Ich hatte ja neulich mal gesagt, dass ich berichten wolle, wenn ich mich durch "Natürliche Empfängnisregelung" durchgearbeitet habe und das mach ich dann jetzt mal, wobei ich mich an der Stelle auf die Unterschiede und einige Gemeinsamkeiten in den Methodenregeln beschränken möchte. Was ich von Stil, Aufbau und Drumrum des Buches halte, hatte ich an anderer Stelle schon geschrieben.
Ich beziehe mich auf die 21. Auflage von 94.
Ergänzungen und Korrekturen (und Meinungen natürlich) sind herzlich willkommen, ein paar Mädels hier wissens ja besser.
Die Blutung
Eine Blutung gilt nach Rötzer nur als "echte" Menstruation, wenn ihr eine Hochlage (mind. 3 Tage) vorausgegangen ist. Es wird auch nur in diesem Fall ein neues Zyklusblatt angefangen, also nicht automatisch mit einer Blutung in Mens-Stärke nach einem monophasichen Zyklus.
Der Zervixschleim
Die Beobachtung von "f" - und nur diese - bezeichnet Rötzer als "Feinbeobachtung", auf die er größten Wert legt.
Dabei ist interessant, dass f ausdrücklich nur einer Empfindung innerhalb der Vagina zugehörig ist. Und zwar auch einer solchen wie "es rinnt", "es fließt", "es blubbert" usw., also Empfindungen, die wir vielfach als S+ einordnen.
Dementgegen stehen äußerliche Feststellungen wie "nass" und "gltschig", die - wie bei uns - dem Schleim bester Qualität zugeordnet werden.
Eintragung
Statt einer Unterscheidung der S-Qualitäten mit einem + wird in der NER nur ein S mit verschiedenen Zusatzkürzeln verwendet, die aber gleichfalls zwei grundsätzliche Qualitätskategorien anzeigen.
Schleim, der noch nicht die beste Qualität erreicht hat, wird z.B. oberhalb des Kürzels noch mit w für weißlich, mi für milchig, kl für klumpig... versehen, allerdings scheint das bei diesen minderen Qualitäten nicht zwingend zu sein.
Schleim der besten Qualität bekommt Kürzel wie EW wie Eiweiß, gl für glasig, fl für flüssig.
Mir persönlich kommt das etwas unübersichtlich vor.
Wenn sich der Schleim über den Tag verändert, also z.B. von f zu S, dann soll über dem S auch das f eingetragen werden, damit man den Verlauf verfolgen kann.
Wird Schleim auch an der Zervix entnommen, so steht oben in der Kurve das Kürzel für den äußerlich beobachteten und empfundenen Schleim, in der MuMu-Zeile wird aber
zusätzlich auch noch die entsprechende Beobachtung eingetragen.
Rötzer geht erstmal grundsätzlich davon aus, dass man die Beobachtung am Scheideneingang nicht aufgibt, zeigt sich aber für den (sinnvollen

) Vorschlag von Anwenderinnen offen, darauf dann doch gleich zu verzichten. Überhaupt ist er solchen "Praxis-Hinweisen" gegenüber anscheinend sehr aufgeschlossen, das find ich zur Abwechslung mal toll.
Der Höhepunkt
Der SH wird hier mit einem dicken Punkt gekennzeichnet und ist ebenfalls definiert als der Tag mit der individuell besten Schleimqualität.
An der Stelle bin ich nicht ganz sicher - vielleicht kann Viktualia da weiterhelfen -, aber es scheint mir so, als müsse das nicht unbedingt ein Qualitätswechsel entsprechend "von S+ auf S" oder "S auf f" sein.
Es gibt z.B. eine post-pill-Kurve, bei der die Frau direkt eine quasi-Binnendifferenzierung anwendet.
Der Höhepunkt zeigt
gel
blichen S, der nächste Tag hat kein Zusatzkürzel, der übernächste aber
g(elb). Da weiß ich nicht so recht, was ich damit anfangen soll.
Da bei Rötzer nicht 1-2-3 gezählt wird (s.u.), entfällt dieses Zusatzkriterium für den Höhepunkt und mir erscheint das mit der "individuell besten Qualität" bei ihm alles etwas schwammig.
