war aber insgesamt auch ein blöder Zyklus und ich weiß nicht, was da eigentlich los war (komisches Verhalten anscheinend bekannter SF, Erkältung). Ich war da eh noch nicht ganz so weit, aber ich hätte rein aus Bauchgefühl nicht ab ZT 83 nur nach dem Mumu freigegeben. Ob das wirklich nötig gewesen wäre, weiß ich nicht, aber auf solche „da ist irgendwas seltsam“-Signale werde ich jedenfalls auch weiterhin hören.
Der gerade vergangene lange Zyklus Nr. 131 hatte nun wieder eine lange Phase mit hartem und geschlossenem Mumu, so dass es mir einfach verdammt schade darum war

Also hab ich mir die Regeln noch mal ganz genau angeschaut.
Zunächst einmal braucht man – bei Auswertung mit dem Muttermund – vier Tage mit hartem und geschlossenem Muttermund. Ab dem vierten Abend kann man dann unfruchtbar annehmen. Ich würde nach der Mens anfangen zu zählen (die sich diesmal sehr lange hinzog), leider gibt’s dann eine Schmierblutung an ZT 15 (dazu gleich), aber von ZT 17 bis 20 ist der Mumu brav und ab dem Abend des 20. ZT wäre zunächst frei. Nun muss man jeden Abend checken, ob der Mumu immer noch hart und geschlossen ist. Wenn nicht, dann muss ab dem Zeitpunkt wieder Fruchtbarkeit angenommen werden und es muss wieder auf vier neue Tage hart und geschlossen gewartet werden.
Über die Höhe wird nichts ausgesagt. Es heißt: fruchtbar, sobald sich der Gebärmutterhals verändert. Da aber von der Höhe in diesem Zusammenhang nicht die Rede ist, gehe ich davon aus, dass sich die Veränderung hier nur auf Härte und Öffnungsgrad bezieht

N&S schreibt: „Wann immer eine Blutung auftritt…müssen Sie zunächst Fruchtbarkeit annehmen.“ Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das nur bei der Beobachtung des Schleims gilt, denke aber, es gilt in jedem Fall, könnte ja eine ES-Blutung sein oder zur Mens werden. Also unterbricht die minimale SB an ZT 23 und 24 die freie Zeit bzw. stört ZT 15 die Zählung, danach muss wieder neu mit dem Zählen begonnen werden. Zwischen dem Abend von ZT 28 und ZT 41 ergibt sich dann eine längere unfruchtbare Phase.
„Verschenkt“ habe ich hier immer noch einiges, es fiel mir vom Kopf her wirklich sehr schwer, einfach so „mitten im Zyklus“ freizugeben. Da ist man nun jahrelang darauf getrimmt, auf den ES bzw. den ausgewerteten Anstieg zu warten und nun soll man das alles ignorieren? Andererseits muss man die Chancen auch nutzen, denn nach ZT 41 war dann fast schon Schluss, nur von ZT 77 bis ZT 79 wäre noch was gegangen. Ansonsten war der Muttermund nie mehr vier Tage hintereinander hart und geschlossen (und der Zyklus ging insgesamt 132 Tage).
Ich finde es sehr gewöhnungsbedürftig, so auszuwerten; es waren immer mal wieder ein paar (wenige) Tage und dieses „Hin und Her“ ist so ganz anders als man das von der üblichen Auswertung in normalen Zyklen gewohnt ist. Und die absolute Sicherheit der Hochlage fehlt mir noch. Ich mache trotzdem auf jeden Fall erst mal so weiter – so gut es halt geht. Viel kommt leider nicht dabei rum. In Nr. 129 hätte es sich ganz gut „gelohnt“, aber da hatte ich gesundheitliche Probleme, Hitzewellen und Kälteeinbruch sorgen außerdem für komische Temperaturverläufe und ich wollte nicht ausgerechnet dann bei der Verhütung rumexperimentieren.
Im KR sieht so ein Zyklus mit eventuell zahlreichen Linien sehr ungewohnt aus. Auf dem herkömmlichen Zyklusblatt stehen meist endlose F-Reihen und ab und zu mal nichts. Insgesamt finde ich so einen Zyklus sehr unübersichtlich, aber das stört trotzdem nicht, denn in dem Moment, wo es interessant ist, weiß man ja, was Sache ist. Ob das Zyklusblatt drei Monate später noch vorzeigbar ist, wen juckts
Ich weiß nicht, ob ich hier im Forum möglicherweise die erste bin, die die Wechseljahrsregeln anwendet. Zumindest wohl die erste, die drüber schwadroniert

Ich würde mich sehr über Austausch freuen! Und auch sonst bin ich für Kommentare und Anmerkungen sehr dankbar, vor allem, falls irgendwem Fehler aufgefallen sind.