Die Temperatur
Rötzer empfiehlt bei analoger Messung (digital wird nicht erwähnt) oral eine Messdauer von 8 Minuten, vaginal und rektal von 5 Minuten.
Messzeiten sollen eingetragen werden, wenn sie nach 7:30 Uhr liegen oder von der gewöhnlichen Messzeit um mehr als 1 1/2 Stunden abweichen.
Störungen werden teilweise auch wieder durch verschiedene Kürzel gekennzeichnet, auf jeden Fall aber dokumentiert.
Auswertung
Höhere Messungen liegen stets nach dem Höhepunkt und dürfen nur dann umkringelt werden. Dadurch erreicht Rötzer praktisch das, was wir durch unsere H-1-2-3-Zählung erreichen, der Effekt dürfte eigentlich immer derselbe sein.
Bei einem "verfrühten Temperaturanstieg" - also vor dem Höhepunkt - wird die Basislinie zwar gezogen, wie wir das auch machen, so dass der 1. Wert über der Linie früher liegen kann, eingekringelt und zur Auswertung herangezogen werden aber nur die Werte nach dem Höhepunkt.
Nehmen wir also mal an, dass der erste höhere Wert einen Tag vor dem Höhepunkt liegt, dann wird erst ab dem dritten gekringelt und der fünfte muss 2/10 höher liegen, als die Basislinie.
Unklar scheint mir, ob nun die "verfrühte" 1. hM für die Berechnung der freien Zeit am Zyklusanfang (s.u.) herangezogen wird oder die "gekringelte".
Die beiden Ausnahmeregeln gibt's ebenfalls, ebenso die post-pill-Sonderregel.
Unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang
Dadurch, dass bei monophasichem Verlauf kein der Zyklus fortlaufend betrachtet wird, enfällt die Bedingung (bzw. ist implizit), dass man zum Freigeben am Zyklusanfang vorher eine Hochlage gehabt haben muss.
Grundsätzlich darf man - in doppelter Kontrolle - 6 Tage freigeben.
Wenn man sich aber (ohne Mens-Kalender) daran erinnert, dass man ungefähr alle drei Wochen menstruiert, soll man sich am Zyklusanfang nicht freigeben.
Die Minus-8-Regel begegnet uns hier als (unendlich kompliziert erklärte) "modifizierte Döring-Regel" und greift ebenfalls nach 12 Zyklen oder früher 1. hM.
Es gibt eine etwas seltsame Ausnahme bei frühesten 1. hM an ZT 13 oder früher: Da wird daraus eine "Minus-7"-Regel. Begründung: Die fruchtbare Zeit sei in kurzen Zyklen ebenfalls kürzer. Ist mir nicht wirklich einsichtig, muss ich sagen, vor allem mit dieser Schlussfolgerung.
Die Minus-20-Regel entspricht der unseren.
Bei Beobachtungen über mehr als ein Jahr besteht die Möglichkeit, sich bis zum Auftauchen von mindestens f freizugeben, was ja theoretisch länger sein kann, als mit -8. Das wird aber nur in einem Nebensatz erwähnt, ob es wirklich als sicher betrachtet wird, kommt nicht richtig raus.
Die Zervix
Der MuMu-Beobachtung misst Rötzer extrem hohe Bedeutung bei, er wird da richtig euphorisch.

Er geht sogar so weit zu behaupten, dass alleinige MuMu-Beobachtung beide anderen Zeichen bei gleicher Sicherheit vollständig ersetzen kann. An der Stelle: Liebe Kinder, besser nicht nachmachen!
Die MuMu-Auswertung scheint genau zu laufen, wie bei uns, also dritter Tag mit geschlossenem... etc.
Eine Kombination mit der Temperaturauswertung scheint nicht vorgesehen zu sein. Der MuMu wird also z.B. allein betrachtet, wenn man keine Temperatur messen kann, die höheren Messungen mickrig sind oder man keine 6 tiefen Werte zusammenkratzen kann.
Soweit erstmal, ich denk, ich hab so ziemlich alles drin, was irgendwie methodisch anders ist. Und wer jetzt wissen will, warum es bei uns anders ist, der muss "Natürliche Familienplanung heute" lesen.
